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Rund 70 Zuhörer bei Infoveranstaltung mit Gerd Bücker / Rudolf-Heß-Plakate geklebt: Zeugenhinweise führen zu Anzeige

"Schaumburgs rechte Szene keine bedeutende Nummer"

Auetal (crs). Es ist ein sicheres Indiz für den Erfolg einer Veranstaltung, wenn der Platz knapp wird. Am Mittwochabend in der Grundschule Rehren mussten immer mehr zusätzliche Stühle herbeigetragen werden, so groß war das Interesse an Informationen zum Thema Rechtsextremismus. Rund 70 Zuhörer waren auf Einladung der Ratsfraktionen und der Gemeindeverwaltung zum Vortrag des Experten Gerd Bücker vom Landespräventionsrat gekommen, darunter viele Jugendliche und etliche Vertreter der Politik. Auch ein Grüppchen rechter Jugendlicher zählte zu den Besuchern des von der Polizei geschützten Informationsabends. Zahlreiche Zuhörermeldeten sich in der anschließenden Diskussionsrunde zu Wort, die von Frank Werner, Chefredakteur unserer Zeitung, moderiert wurde.

Gerd Bücker (r.) vom Landespräventionsrat skizziert die Entwickl

Bücker skizzierte zunächst die Entwicklung rechter Gruppierungen in Niedersachsen. Als einzige Partei im rechten Spektrum verbucht die NPD steigende Mitgliederzahlen - in Niedersachsen sind es zurzeit etwa 600, die DVU hat 400, die Republikaner 220 - und ist mit einem Altersdurchschnitt von rund 44 Jahren die jüngste Partei überhaupt. "Rechtsextremismus ist trotzdem kein reines Jugendproblem", belegte Bücker mit einem Blick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl 2005: Bei Erst- und Zweitstimmen hat die Partei ihre Ergebnisse gegenüber 2002 jeweils verfünffacht. Eine nicht unwichtige Rolle in der rechten Szene Niedersachsens spielen zudem die Kameradschaften mit ihren insgesamt rund 400 Mitgliedern. Die Anfänge der "Kameradschaft Weserbergland" gehen bis ins Jahr 2000 zurück, seit der Auflösung im letzten Jahr agieren die Mitglieder unter verschiedenen Organisationsbezeichnungen, mit klaren Verknüpfungen zum Beispiel in die Szene Ostwestfalens. Schaumburg ist Bückers Einschätzung zufolge in derrechten Szene Niedersachsens aber "keine ganz bedeutende Nummer". Gleichwohl forderte er insbesondere mit Blick auf die Kommunalwahl im September, die Szene aufmerksam zu beobachten: "Es wird Flugblätter geben, Info-Stände und Plakataktionen", stellte Bücker subtile und weniger subtile Entwürfe vor; außerdem spielte er Beispiele rechtsextremer Musik vor. Im Zusammenhang mit der Wahl beobachtet der Landespräventionsrat die Gründung verschiedener "Nationaler Bündnisse", so zum Beispiel in der Region Hannover, oder "Bürgerbündnisse", die als vermeintliche freie Wählergemeinschaften zur Wahl antreten. "Da könnte der eine oder andere Wahlerfolg möglich sein", warnt Bücker. Dass 13-, 14-, 15-Jährige nach wie vor anfällig sind für rechte Parolen, liegt Bücker zufolge insbesondere an mangelnder Nestwärme von zu Hause. "Wir müssen uns mehr um unsere Kinder kümmern", schloss der Kriminalbeamte sein Referat. Bereits in der Nacht zu Mittwoch waren im Zusammenhang mit der Info-Veranstaltung an der Schule sowie an weiteren Stellen im Auetal Rudolf-Heß-Plakate geklebt worden. Durch Zeugenhinweise konnte die Polizei die mutmaßlichen Urheber ermitteln: Gegen sie laufen Ordnungswidrigkeits-Verfahren.

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