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Die Nahrungsreserve aus Notzeiten ist wieder „in“ / Eine tolle Knolle, die Nachbarn im Topf mag

Renaissance für ein altes Gemüse: Steckrüben

Wruke, Kohlrübe, Dotsche, Erdkohlrabi – die Steckrübe mit ihrem gelben Fleisch und dem süßlich-herben Geschmack hat viele Namen, seit sie als Schwedische Rübe im 17. Jahrhundert aus Skandinavien eingeführt wurde. In Notzeiten war sie oft die letzte Nahrungsreserve für die Bevölkerung. Nicht nur im deutschen Steckrübenwinter 1916/17, auch während des 2. Weltkrieges wurde sie zur Hauptnahrung. Danach wollte keiner mehr etwas von ihr wissen.

Steckrüben (li.) erleben eine Renaissance: Die tolle Knolle, die

Wruke, Kohlrübe, Dotsche, Erdkohlrabi – die Steckrübe mit ihrem gelben Fleisch und dem süßlich-herben Geschmack hat viele Namen, seit sie als Schwedische Rübe im 17. Jahrhundert aus Skandinavien eingeführt wurde. In Notzeiten war sie oft die letzte Nahrungsreserve für die Bevölkerung. Nicht nur im deutschen Steckrübenwinter 1916/17, auch während des 2. Weltkrieges wurde sie zur Hauptnahrung. Danach wollte keiner mehr etwas von ihr wissen. Doch das Stigma von Hunger, Mangel, Elend und Entbehrung hat sie längst abgelegt: Heute erlebt die Steckrübe eine Renaissance. Traditionelles Essen ist „in“. Sterneköche verarbeiten das knollige Gemüse zu köstlichen Gerichten. Die Steckrübe ist wieder populär – nicht zuletzt, weil sie die wunderbare Eigenschaft besitzt, sich fast jedem Geschmack anzugleichen, wer auch immer ihr Nachbar im Kochtopf ist – Kohlrabi, Pastinaken, Sellerie oder Möhren. „Ich bereite Steckrüben gern als Eintopf zusammen mit Pastinaken, Möhren und Superschmelz zu“, erzählt Claudia Grecksch vom Marienhof Esperde. Superschmelz? „Das ist eine Art Riesen-Kohlrabi“, erklärt sie, „eine ganz spezielle Züchtung.“ Äußerlich sieht die Knolle aus wie ein Kohlrabi, ist aber viel größer und bringt glatt drei Kilo auf die Waage: „Davon kann eine ganze Familie satt werden“, so die Expertin aus Esperde. Beim Biohof auf dem Wochenmarkt wird Superschmelz aber auch portioniert verkauft. Ein Kilo kostet 1,40 Euro.

Steckrüben gibt’s zur Zeit bei vielen Marktbeschickern. Das Kilo kostet von 1,20 Euro bis 1,50 Euro. Bio-Steckrüben sind etwas teurer: 1,70 Euro pro Kilo. „Es ist ein klassisches Wintergemüse, das sich in Großkisten bis Ende April, Anfang Mai gut lagern lässt“, sagt Claudia Grecksch. Und sie hat festgestellt: „Die Nachfrage steigt.“ Vor allem Jüngere und Kunden, die sich gern saisonal ernähren, greifen jetzt zur Steckrübe, ist diese doch nicht nur schmackhaft und kalorienarm, sondern dank ihrer Vitamine auch sehr gesund. Steckrüben enthalten Traubenzucker, Eiweiß, Fett, schwefelhaltige ätherische Öle, Mineralstoffe, Carotin, Provitamin A und die Vitamine B1, B2, C sowie Nicotinsäureamid. Wegen ihres hohen Wassergehalts hat diese Rübe die wenigsten Kalorien unter den Exemplaren ihrer Art. In Salzwasser gegart und dann mit Butter, Sahne und etwas Muskat zu Püree gestampft, ist die Knolle eine leckere Beilage, die zu vielen Gerichten passt. Sehr gut schmeckt ein Steckrüben-Kartoffel-Gulasch: Kartoffeln und Steckrüben klein schneiden. Butter schmelzen, mit Mehl bestäuben, anschwitzen. Mit Brühe und Schlagsahne auffüllen. Kartoffeln und Steckrüben dazugeben und bei milder Hitze garen. Kasseler in kleine Stücke und Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden. Beides dazugeben. Mit Majoran, Salz, Pfeffer, Muskat und Zitronensaft abschmecken.

In Schleswig-Holstein werden Steckrüben gern zu einem sättigenden Mus-Eintopf verarbeitet: Die Rübe und ein paar Möhren klein schneiden und in Brühe mit einem Stück Schweinebauch garen. Parallel dazu gewürfelte Kartoffeln weich kochen. Schweinebauch herausnehmen und warm stellen. Kartoffeln und Rüben abgießen, Brühe beiseitestellen. Kartoffeln und Rüben zusammengeben und stampfen. Für eine cremige Konsistenz etwas von der beiseitegestellten Brühe verwenden. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Mus auf den Teller geben, Schweinebauch dazulegen. Und ein Klacks Senf gehört auch auf den Teller.

Vom Hamelner Wochen-

markt berichtet

Karin Rohr

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