weather-image
12°
So bunt wie das Leben - Katjusha Kozubeks lässt in der Kirche St. Marien den Rebbe lachen

Sängerin schlägt Brücken zwischen Kulturen

Bückeburg. "Wenn der Rebbe lacht" hieß das mit Spannung erwartete Programm, das Allroundtalent Katjusha Kozubek in der katholischen Kirche St. Marien im Zuge ihrer Europatournee zum Besten gegeben hat. Veranstalter war die Bückeburger Bürgerinitiative "Alle unter einem Dach" in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Kultusgemeinde Minden und der katholischen Kirchengemeinde.

Autor:

Dietlind Beinßen

Die grazile Künstlerin entführte die Zuhörer mit melodischer, dunkler Stimme in die bewegte Welt der von Generation zu Generation überlieferten schillernden und pulsierenden jiddischen Lieder und schlug dabei Brücken zwischen Kulturen und Schichten. Sie arbeitete in ihren gesungenen, getanzten und gestenreich gesprochenen Arrangements die Wesenszüge und Seelenzustände, die man bestimmten Völkern zuschreibt, so gefühlvoll und mitreißend heraus, wie das Leben ist. Melancholie sowie der für Juden typische Humor und Witz lagen im Darstellungsreigen dicht nebeneinander. Farbenreich setzte Katjusha Kozubek nach der Begrüßung klangvolle Erinnerungen an das Cousinchen mit den seidengelockten Haaren und schöne Kindheitstage in Szene. Überdies nahm sie die fröhlichen Themen junge Liebe, Frieden und das Glück ins Visier. Aber auch Düsteres wie das "braune Unglück" und den damit verbundenen Tod ließ die Solistin nicht aus. Zwischendurch erheiterten jedoch immer wieder mimisch und gestisch plastisch gebrachte Kurzgeschichten. Intensive Bilder - wie das sichtbare Vergnügen der Einheimischen am rumänischen Wein oder vom Rebbe, der Kindern das Alphabet lehrt - drängten sich in diesem bunten Vortragsmarathon unwillkürlich auf und schlichen sich durchs Ohr ins Hirn, um dort dann stimulierende Explosionen auszulösen. Bei ihrem Stromern durch jiddische Liederwelten bezog Katjusha Kozubek das Publikum geschickt mit ein, dass die Schranke nicht erst nach der Pause fiel. Zum Gelingen der langen Vorstellung steuerte der Pianist Konstantin Nazarov bei. Er begleitete seine Partnerin inspiriert und voller Verve - manchmal sogar ein bisschen darüber hinaus - am Synthesizer und mitunter vokal. Ein Abend, der in guter Erinnerung bleiben wird.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare