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Reformation?

Gestern war Reformationstag. Haben Sie's gemerkt? Oder ist er untergegangen zwischen Weltspartag, Rintelner Messe, Allerheiligen und Porzellanausstellung?

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Autor:

Pastor Roland Trompeter

Vielleicht liegt's ja aber auch daran, dass die Kirchen der Reformation gar keine Kirchen sind, wie der Papst in Rom gelegentlich verkündet, sondern nur Glaubensgemeinschaften - so was wie Sekten. Und der vor fast 500 Jahren ausgesprochene Bann gegen Martin Luther ist demzufolge bis heute nicht aufgehoben worden. Die Kirchen der Reformation, lutherische wie reformierte, werden vertreten durch große Weltbünde, in denen sich 150 Millionen evangelische Christen aus 300 Kirchen weltweit organisieren. Aber kennen Sie die Präsidenten des Lutherischen oder des Reformierten Weltbunds - oder auch nur ihre Namen? Und wenn einer von denen mal Deutschland besucht, dann ist das kaum einer Zeitung auch nur einen Zweizeiler wert. Aber wenn der Papst in Rom irgendein Dokument veröffentlicht, zum Beispiel zur Schwangerschaftsberatung, dann gerät das Land in Aufregung, Bischöfe konferieren, es gibt Leserbriefe und so weiter! Woran liegt das? Liegt es daran, dass der Papst ein Papamobil hat und eine Handvoll Soldaten und einen Kirchenstaat und ein diplomatisches Korps, dass er viel mehr Jahrhunderte Geschichte hinter sich hat, dass sein Wort gilt, und dass es eben nicht 300 Kirchen sind, sondern dass es EINE Kirche ist? Haben die Menschen, die ihn sehen und suchen, nicht auch eine Sehnsucht nach einer wirklichen Autorität, ein Empfinden dafür: Hier gilt EIN Wort, und dort sind es viele Worte? Vielleicht ist das Empfinden richtig; es geht darum, was gilt! Für die Reformatoren war die Frage nach der Autorität ganz klar: Es geht um die Gültigkeit des Wortes, aber nicht des Wortes eines Papstes oder irgendeiner Kirche, sondern es geht um die Gültigkeit des Wortes Gottes, wie es in der Bibel laut wird. Wir würden heute vielleicht sagen, es geht um die Rückkehr zu den Wurzeln, den Ursprüngen, den Anfängen, den Worten Jesu oder der Propheten. Und die sind immer noch hochaktuell, wenn man sie denn hören will. Nur zwei als Beispiel zu den Krisen in unserer Welt: Man kann nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon, dem Geld! Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen! Mein reformatorischer Ratschlag: Lesen Sie mal wieder in der Bibel. Es ist ein gutes Buch! Roland Trompeter ist Pastor der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Möllenbeck.

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