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Nammer Unternehmen steckt in Schwierigkeiten / Versatzgeschäft dramatisch eingebrochen

Rehburger Steinbruchbetreiber kauft "Barbara"

Bückeburg / Nammen (mt). Die Barbara Erzbergbau GmbH hat einen neuen Besitzer. Das Unternehmen, das sich in einer wirtschaftlich schwierigen Situation befindet, wurde vom bisherigen Eigner Dr. Jürgen Hennies an die Ferdinand Wesling GmbH verkauft.

Jürgen Hennies

Das mittelständische Unternehmen mit Sitz in Rehburg-Loccum betreibt im hiesigen Raum mehrere Steinbrüche und Kieswerke. Wie Jürgen Müller, seit Jahresbeginn Geschäftsführer der Barbara Erzbergbau GmbH, mitteilte, habe es bereits über Jahrzehnte hinweg gute Kontakte zu dem familiengeführten Unternehmengegeben. Ferdinand Wesling junior, der neue geschäftsführende Gesellschafter der Barbara, musste die Teilnahme an einem Pressegespräch kurzfristig absagen. Der Verkauf der Barbara im Portaner Ortsteil Nammen erfolgte bereits im Juni und gilt rückwirkend zum 1. Januar 2006. Vermutlich waren Altersgründe ausschlaggebend für den Verkauf, denn Jürgen Hennies wird in Kürze 80 Jahre alt. Er hatte die Geschicke der Barbara bereits früher über Jahrzehnte hinweg als Geschäftsführer gesteuert, genoss dann bereits seine Freiheit als Pensionär, bevor er überraschend Anfang 2001 die damaligen Barbara Rohstoffbetriebe kaufte. Zuletzt hatte Hennies mit Jürgen Müller einen neuen Geschäftsführer eingestellt, nachdem er sich von Müllers Vorgänger Martin Ziegler wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Unternehmenspolitik und den Personalbedarf getrennt hatte. Ende Juli wird Hennies, der im Rheinland lebt, noch einmal nach Nammen reisen. Dann erfolgt beim Bergmannsfest die offizielle Verabschiedung. Neben dem Alter dürfte die schwierige wirtschaftliche Lage ein wesentlicher Grund für den Verkauf der Barbara sein. Denn das so genannte Versatzgeschäft ist dramatisch eingebrochen. "Von tausend Tonnen täglich auf lediglich hundert", teilt Müller mit. Aufgrund der Bundesversatzverordnung dürfen nur noch bestimmte Abfälle unter Tage eingelagert werden. Für die Barbara bedeutet das Einbußen von 90 Prozent. Hennies war zu Jahresbeginn noch optimistisch und glaubte, dass das Versatzgeschäft nicht so schlecht laufen werde, wie seinerzeit von Geschäftsführer Ziegler befürchtet. Fakt ist aber, dass selbst Zieglers Zahlen deutlich unterschritten werden. Er ging von 50 000 Tonnen pro Jahr aus. Laut Müller werden ungefähr 20000 erreicht. Trotz der angespannten Lage ist Jürgen Müller zuversichtlich, dass die Talsohle durchschritten und der aktuelle Stand von 45 Mitarbeitern gehalten werden kann. Ein Grund dafür ist der neue Besitzer. "Über die Handelsgesellschaft von Wesling können wir weniger eisenreiche Erze für den Straßen-, Garten- und Wasserbau absetzen." Auch der große Fuhrpark von Wesling erleichtere den Kontakt zu Absatzmärkten. Müller glaubt zudem, dass das Versatzgeschäft wieder anziehen wird. Aufgrund neuer Abfallverordnungen nehme die Zahl an Müllverbrennungsanlagen zu und damit auch deren Abfälle wie Flugaschen und Schlacken, die irgendwo untergebracht werden müssen. "Eine Deponie ist viel teurer als wir." Außerdem setzt der Barbara-Geschäftsführer auf die Grube Bergmannsglück in Todenmann. Dort läuft die Produktion mit der Förderung von zurzeit 1000 Tonnen täglich erst an. "2000 bis 3000 Tonnen sind möglich." Um das Personal halten zu können, machen einige Mitarbeiter zurzeit Führerscheine, um innerbetriebliche Transporte, die bislang vom Subunternehmer erledigt wurden, selbst abwickeln zu können. "Da gibt es dann Bergleute, die auch mal auf den Bagger springen", sagt Müller. Entlassungen seien jedenfalls nicht geplant. Er sehe auch keine Möglichkeiten, in solch einem komplexen Betätigungsfeld wie dem Bergbau weiter zu rationalisieren. Der Verkauf an Wesling wirke sichübrigens nicht auf die Rückstellungen aus, welche die Barbara bilden muss, um nach Einstellung des Betriebes die Auflagen des Langzeitsicherheitsnachweises zu erfüllen, teilt Müller mit. Hier ändere sich nichts. Die Barbara bleibe eine eigene Rechtspersönlichkeit.

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