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Kontroverse Ratsdebatteüber Bögel-Antrag / SPD zweifelt Finanzierbarkeit an: "Bloßer Populismus"

Schienenbus nach Stadthagen bleibt Vision

Obernkirchen (sig). Welche Chancen hat der Personennahverkehr auf der Schiene zwischen Obernkirchen und Stadthagen? Werden die Schienen weiter vor sich hin rosten, oder könnten es die immer weiter steigenden Benzinpreise sein, die einer solchen Idee wieder Leben einhauchen? Bei diesem Thema ging es im Rat der Bergstadt hoch her. Ein Antrag des Ratsherrn Dr. Konrad Bögel brachte alles ins Rollen.

Die meisten Gleise setzen bereits Rost an, denn neben dem Güterv

Die politische Konkurrenz befürchtet, dass Bögel damit die heiße Wahlkampfphase für die Gruppe "WIR" einleiten will. Die Mehrheit der Ratsmitglieder war deshalb nicht gut auf ihn zu sprechen. Der so Gescholtene wies solcherart Überlegungen weit von sich. In einem Schreiben an den Rat hatte er Ende Mai darum gebeten, alle erforderlichen Schritte zu unternehmen, um auf der Strecke zwischen Obernkirchen und Stadthagen den zum Erliegen gekommenen Nahverkehr zu reaktivieren. Peter Schultz aus Obernkirchen hatte die Vorlage für eine erneute Behandlung dieses Anliegens geliefert. Seine Sicht, dass die Bergstadt durch Busse verkehrstechnisch nur ungenügend mit der Kreisstadt und den Nachbarorten verbunden sei, wird von Konrad Bögel und dem Bürgermeisterkandidaten Bernd Kirsch geteilt. Die Kinder und Jugendlichen, dieweiterführende Schulen in der Kreisstadt besuchen, würden bei den jetzigen Verkehrsregelungen zu viel Freizeit einbüßen. Die gemeinsamen Vorstellungen konzentrieren sich auf den Einsatz eines Schienenbusses, der im Stundentakt zwischen Obernkirchen und Stadthagen verkehrt. So würde man auch leicht eine Anbindung an den Bahnverkehr nach Hannover und Minden schaffen, unterstrich Bögel. Am Bahnhof der Bergstadt könne man freie Flächen für "Park& Ride" schaffen, ebenso an einem Haltepunkt in Sülbeck ganz nahe an der Bundesstraße 65. Ein weiterer Haltepunkt beim Restaurant "Rhodos" erschließe die Einkaufsmöglichkeiten im Bereich von "Marktkauf" und der Innenstadt. Adolf Bartels (SPD) erklärte dazu unmissverständlich: "Solange kein Vorschlag dafür vorliegt, wie das bezahlt werden soll, betrachte ich das als bloßen Populismus. Das hat auch nichts mit Visionen zu tun. Es liegt klar auf der Hand, dass die Bürger die Bahn als Transportmittel auf dieser Strecke nicht so genutzt haben, wie es notwendig wäre, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen." Stadtdirektor Wilhelm Mevert fragte: "Wer soll der Träger einer solchen Lösung sein?" Das Land Niedersachsen verkaufe seine Anteile an der Osthannoverschen Eisenbahn, die auch für die Linie Rinteln-Stadthagen zuständig ist. Er sei sehr gespannt, was dann aus dieser Strecke werde, die jetzt im Wesentlichen nur noch für den Güterverkehr genutzt wird. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Wilhelm Mevert bezeichnete das Vorhaben als wünschenswert, aber nicht finanzierbar. Man sollte deshalb mit diesem Antrag auch keinen Ausschuss mehr befassen. Die Sprecherin der Gruppe "Mitte", Beate Krantz, reagierte mit der Aussage: "Ich habe die Vision, diese Bahnlinie sollte erhalten bleiben. Betrachten wir sie als ein langfristiges Ziel,das jetzt aber nicht im Wahlkampf zerredet werden soll. Der nächste dafür zuständige Fachausschuss des neuen Stadtrates kann sich damit befassen." Sie bekam Unterstützung vom Bürgermeisterkandidaten Thomas Stübke, der sogar eine S-Bahn-Anbindung an die Stadt Hannover anstrebt. Bürgermeister Horst Sassenberg jedoch sieht es durch das Landesnahverkehrskonzept als klipp und klar erwiesen an, dass sich solche Pläne finanziell nicht realisieren lassen. Schließlich entschied der Rat mit den Stimmen der SPD, dass der Antrag nicht weiter behandelt und auch nicht an einen Fachausschuss überwiesen wird. Die Mehrheit der Opposition kam durch Enthaltungen in der Mehrheitsgruppe zustande.

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