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Zwei Bücher berichten über Herder-Geschichtswerkstatt

Russischer Professor würdigt Engagement der Realschüler

Bückeburg (bus). Die Geschichtswerkstatt der Herder-Schule, gewöhnlich für eigene forschende und publizierende Aktivitäten bekannt und gerühmt, ist jetzt selbst Gegenstand von gleich zwei Berichterstattungen geworden. In dem von der Körber-Stiftung veröffentlichten Buch "Geschichte bewegt", widmet der Journalist Frank Aures der Werkstatt-Arbeit das Kapitel "Unbequeme Wahrheit - vom Aufdecken dunkler Flecken im Schaumburger Land". Mit der zweiten Publikation erreicht die Bückeburger Realschule russische Gefilde.

Schulleiterin Christiane Marx (von rechts), Klaus Maiwald, Ingma

Das von Professor Alexander Borosnjak verfasste Werk "Wie deutsche Schüler das Gedächtnis einer Tragödie sowjetischer Ostarbeiter bewahren" ist allerdings nur in russischer Sprache erhältlich. Der Historiker, der 2004 zu Besuch in Bückeburg war, beschäftigt sich in zwei von neun Kapiteln mit der Werkstatt. Eines berichtet über das russische Mahnmal in Rehren, das andere dokumentiert das Engagement der Realschüler zugunsten ehemaliger sowjetischer Zwangsarbeiter. "Geschichte bewegt" basiert auf dem Fundus des seit 1973 existierenden Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, der Beiträge von mehr als 110 000 Kindern und Jugendlichen enthält. Herausgeberin Ute Frevert, Leibniz-Preisträgerin und in Yale/USA Professorin für Deutsche Geschichte, griff auf zehn exemplarische Abhandlungen zurück. Aures, der im Januar dieses Jahres vor Ort recherchierte, schildert in seiner 15-Seiten-Reportage Fakten und persönliche Eindrücke gleichermaßen. Er erzählt von den Schülern Michael (Weiser), Erik (Rechenberg) und Ingmar (Everding) und von deren Einsatz für die Errichtung eines Gedenksteines im Steinbruch Steinbergen. "Die Anträge", schreibt der Journalist, " wurden schleppend oder gar nicht bearbeitet, eine Instanz reichte sie an die nächsteweiter. Der Landkreis schob das Anliegen dem Grundeigentümer zu, dieser verwies an seinen Mieter, Gemeindevorstände sahen nicht den Staat, sondern die Kirche in der Pflicht ...eine Kette ohne Ende." Und Frank Aures ruft die denkwürdige Enthüllung in Erinnerung, in deren Verlauf im Expo-Jahr 2000 keiner der Initiatoren sprechen durfte. "Stattdessen sollten diejenigen Verwaltungsvertreter Reden halten, die das Projekt zwei Jahrzehnte lang durch Passivität und Gedankenlosigkeit verhindert hatten." Der Journalist weiter: "Als sich nach vielen salbungsvollen Worten von Landrat und Innenminister die Plane vom Denkmal hob, kamen darunter barfüßige, frierende Menschen in blauer Zwangsarbeiterkluft zum Vorschein - Schüler von Werkstattleiter Klaus Maiwald, die für diesen Auftritt stundenlang bewegungslos unter dem Tuchausgeharrt hatten."

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