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Großer Andrang beim Kindermusical "Hallo Luther" in St. Nikolai / Über hundert Kinder spielen mit

Reformationstag mit Gesang, Witz und Bonbons

Rinteln (mld). Die Hochzeitsgesellschaft ist groß und bunt, die Gäste sind gut gelaunt und keiner kann den Beginn des Festes mehr erwarten. Sogar das Bier ist schon da, Käthe hat es selbst gebraut, "denn die kann so allerlei", wie der Bräutigam augenzwinkernd versichert. Nur einer fehlt: "Wo ist Cranach?" Die Antwort kommt prompt: "Der sitztbestimmt zu Hause beim Malen und hat mal wieder die Zeit vergessen."

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Durch St. Nikolai geht helles Kinderlachen - zur Aufführung des Musicals "Hallo Luther" zum Reformationstag ist die Kirche auf dem Rintelner Marktplatz überfüllt, Kinder und Erwachsene drängen sich in den Bankreihen, auf der Empore, sitzen auf dem Boden und stehen im Gang, um keinen Satz, der von der Bühne kommt, zu verpassen. Das Kindermusical entstand für den Kirchenkreis Hameln-Pyrmont aus den Federn von Gesa Rottler und Gunther Mehner und wurde im Herbst 2006 uraufgeführt. Angelika Westphal hat das einstündige Stück nach Rinteln geholt und mithilfe von Agathe Mezger-Diestelkamp und Dorothea Neumann mit etwa hundert Schülern der GrundschuleNord/Todenmann sowie mit den Vorgruppen und dem Kinderchor der evangelischen Singschule St. Nikolai einstudiert. "Wie können wir den Schülern erklären, dass Martin Luther ein wichtiger Mann war?", eröffnete Kreiskantor Wolfgang Westphal den Musical-Vormittag. "Wir sollten von seinem Leben berichten - spannend genug war's ja", antwortete die Pastorin von St. Nikolai, Astrid Bunselmeyer. Nicht nur von der Reformation und seiner Bibelübersetzung solle erzählt werden, sondern auch von seiner Hochzeit mit "Käthe", also Katharina von Bora, und dass Luther selber gesungen, gedichtet und überhaupt gerne gefeiert habe. Das Musical beginnt mit der Hochzeitsfeier von Luther und "Käthe", die ihren Gästen die wichtigsten Stationen in Luthers Leben nacherzählen, vorspielen und besingen: Von den 95 "Sachen", die ihm am Katholizismus wirklich gar nicht gefallen hätten, über den Reichstag zu Worms und seine Erklärung zum vogelfreien Menschen durch die Katholische Kirche, seine Entführung durch Kurfürst Friedrich den Weisen ("der gemeine Kerl", empören sich die Hochzeitsgäste zuerst), um ihn auf der Wartburg in Sicherheit zu bringen, sowie Luthers Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche und seine Ablehnung des Bauernkrieges. Luthers Weg zum Reformator wird nicht mit kirchlich-getragenem Ernst, sondern mit frischen Dialogen, Anspielungen auf den Luther-Mythos sowie viel Witz und Musik erzählt. Das Musical endete mit tosendem Applaus und mit - was wäre passender - weißen Lutherrosen für die Musical-Leitung und Luther-Fruchtbonbons für die Kinder.

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