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Befürchtetes Chaos bleibt aus / Umfrage auf den Bahnhöfen Bückeburg, Stadthagen und Haste

Reisende haben (noch) Verständnis für Streik

Landkreis (mig/sk/fox). Einige Züge kamen später, andere gar nicht. Auch im Landkreis zeigte der Streik der Lokführer gestern Wirkung. Das befürchtete Chaos allerdings blieb aus. Die meisten Reisenden waren auf Probleme vorbereitet - und sahen die Behinderungen gelassen. Auf der Strecke von Minden nach Hannover hatte die Bahnim Rahmen eines Notfallplans etliche Verbindungen gestrichen - sehr zum Ärger besonders der Pendler.

Volle Züge in Bückeburg: Weil etliche Verbindungen ausfielen, wu

Bahnhof Bückeburg, gestern in den frühen Morgenstunden: "Der Zug fällt aus" - mit diesem Schriftzug auf der Anzeigetafel sollten die Reisenden am ersten Streiktag noch häufiger konfrontiert werden. Vor allem Reisende, die eine S-Bahn benutzen wollten, hatten Pech: die Nahverkehrsflitzer wurden nur im Zwei-Stunden-Takt eingesetzt, sonst fahren sie alle Stunde. Obwohl bis um sieben Uhr immerhin schon fünf Verbindungen gestrichen werden mussten, blieb das erwartete Chaos aus. "Wir hatten kaum Beschwerden, die Leute haben viel Verständnis für unsere Situation", sagt Reiseverkehrskauffrau Doreen Nolte im Bückeburger Service-Center. Zur Entspannung beigetragen hat vor allem die Tatsache, dass in Bückeburg fast sämtliche Regionalexpresszüge fahrplanmäßig eintrafen, Verspätungen gab es kaum. "Auch wegen der Erfahrungen beim letzten Streik waren die Leute überrascht, dass alles so gut klappt", zieht Doreen Nolte Bilanz. "Damals war es wirklich extrem, diesmal wurde alles gut durchorganisiert". Etwas Zeit mussten die Reisenden aber trotzdem mitbringen - viele waren an diesem Tag sowieso vorsorglich mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Eine kurze Umfrage unter den Bahngästen macht deutlich, dass viele Reisende noch Verständnis für die Situation der Lokführer haben. Gebhard Steinkopf aus Rinteln: "Ich war schon darauf vorbereitet und wusste, dass die S-Bahnen nicht eingesetzt wurden.Ärgerlich ist es aber trotzdem - hoffentlich dauert der Streik diesmal nicht so lange". Dem kann Kai Speckmann aus Bückeburg nur zustimmen. Er hat zwar Verständnis für den Streik, muss aber deshalb eine Fahrt nach Minden ausfallen lassen. "Ich finde, dass 30 Prozent Lohnforderung übertrieben sind, zehn Prozent würden auch ausreichen". Johannes Bode aus Bückeburg fährt jeden Morgen nach Stadthagen und würde bei andauerndem Streik zu spät zur Schule kommen. "Ich verstehe schon, warum die Lokführer streiken, aber bei einer Woche Streik wäre meine Schmerzgrenze erreicht". Unterstützung bekommt die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL) von Tierarzt Herwig Holzhausen aus Bückeburg. "Die Frage ist, kann ich von meiner Arbeit meine Familie ernähren oder nicht. Die Lokführer müssen mehr verdienen, damit sie anständig leben können", macht Holzhausen deutlich. Der Beruf eines Lokführers sei schwierig und voller Verantwortung. Ilse-Marie Laue aus Bückeburg hält dagegen nur wenig vom Streik. Eigentlich wollte die Rentnerin an diesem Morgen nach Duisburg reisen, jetzt muss die Fahrt möglicherweise verschoben werden. "Viele Leute müssen sich heute ärgern, der Streik verhärtet die Fronten doch nur", sagt sie und lobt das "Entgegenkommen der Servicekräfte". Durch den Streik würden die Einnahmen der Bahn sinken und die Lokführer sich selbst schaden. "Am besten sind immer Verhandlungen". Die meisten Bahnreisenden haben sich gestern morgen in Stadthagen mit einem Blick zur elektronischen Anzeigentafel vergewissert, ob ihr anvisierter Zug tatsächlich fuhr. Dann aber gingen Pendler und andere Bahnkunden zügig die Stufen zur Gleisunterführung hinunter, setzten ihren Weg zum Bahnsteig fort. Die meisten Bahnfahrer waren auf den Streiktag vorbereitet, nur wenige ärgerlich oder unsicher, so fünf reiselustige Frauen eines "Kaffee-Clubs", die nach Köln aufbrachen. Der "7.37" war planmäßig angekündigt. "Aber wie geht es weiter von Minden nach Köln?" fragte sich Gundi Tielking . Eine Geschäftsfrau, die dringend ihr Unternehmen in Minden erreichen musste ("Ich hab´s eilig") wollte den Zug um 8.07 Uhr nehmen. Sie hatte Pech. "Zug fällt aus", las sie auf der Anzeige. Nun müsse sie ihr Mann mit dem Auto nach Minden fahren. Nein, Verständnis habe sie nicht für den Streik der Lokführer. Gelassener nahm Rolf Wöbbeking den Zugausfall. Der Nordsehler nannte Kleve als Reiseziel und stellte sich nach kurzemÜberlegen auf einen späteren Zug ein. Sein Verständnis für den Bahnstreik hielt sich allerdings in Grenzen. Es fehle den Lokführern an Solidarität mit anderen Berufsgruppen der Bahn, die auch nicht mehr verdienten, so Wöbbeking. Dass es in Stadthagen nicht zu gravierenden Reiseproblemen kam, zeigt eine Nachfrage bei Taxi-Unternehmen. Weder bei der "Taxi-Zentrale" am Bahnhof noch im Unternehmen Jäschke war das Fahraufkommen gestern morgen gestiegen. Am Haster Bahnhof herrschte gestern Morgen gähnende Leere. Viele Reisende hatten sich offenbar auf die Lokführerstreiks eingestellt und auf Ausweichangebote zurückgegriffen. Dennoch standen sich einige, in erster Linie junge Bahnreisende, die Beine in den Bauch. "Wir wollten zur Schule nach Barsinghausen", berichtete Tobias Kamman aus Hohnhorst, der mit einem Mitschüler ein wenig fröstelnd am Bahnsteig wartete. Bereits um 7 Uhr waren die beiden am Bahnhof und kehrten wieder um. Gegen 10 Uhr versuchten sie erneut ihr Glück. Stefan Buder aus Bad Nenndorf wollte mit dem Zug von Hannover zurück in die Kurstadt. In Haste saß er längere Zeit fest: die Züge fuhren auch dort nur alle zwei Stunden. Ähnlich erging es Wolfgang Horn aus Hamburg. Er wollte gestern nach Ronnenberg fahren und musste in Haste warten. Horn nimmt die Wartezeit gelassen -er hat gerade Urlaub.

Ilse-Marie Laue (links) wollte eigentlich nach Duisburg. Sie lie
  • Ilse-Marie Laue (links) wollte eigentlich nach Duisburg. Sie ließ sich von Doreen Nolte im Servicecenter in Bückeburg beraten. Fazit der Bahn-Mitarbeiterin: Weniger Probleme als befürchtet. Fotos: mig
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