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Ortsbegehern pustet rauer Ostwind um die Nasen / Rösener hilft höchstprozentig

Schnatgang in Cammer erinnert an eine Expedition ins Arktische

Cammer (bus). Dass der Wettergott ein erhebliches Interesse an den Gegebenheiten der Ortschaft Cammer hegt, darf seit Sonnabend füglich in Zweifel gezogen werden. Besonders der alljährlich vom Ortsrat organisierte Schnatgang scheint dem guten Mann gänzlich am Allerwertesten vorbeizugehen. Als sich der etwa 20 Personen umfassende Trupp morgens um 9 Uhr am Dorfgemeinschaftshaus auf den Inspektionsweg machte, pustete ihm vonRusbend her ein derart rauer Ostwind um die Nasen, dass der Marsch eher an eine Expedition ins Arktische erinnerte, denn an eine schaumburgische Grenzbegehung. Soviel vorweg: Niemand ist ernsthaft zu Schaden gekommen.

Friedrich Rösener (vorne, r.) begrüßt die Teilnehmer zum Schnatg

Das mag zum einen am höchstprozentigen Startschnaps - Ortsbürgermeister Friedrich Rösener: "Der ist so gut, davon gibt's zunächst für jeden nur einen Halben" - und zum anderen an der hervorragenden Verfassung sowie der passenden Bekleidung der Wanderer gelegen haben. An der meteorologischen Langzeiterfahrung Röseners, "Ostwind ist immer kalt, ganz gleich aus welcher Richtung er kommt", eher nicht. Der mit mächtigen Schritten vorausstürmende Bürgermeister hatte ein ordentliches Programm zusammengestellt. Wegen der zuvor festgelegten Routenführung, in die auch eine Glühwein-Station an der Straße "Vorm Walde" eingefügt war, ging es anfangs nicht in den bebauten und relativ geschützten Teil der Ortschaft, sondern Richtung Norden, wo jede Menge freies Feld in Augenschein zu nehmen war. Imäußerten westlichen Winkel Cammers, wo die Grenzen von Bückeburg, Petershagen und Minden aufeinander treffen, hatte die Stadt unlängst eine Vorrangfläche zur Errichtung von Windkraftanlagen ausgewiesen. Die Schmalheit der nach Röseners Einschätzung "mit Sicherheit kleinsten Vorrangfläche Deutschlands" sei der Kommission unbedingt vor Ort vor Augen zu führen, erläuterte der Ortsbürgermeister den Abstecher in die Feldflur. Einige Wegminuten später machte der bestens präparierte Gruppenführer den nachfolgenden Verwaltungsvertreter Manfred Rettig - "ich hatte mich auf einen Schnatgang vorbereitet, nicht auf eine Schnathatz" - am Rande des Schaumburger Waldes auf zehn kleine Parzellen aufmerksam, die während der regionalen Neuordnung 1971 offensichtlich übersehen und bis auf den heutigen Tag nicht aus dem Besitz der Stadt Petershagen herausgelöst wurden. In Röseners Augen ein Unding, das in dem zuordnungstechnisch ohnehin zwickmühligen Terrain - der Wald gehört zu Rusbend, der Weg an dessen Rand einer Privatperson und eine von diesem Weg abzweigende Verbindung zu Petershagen - unbedingt aus der Welt zu schaffen ist. Er werde "um die Eingemeindung kämpfen", ließ der Bürgermeister keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen. Vergleichbares Engagement sei auch hinsichtlich der gesperrten Päpinghauser Aue-Brücke an den Tag zu legen, ermunterte er die Ortsbegeher zum Mittun. "Wir müssen Druck ausüben, um den Neubau zu forcieren." Im Anschluss an die Glühwein-Station, als Wind und Wanderer es merklich ruhiger angehen ließen, waren die Aktionen vorwitziger Landwirte (Acker zu breit gepflügt) und nachlässiger Hausbesitzer (Hecke nicht ausreichend zurückgeschnitten) Besichtigungsschwerpunkte. Darüber hinaus standen der Gieseckenbrink, wo der Bürgersteig hergerichtet werden soll, das Areal des an der Friller Straße geplanten Bolzplatzes und der Standort des künftigen Backhauses unweit des Dorfgemeinschaftshauses auf dem Schnatprogramm. Dass im Anschluss an eine zünftige Stippgrützenmahlzeit einige weitere Halbe des vorzüglichen Hochprozenters die Abschlussdiskussion beflügelten, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

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