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Bewährung nach Körperverletzung

"Rumpelstilzchen" haut sogar handfest "auf die Fresse"

Bückeburg (ly). Auf seinem Feldzug gegen Polizei, Justiz und vor allem die eigene Nachbarschaft lässt ein Bückeburger nicht nach. Im Gegenteil: Einem Mitbewohner (65), den der Rentner im Januar geschlagen hatte und der jetzt vor dem Amtsgericht als Zeuge gegen den 73-Jährigen aussagte, warf der Aggressor während der Verhandlung erneut den Fehdehandschuh hin.

"Wenn der noch einmal sagt, dass ich ein Verbrecher bin, kriegt er so eine, dass er die Sonne nicht mehr sieht", drohte der Angeklagte. Zum Vorwurf der Körperverletzung hatte er zuvor frank und frei erklärt: "Ja, ich habe ihm auf die Fresse gekloppt." Eine Art Geständnis, jedoch ohne Reue. Auch sonst kann von Einsicht keine Rede sein. Schlusswort des Rentners: "Ruhe gibt es nicht. Das kann ich euch jetzt schon sagen." Vielleicht bringt das Urteil den Mann ja zur Besinnung. Wegen Beleidigung in zwei Fällen sowie vorsätzlicher Körperverletzung verhängte Richter Armin Böhm eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zunächst ausgesetzt wird. Beim nächsten Mal, so Böhm, könne der Angeklagte von einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung ausgehen. Verbunden ist die Entscheidung mit der Auflage, 1500 Euro Geldbuße an die Stiftung Opferhilfe zu zahlen. Zudem bekommt der Bückeburger, der bereits im Oktober vergangenen Jahres wegen Beleidigung verurteilt worden war (wir berichteten), einen Bewährungshelfer. "Der Angeklagte springt wie Rumpelstilzchen in der Gegend herum", meinte Staatsanwalt Reinhard Meffert. "Er fühlt sich als Volksheld, der anderen zeigt, wo Bartel den Most holt." Im jüngsten Prozess ging es außerdem um zwei weitere Fälle von Beleidigung. Eine Nachbarin, auf die es der Rentner offenbar besonders abgesehen hat, hatte der 73-Jährige einmal als "Stück Sch... aus der Gosse" beschimpft, ein anderes Mal als "Nutte" und "miese Ratte". Das Motiv des Angeklagten, sich ständig mit der Nachbarschaft anzulegen, geht offenbar auf eine Eigentümerversammlung im Jahr 2000 zurück. Angeblich hat sich damals jemand über den Rentner in dessen Abwesenheit geäußert. Nun will der 73-Jährige herausfinden, wer das war - und sei es mit Gewalt. "Wir leben hier in einem Rechtsstaat, nicht in einer Bananenrepublik", machte Richter Böhm klar. "Lassen sie ihre Mitbewohner in Ruhe." Demnächst will der Rentner übrigens Flugblätter verteilen, auf denen Polizei und Justiz Bestechlichkeit und Rechtsbeugung vorgeworfen werden. Ein Exemplar legte er Staatsanwalt Meffert auf den Tisch. "Wenn sie das verteilen, lasse ich sie stehenden Fußes verhaften", kündigte Meffert an.

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