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Vor Gericht: Diebstahl für teure Geschenke

Rentner führt sich wie ein Berserker auf

Stadthagen (men). Ein 67-Jähriger, der in einem Stadthäger Warenhaus vier Computerspiele im Wert von 329,95 Euro gestohlen hatte, ist nur knapp an einer Haftstrafe vorbeigeschrammt. Die Richter haben die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Statt sich als ertappter Dieb in sein Schicksal zu ergeben und dem Detektiv zu folgen, hatte der Mann Widerstand geleistet und mit wenigstens einem Teil der Beute zu entkommen versucht. Wie ein Berserker muss ich der 67-Jährige gewehrt haben, für den Detektiv und einen weiteren Mitarbeiter war es nicht ganz einfach, den Rentner zu bändigen. Dessen Wehrhaftigkeit hatte die schwerwiegende Konsequenz, dass kein einfacher Ladendiebstahl vor dem Strafrichter, sondern ein räuberischer Diebstahl, ein Verbrechen, vor dem hiesigen Schöffengericht verhandelt wurde. Bei der Verurteilung berücksichtigten die Richter auch die zweifache Körperverletzung. Die kräftigen Mitarbeiter des Warenhauses, um einiges jünger als der Rentner, waren bei der Auseinandersetzung nicht ohne Blessuren davongekommen. Einer hat sich über die Kräfte des 67-Jährigen "echt gewundert". Der Rentner bestritt in der Verhandlung den Körpereinsatz, variierte seine Aussage aber nach einer kurzen Beratung mit seinem Verteidiger und meinte, er habe keinen "bewusst geschlagen". "Das ist eine gute Frage", antwortete der Rentner ratlos, als nach dem Motiv für den Diebstahl gesucht wurde. Kleptomanie, die krankhafte Sucht zu stehlen, wie der Verteidiger Volkmar Wissgott vermutete, fand nicht so recht Widerhall. Auszuschließen war, dass der 67-Jährige die Spiele für sich haben wollte. Staatsanwalt Malte Rabe-von- Kühlewein spekulierte über ein Bedürfnis nach "Nervenkitzel". Der Rentner hatte seine Enkelkinder erwähnt, und auch ohne ausformulierte Erklärung kann man davon ausgehen, dass die Computerspiele für den Nachwuchs gedacht waren. Mit dem Strafmaß blieben die Schöffenrichter sechs Monate unter dem Antrag des Anklägers. Zu Gute gehalten wurde dem Angeklagten ein "Teilgeständnis", weniger gut angekommen waren vier Vorstrafen wegen Diebstahls. Auf Bewährung entschieden haben die Richter wegen einer günstigen Sozialprognose, und weil dieStrafe im Verhältnis zu schwerwiegenderen Verbrechen bleiben müsse. An Auflagen mitgegeben wurden dem Mann die Zahlung von 600 Euro an die Opferhilfe und 180 Stunden gemeinnützige Arbeit. Abschließend mahnte der Vorsitzende Richter, jetzt müsse auch mit Kleinkriminalität Schluss sein, nicht einmal beim Kaugummiklauen dürfe sich der Mann jetzt noch erwischen lassen. "Denn wieder und wieder Bewährung, das gibt es hier im Bezirk nicht", stellte Richter Kai-Oliver Stumpe klar.

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