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Streit um Schulstreik in Hannover: Gymnasiasten fühlen sich von CDU-Stadtverband angegriffen

Schüler wehren sich: "Wir sind keine Chaoten"

Rinteln (wm). Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Ernestinum sind empört über die Äußerungen von Sebastian Westphal in seiner Eigenschaft als Pressesprecher des CDU-Stadtverbandes. Sie fühlen sich in dessen Pressemitteilung zum Schülerstreik in Hannover (wir berichteten) mit Linksradikalen und Straftätern "in einen Topf geworfen", wenn Westphal schreibe, die Schüler seien "von linksextremistischen Parteien vereinnahmt worden, um als Fußtruppe gewaltbereiter Chaoten zu dienen". Der Stadtverband hatte unter anderem auch vermutet, "die Schulleitungen hätten nicht genügend Aufklärung im Vorfeld betrieben und Eltern wie Schüler im Unklaren gelassen, wer die eigentlichen Drahtzieher" dieses Schulstreiks waren.

Westphal gehe anscheinend davon aus, Schulleitung und Schüler hätten nicht in Kontakt gestanden - das Gegenteil sei am Gymnasium Ernestinum der Fall gewesen. Schulleiter Reinhold Lüthen sei informiert gewesen, ebenso die Klassensprecher, die in einer eigenen Versammlung über den geplanten Schulstreik unterrichtet worden seien, schilderten in einem Pressegespräch stellvertretend für die betroffenen Schüler Katharina Lange, Christian Döring und Lioba Ufer. Die Schüler hätten auch nicht das umstrittene Flugblatt mit dem Porträt der Bundeskanzlerin verteilt, sondern ein eigenes, neutrales Flugblatt angefertigt, in dem nicht zum Schulstreik aufgerufen, sondern über die Anliegen der Schüler informiert worden sei. Die Schüler betonten, es habe auch keine gemeinsame Anreise der Gymnasiasten gegeben - wie Westphal mit dem Satz suggeriere, die Aufwendungen seien ja wohl kaum aus einer "Klassenkasse" gekommen - sondern jeder sei auf eigene Kosten mit dem Zug oder mit seinen Eltern im Pkw nach Hannover gefahren. Elternvon minderjährigen Schülern hätten in einer Entschuldigung außerdem ausdrücklich der Teilnahme ihrer Kinder zustimmen müssen, viele Eltern seien sogar mitgefahren. Absurd nach Meinung der Schüler auch Westphals Bemühen, die demonstrierenden Schüler in Hannover mit der Antifa in Verbindung zu bringen. Katharina Lange: "Wenn die CDU in Rinteln auf dem Marktplatz einen Informationsstand aufbaut und nebenan demonstriert eine Antifa-Gruppe, können die CDU-Mitglieder auch nichts anderes unternehmen, als die Polizei zu verständigen." Niemand käme deshalb auf die Idee, die CDU in die Nähe der Antifa zu bringen. Alle Schüler, berichteten Lange, Döring und Ufer, seien von dem Auftauchen der gewaltbereiten Militanten überrascht worden - und wie sich gezeigt habe, auch die Polizei. Niemand habe damit gerechnet, dass sich die Veranstaltung so entwickeln würde. Unabhängig davon haben die Schüler den Verdacht, die Presseerklärung der CDU könnte bewusst so polemisch formuliert worden sein, um vom eigentlichen Anliegen der Schüler abzulenken, nämlich dem Engagement für eine bessere Schulpolitik im Land Niedersachsen. Gerade die Tatsache, dass 8000 Schülerin Hannover waren, zeige doch, wie berechtigt die Anliegen der Schüler sind. Den Inhalt der Pressemitteilung bewerten die Schüler als eine gezielte Einschüchterungspolemik: "Offensichtlich sollen im Vorfeld der zweiten geplanten Veranstaltung am 24. Januar in Hannover Schüler wie Eltern abgeschreckt werden." Der 24. Januar sei übrigens ein Sonnabend und damit ein schulfreier Tag. Die Schüler hätten ganz friedlich am demokratischen Diskussionsprozess mitwirken wollen, Westphal dagegen habe mit seiner Presseerklärung der Antifa zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft und damit eine Plattform gegeben.

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