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Nächste Woche bleiben die Praxen geschlossen / Notfallversorgung geregelt

SchaumburgerÄrzte gehen auf die Straße - auch für ihre Patienten

Landkreis (ej). Bundesweit proben niedergelasseneÄrzte den Aufstand gegen eine aus ihrer Sicht drohende Verschlechterung der Gesundheitsversorgung. Diese Protestwelle hat nun auch den Landkreis Schaumburg erreicht. So will ein Großteil der mehr als 100 hiesigen Ärzte aller medizinischen Fachgebiete übermorgen am nationalen Protesttag in Berlin teilnehmen. Damit aber nicht genug: In der gesamten Woche von Montag, 27., bis Freitag, 31. März, bleiben sämtliche Arztpraxen im Landkreis geschlossen (wir berichteten).

"Erst stirbt das Personal, dann die Praxen - und zuletzt der Patient", fasste Andreas Schulz seine schlimmsten Befürchtungen in Sachen Gesundheitsversorgung im Pressegespräch zusammen. Gemeinsam mit Ute Richter, Frank Keller, Peter Müller, Johannes Jansen und Walter Steuber macht er stellvertretend für alle hiesigen Ärzte seinem Unmut Luft. Eine Regierung, die die Arbeit ihrer Ärzteschaft nicht wertschätzt und unterstützt und die chronisch kranke Bevölkerung per Gesetzgebung der medizinischen Mindestversorgung aussetzen will, verliere nicht nur die Unterstützung von Ärzten und Bevölkerung, sondern habe keine Zukunft, heißt es in einem gemeinsamen Papier. Gesundheitspolitik finde zurzeit ohneÄrzte und Patienten statt. "Wir Ärzte lehnen als hochqualifizierte Fachleute für medizinische Versorgung in einem weltweit führenden Gesundheitssystem die monströse Bürokratie ab, die mehr ärztliche Zeit für Verwaltungsarbeit als für die direkte Patientenversorgung beansprucht", kritisieren die Ärzte. Die gesetzlich verordneten Rationierungszwänge würden das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zerstören. Jetzt sei die Politik gefordert und müsse gemeinsam mit den Krankenkassen erklären, was noch bezahlbar ist. "Wir können unter den drohenden Umständen selbst eine Einheitsversorgung auf Billigpreisniveau nicht mehr gewährleisten", befürchtet Schulz. Die Schaumburger Ärzte wollen vor diesem Hintergrund die verordnete Mangelwirtschaft nicht länger mittragen. Ein milliardenschweres Einsparpotenzial, das von der Politik nach Ansicht der Ärzte bewusst nicht angegangen wird, liege zudem im Bereich der Straffung der Strukturen der Krankenkassen. Diese sei ohne Last umzusetzen, wenn deren Gesamtzahl von derzeit europaweit 258 auf ein Zehntel reduziert werden würde. Wenn sich an diesen Missständen in absehbarer Zeit nichts ändere, müsse jede zweite Praxis schließen, prognostiziert Keller. Alle SchaumburgerÄrzte erleben unterdessen einen großen Rückhalt durch die Patienten, die die Aktionen mit Unterschriften unterstützen. "Überhaupt werden wir die Patienten nicht im Stich lassen", versichert Richter. Diese könnten im Notfall bei ihren Hausärzten anrufen, um zu erfahren, wer wann und wo Notdienst hat. Außerdem werde es Aushänge an den Praxen geben.

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