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Kein Aprilscherz: In Minden nehmen "Freunde der Weser" neues Freizeit-Projekt ganz ernsthaft auf die Schippe

Sandstrand an der Weser - eine Idee auch für Rinteln?

Rinteln/Minden. Gute Ideen sind bekanntlich daran zu erkennen, dass sie geklaut werden. Warum also nichtüber fremde Mauern linsen? In Minden zeigen die "Freunde der Weser", wie der Freizeitwert einer Stadt am Fluss auf originelle Art gesteigert werden kann. An der Weserpromenade entsteht ein Sandstrand - eine Idee so einfach und gut, dass sie eigentlich aus Rinteln stammen müsste.

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Autor:

Frank Werner

Der Versuch, auch fern der Küsten karibisches Flair zu erzeugen, ist nicht neu. In Großstädten wie Berlin und Hamburg zählen Strandcafés mittlerweile zum etablierten gastronomischen Inventar. Sich im Liegestuhl auf goldenem Sand an der Spree zu fläzen, ist längst urbane Normalität geworden. Jetzt schwappt die Strandwelle bis nach Minden: Vier selbst ernannte Förderer der Weserfreizeit haben 100 Tonnen Sand, gespendet von einer Kiesgrube, am Weserufer nahe des Ruderhauses in Empfang genommen. Derzeit wird der Sand auf rund 300 Quadratmetern verteilt. Mit dem Ziel: Das Freizeitpotenzial der Weser muss besser genutzt, ein neuer Zugang zum Fluss geschaffenwerden. Auch als Badestrand ist die neue Weserdüne gedacht: "Die Badequalität des Wassers ist mit der aus den umliegenden Kiesteichen zu vergleichen", sagt Wasserbauingenieur Detlef Sönnichsen. Er und drei Mitstreiter hatten das Strandprojekt bereits im Mai mit einer deutlich kleineren Fuhre gestartet. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Als sich prompt ein Strandleben entwickelte, gründeten die vier den "Weser-Stammtisch Minden". Auch in Rinteln wird das touristische Prädikat "an der Weser" bisher kaum mit Inhalt gefüllt. Der Fluss fließt gewissermaßen mitten an der Stadt vorbei. Erreichbar ist die Weser an vielen Stellen nur mit Buschmesser: Ein meterhoher Dschungel aus Schilf und Brennnesseln versperrt den Weg. Da wundert es nicht, dass künstliche "Inseln"wie der neue Kanuanleger als Ersatzstrand genutzt werden. Die Weser stärker in das Stadtbild zu integrieren, ist seit Jahren erklärtes Ziel der Politik - zum Beispiel bei der Planung des Brückentorkomplexes oder am Alten Hafen. Doch ehe Bewegung in die Großprojekte kommt, fließt noch viel Wasser die Weser hinab. Ein Sandstrand dagegen - vielleicht am Nordufer, vielleicht mit gastronomischem Konzept - wäre ein ungleich simpleres Unterfangen, das mit wenig Aufwand beachtliche Wirkung erzielt. Auch die Rohstoff-Frage dürfte unproblematisch sein: Sand fördern Rintelns Kieswerke bekanntlich im Überfluss.

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