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Schwan warnt bei Friedrich-Ebert-Stiftung vor "Erosion der Demokratie"

Rund 250 Besucher sind gestern Nachmittag der Einladung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in den Stadthäger Ratskeller gefolgt, um zu hören, was Gesine Schwan zum Thema "Das Vertrauen in die Demokratie stärken!" zu sagen hat. Deren Analyse des gegenwärtigen Zustands von sozialer Marktwirtschaft und Demokratie in Folge der Globalisierung fiel prägnant in einen 18-Minuten-Vortrag gebündelt reichlich schonungslos aus.

Gesine Schwan sprach auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftungü

Eine "Verabsolutierung von Wettbewerb, Erfolg und maximalem Gewinn" drohe die ganze Gesellschaft zu durchdringen, ja, diese zu "einer Gesellschaft von Wölfen" zu machen, formulierte die SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. Die Erosion der sozialen Marktwirtschaft beinhalte eine Erosion der Gerechtigkeit. Daraus wiederum resultiere ein verbreiteter Vertrauensverlust in das demokratische System, denn dieses lebe stark vom Vertrauen der Bürger in funktionierende soziale Partnerschaften. Als Beispiele nannte sie die Mitbestimmung und den Flächentarif (gleicher Lohn für gleiche Arbeit). Würden diese ausgehöhlt, sinke auch das Vertrauen in die Demokratie. Globalisierung ermögliche durch breitere und schnellere Kommunikation und Mobilität aber auch wirksameres bürgerschaftliches Engagement als "Gegenmacht" zu den demokratiezersetzenden Entwicklungen - und zwar international, aber vielfach davon abgeleitet auch vor Ort. Wo Menschen sich im Sinne einer Zivilgesellschaft zusammentäten, um in Projekten unterschiedlicher Art auf mehr Gerechtigkeit hinzuwirken, wachse Vertrauen. "Vor Ort praktisch gesellschaftlich tätig zu sein, nützt der Demokratie", machte Schwan Mut zum Tun. Die Kürze des Vortrags ermöglichte ein mehr als einstündiges Frage- und Antwortspiel, vom Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy moderiert. Viele Zuhörer nutzten dies, um Schwan zur Konkretisierung ihrer Thesen aufzufordern und um diese infrage zu stellen. So kamen auch CDU-Vertreter und Sympathisanten der Linken zu Wort. ssr

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