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Vor Gericht: Freiheitsstrafe plus Geldbuße / 1600 Bilder und 50 Videos gefunden

"Rechtschaffener Bürger" mit Kinderpornos

Bückeburg (ly). Peinliche Momente für einen Bückeburger: In einem Prozess um Kinderpornografie hat das Amtsgericht den Mann jetzt zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Verbunden ist die Entscheidung mit mehreren Auflagen, darunter 2000 Euro Geldbuße. Das Urteil nahm der nicht vorbestrafte Angeklagte an, "damit ich endlich wieder ruhig schlafen kann".

Auf der Anklagebank fühlte sich der Täter, der 1650 Dateien besessen hatte, sichtlich unwohl. Er wirkte hektisch und wäre wohl lieber unsichtbar gewesen als der Hauptdarsteller in einer öffentlichen Verhandlung. Dazu hat der Bückeburger auch allen Grund. "Das Geschäft funktioniert nur, weil Leute Kinderpornos ausdem Internet herunterladen", betonte Richter Armin Böhm. "Kinder werden dafür missbraucht. Und zwar immer wieder neue Kinder." Im Fall des Angeklagten sei es um "Bilder der schlimmen Art" gegangen, "nämlich mit Geschlechtsverkehr". Die Opfer sind Jungen und Mädchen unter 14 Jahren. Bei einer Hausdurchsuchung Anfang des Jahres waren in der Bückeburger Wohnung 62 CDs beziehungsweise DVDs gefunden worden, auf die der Hausherr 1600 kinderpornografische Bilder aus dem Internet sowie 50 Videos gebrannt hatte. Ins Netz gegangen war er im Zuge der Großfahndung "Operation Himmel", deren Ergebnis (Ende 2007 allein in Deutschland rund 12 000 Verdächtige) sogar die Ermittler schockierte. Bundesweit war dies der bisher größte Kinderporno-Skandal. Ein Internet-Dienstleister (Provider) hatte auf seinen Servern auffällige Datentransfers registriert und die Polizei eingeschaltet. Ermittelt wurde daraufhin in 70 Staaten, Zugriffe waren aus 150 Ländern erfolgt. In Chatrooms und Internetforen sollen die Verdächtigen sich Bilder oder Links zu den widerlichen Seiten geschickt haben. So entstand eine enorme Menge Datentransfers. Unter den Verurteilten war auch ein ostdeutscher Oberbürgermeister, der nach einem Strafbefehl 8000 Euro zahlte und sein Amt niederlegte. Das Internet ist offenbar bei weitem nicht so anonym, wie es die Täter gerne hätten. Bereits für den Besitz von Kinderpornos sieht das Gesetz Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren vor. Im Prozess vor dem Amtsgericht hatte der Bückeburger ("Ich bin eigentlich ein rechtschaffener Bürger") versucht, die eigene Schuld herunterzuspielen, vermutlich aus Scham. "Eigentlich müssten diejenigen bestraft werden, die diese Bilder ins Internet stellen", erklärte er noch in seinem Schlusswort. Keine Angst, das werden sie auch. "Wenn Provider Meldung machen, gibt es eine Fülle von Ermittlungsverfahren gegen die Betreiber dieser Seiten", so Richter Böhm. "Und gegen alle, die sich darauf tummeln." Gefunden wurden in Bückeburg auch Zeitschriften mit kinderpornografischen Bildern. "Vor 20 Jahren konnte man diese FKK-Zeitschriften noch öffentlich kaufen", meinte der Angeklagte. "Wir können uns die Bilder gerne ansehen", erwiderte Böhm. Nein, das wollte der Angeklagte dann doch nicht.

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