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Sport für Flüchtlinge: Projekt von Berufsbildender Schule, Vereinigter Turnerschaft und Volksbank

„Raus aus dem Heim, rein ins Leben“

Rinteln. Sport verbindet, Sport integriert – das wissen auch Günther Potthast und Joachim Schorling, die jetzt mitgeholfen haben, ein Projekt der Berufsbildenden Schule Rinteln (BBS) anzuschieben. Potthast, stellvertretender Schulleiter des BBS, übernahm die Organisation, Schorling, Vorstandsmitglied der Volksbank in Schaumburg, sorgte für finanzielle Unterstützung.

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Autor:

Peter Blaumann

„Joachim Schorling und ich treffen uns schon seit vielen Jahren regelmäßig zum Laufen. Beim Laufen kam uns die Idee, Flüchtlinge durch Sport schneller zu integrieren“, beschreibt Potthast das Projekt. „Die Gelegenheit dazu ergab sich nach Einrichtung der ersten Sprachlernklasse für jugendliche Flüchtlinge an unserer Schule. Durch ein zusätzliches Sportangebot für diese jungen Menschen, die in ihrer Heimat und auf der Flucht nach Deutschland durch schreckliche Erlebnisse traumatisiert sind, können Hemmschwellen schneller abgebaut, Ängste genommen und Vertrauen aufgebaut werden. Wenn man hört, was diese Jugendlichen in jungen Jahren schon erlebt haben, kommt man schnell zum Schluss, dass alles getan werden muss, um für diese Menschen das Optimum herauszuholen.“

Potthast nahm Kontakt zur VT Rinteln auf. Der 1. Vorsitzende Karl-Heinz Frühmark war sofort bereit, das Projekt zu unterstützen. „Die VTR engagiert sich schon seit vielen Jahren für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. In den Sparten Boxen, Klettern und Hallenfußball ist ein besonders hoher Anteil von ausländischen Bürgern zu verzeichnen, die besondere Zuwendung brauchen. Als mich Herr Potthast ansprach, habe ich spontan zugesagt.“

Der Sportunterricht wird in der Kreissporthalle durchgeführt. Die BBS stellt mit Ulrich Kuhnert den Sportlehrer, der von Diplomsportlehrer Bernd Jäger von der VTR unterstützt wird. „Durch die Kooperation zwischen Schule und Verein wollen wir erreichen, dass die Jugendlichen auch nach der Schule den Weg in die Vereine finden. Das Motto muss ,Raus aus dem Heim, rein in das Leben‘ lauten“, fordert Potthast. Und Frühmark fügt hinzu: „Notfalls müssen die Jugendlichen von Paten an die Hand genommen werden. Paten können die Jugendlichen zu den Vereinen bringen und betreuen, bis sie in der Lage sind, selbstständig zu handeln.“

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Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Landkreis Schaumburg. Das Geld kommt aus einem Spendentopf für Flüchtlingshilfe. Die Volksbank hat jetzt eine Spende von 5000 Euro für die Flüchtlingshilfe überreicht. Ein Teil des Geldes stammt von Dr. Antonia Rados, promovierte Politologin, mehrfach ausgezeichnete Krisen- und Kriegsberichterstatterin, die in diesem Jahr zweimal als Referentin zu Gast beim Schaumburger Bankinstitut war. Rados spendete nach einem Gespräch mit Schorling spontan einen Teil ihrer Gage für die Flüchtlingshilfe.

„Wir haben zurzeit 2500 Flüchtlinge im Landkreis“, berichtet Landrat Jörg Farr im Rahmen der Spendenübergabe. „25 Prozent sind im Alter bis sechs Jahre, 16 Prozent im Alter zwischen sieben und 17 Jahren. Mit 41 Prozent ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen sehr hoch. Wir müssen für sie Projekte anbieten, um sie aus den Heimen herauszuholen. Deshalb unterstützen wir Projekte wie das Sportprojekt der BBS sehr gerne.“

Aus dem Spendentopf für Flüchtlingshilfe können Zuschüsse für weitere Projekte fließen. Eine Beantragung ist beim Landkreis in der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe möglich. Weitere Auskünfte dazu erteilt Dagmar Sever unter (0 57 51) 70 35 47 oder gibt es im Internet unter inte-gration.32@landkreis-schaumburg.de.

Ulrich Kuhnert und Bernd Jäger freuen sich über den guten Zuspruch des Sportunterrichts. „Die Jugendlichen sind mit großem Eifer dabei, legen ihre Schüchternheit und Zurückhaltung ab, finden ihr Lachen wieder und kommen tüchtig ins Schwitzen“, berichtet Kuhnert. Zu den beliebtesten Spielen gehört Goba (der Name ist aus den Worten go und back zusammengesetzt). Es handelt sich um ein Rückschlagspiel, das beidhändig mit Schlägern und Softball über eine Schnur gespielt wird.

Weil das Spiel bei den Schülern so gut ankommt, plant Kuhnert im Rahmen des Schulfestes am Ende des Schuljahres ein Integrationsturnier. Um möglichst viele Spieler mit Schlägern auszustatten, sollen diese im Unterricht hergestellt werden. „Wir brauchen etwa 250 Schläger. Die können bei uns in der Metall- und Holzabteilung von Flüchtlingen für Flüchtlinge gefertigt werden. Für den Kauf der Materialien und der Bälle brauchen wir aber Sponsoren.“

Kuhnert hofft auf möglichst zahlreiche Sponsoren, um auch dieses Projekt durchführen zu können. Sponsoren können Kontakt mit dem BBS unter (0 57 51) 89 13 90 aufnehmen.

Petra Kallwaß, Leiterin Vertriebsmanagement der Volksbank in Schaumburg, überreicht Landrat Jörg Farr den Scheck in Höhe von 5000 Euro.peb (2)

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