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Landkreis auf Suche nach Unterkünften / DRK stellt sich auf längere Unterbringung in Jägerkaserne ein

Rund 1200 weitere Flüchtlinge erwartet

Bückeburg/Landkreis. Die Zahl der Flüchtlinge in der Übergangsunterkunft in der Jägerkaserne liegt nahezu unverändert bei 242. Zwar sind in den vergangenen Tagen rund 30 Flüchtlinge nach Angaben des DRK-Kreisvorsitzenden Bernd Koller weitergereist: „Wo sie sich befinden, wissen wir nicht.“ Aber gleichzeitig sind in den vergangenen Tagen 24 Flüchtlinge neu in Bückeburg eingetroffen, einmal elf, einmal 13. Sie waren über München nach Deutschland eingereist und haben zum Teil Verwandte oder Bekannte, die in Bückeburg untergebracht sind. Sie standen vor der Wache der Kaserne und wollten hinein. Wie sie letztendlich nach Bückeburg gekommen sind, weiß keiner so genau. Koller: „Sie waren schlichtweg da.“

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Das DRK richtet sich mittlerweile auf eine längere Arbeit in der Jägerkaserne ein. Nach Auskunft von Koller werden ein Küchencontainer sowie zwei Bürocontainer aufgestellt. Für die Toilettenanlage, derzeit noch Dixi-Klos, wird nach einer beheizbaren Lösung gesucht. Die Duschcontainer sind nicht das Problem, da sie beheizbar sind. Als die Jägerkaserne in der vergangenen Woche kurzfristig als Quartier hergerichtet wurde, hieß es zunächst, die Kaserne diene nur als Notunterkunft. Doch inzwischen richtet man sich auch beim Landkreis Schaumburg auf eine längere Unterbringung auf dem Bundeswehrgelände ein. Ursprünglich hätten in der Jägerkaserne bis zu 360 Flüchtlinge Platz finden können. Doch im Falle einer längeren Unterbringung sei die Kapazität der dortigen Mehrzweckhalle ausgereizt, teilte Kreissprecher Klaus Heimann auf Anfrage mit.

Am Donnerstag wird die Leitung der DRK-Bereitschaft aus der Betreuung der Flüchtlinge herausgezogen, damit sie wieder für ihre eigentliche Aufgabe zur Verfügung steht – der Hilfe in Unglücks- oder Katastrophenfällen. Stattdessen ist Eckhard Ilsemann, Chef der SPD-Fraktion im Kreistag, als Leiter der DRK-Flüchtlingshilfe Schaumburg hauptamtlich vom DRK eingestellt worden. Sieben Mann werden derzeit vom DRK zur Betreuung der Flüchtlinge in der Jägerkaserne gestellt. Koller: „Viel zu wenig. Wir sind nach wie vor dringend auf die Unterstützung von freiwilligen Helfern angewiesen.“

Trotz ihrer nach wie vor ausbleibenden Registrierung sind die Flüchtlinge nach Auskunft Kollers in einer ruhigen Stimmung. Er widersprach damit Aussagen in sozialen Netzwerken, die von Auseinandersetzungen in der Unterkunft zu wissen meinten. Gleichwohl räumte der Erste Kreisrat Klaus Heimann ein, man müsse „einen Blick darauf haben, dass die Stimmung auch kippen kann, wenn der Zustand noch lange so anhält“. Bislang gebe es seitens der Landesbehörden noch keine Nachricht, wann es mit der Registrierung losgeht, sagte Heimann.

„Damit die Flüchtlinge merken, dass sich etwas bewegt“, so Koller, plant das DRK jetzt vorab im Kreiskrankenhaus Stadthagen medizinische Untersuchungen vornehmen zu lassen, die eigentlich erst bei der Registrierung anfallen. Diese könne dann schneller abgewickelt werden. Dafür benötige man noch die Genehmigung des Landes und die Zustimmung des Landkreises. Derzeit kümmern sich unter anderem fünf Bückeburger Ärzte um die medizinische Versorgung der Flüchtlinge – zusätzlich zu ihren normalen Sprechstunden.

Inzwischen ist auch absehbar, wie viele Flüchtlinge der Landkreis voraussichtlich noch aufnehmen wird. Laut Heimann werden bis Ende Januar 2016 rund 1200 weitere Flüchtlinge in Schaumburg untergebracht. Dies seien Zahlen auf Grundlage der Zuweisung durch das Land Niedersachsen. Wo die Menschen genau unterkommen, darüber müssen sich Landkreis, Städte und Gemeinden nun unter Hochdruck Gedanken machen. Am gestrigen Vormittag trafen sich die Vertreter der Kommunen zum Gespräch: Es ging konkret um zukünftige Unterbringungsmöglichkeiten in den Schaumburger Städten und Gemeinden. „Es ist weiterhin Ziel, die Menschen in Wohnungen unterzubringen“, sagte Heimann. Die Bürgermeister seien beim gestrigen Treffen aber dazu aufgerufen worden, alle erdenklichen Möglichkeiten der Unterbringung zu prüfen. ll/rc/ssr

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