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"An die Arbeit!": Neu gegründeter Förderkreis stellt Entwürfe vor / Weitere Mitglieder willkommen

Rasen statt Kies: Mehr Leben für Stifts-Innenhof

Obernkirchen (sig). Das Obernkirchener Stift ist nicht nur baulich ein Herzstück der Bergstadt, sondern auch mit seinem kulturellen Angebot. Damit es auch auf weiteren Feldern vorangeht, hat sich ein Förderkreis gegründet. "An die Arbeit!", hat der Verein seinen ersten größeren öffentlichen Auftritt am Mittwochabend schwungvoll überschrieben, mit dem Untertitel "Füreinen schöneren Innenhof" - denn dessen Umgestaltung soll das erste Ziel sein, und diesem Ziel war der Auftaktabend gewidmet.

Äbtissin Susanne Wöbbeking ließ schon in ihrer Begrüßung die Vorfreude auf diese Pläne erkennen. Es könne nicht genug gute Ideen für dieses Vorhaben geben, unterstrich sie. Zugleich zeigte sie sich sehr erfreut darüber, dass offensichtlich viele Menschen Anteil nehmen an der weiteren Entwicklung des Stifts. Förderkreisvorsitzender Dr. Klaus-Henning Lemme fing den Ball auf. Er sprach von einem "hervorragenden Start", den der Förderkreis bei der Zusammenarbeit mit dem Stift erlebt habe. Wörtlich: "Wir überlegen, wie wir das Stift unterstützen können. Aber wir wollen dabei auch die Position von Obernkirchen stärken, das es nicht leicht hat im Dreieck zwischen Stadthagen, Bückeburg und Rinteln." Lemme wies darauf hin, dass der Förderkreis derzeit 25 Mitglieder zähle. Er sprach die Hoffnung aus, dass dieses Treffen dazu beitrage, die Zahl zu erhöhen. In jedem Fall wolle man sich am Anfang nicht überheben, sondern das Handeln nach den finanziellen Möglichkeiten ausrichten. Die Professorin Inken Formann von der Technischen Universität in Dresden hat sich im Rahmen einer Dissertation eingehend mit der Bedeutung von Kreuzgärten in Klöstern und Stiften befasst. Sie nahm am Beginn ihres Vortrags Bezug auf ein aus dem Jahre 825 stammendes Gartenbau-Dokument aus St. Gallen in der Schweiz. Schon damals habe es bei den Klöstern Nutzgärten für den Anbau von Gemüse sowie Kräutern gegeben. Dazu kam ein mit Bäumen bestandener Teil. Der im Zentrum eines klösterlichen Gebäudeensembles liegende sogenannte Kreuzgarten sei ein besonders sensibler Bereich. Nicht selten wurde er auch als Friedhof benutzt, vor allem für Äbtissinnen. Nicht zuletzt deshalb galt der Kreuzgarten bevorzugt als Ort der Stille und Versenkung. In Obernkirchen fanden hier aber auch Konzerte sowie Theateraufführungen statt. Heute besteht der Innenhof des Stiftes der Bergstadt weitgehend nur aus einer mit Kies ausgelegten Fläche. Die große und erkrankte Blutbuche musste weichen. Übrig geblieben ist ein steinerner Sockel, der einst zusammen mit einer Bepflanzung den optischen Mittelpunkt bildete. Dass sich hier einigesändern soll, unterstrich Landschaftsgärtnerin Kerstin Liesecke. Ihr Entwurf sieht vor, eine durchgehende Rasenfläche anzulegen, an der ein Weg entlangführt. Ein Solitärbaum, um den herum Sitzmöglichkeiten geschaffen werden, soll das Bild auflockern. Alternativen wären ein Blauglockenbaum oder ein Trompetenbaum. Vor dem Kirchenschiff möchte Kerstin Liesecke ein langes Beet mit Stauden und bunten Blumen anlegen. An den Wänden sollen sich Kletterrosen und im Schattenbereich Kletterhortensien empor ranken. In den Nischen könnten vorhandene Grabsteinplatten angebracht werden. Die Vorträge wurden von Andreas Düker (Laute) vom Göttinger Barock-Orchester und von der Sopranistin Beate Josten musikalisch eindrucksvoll umrahmt. Ausgewählt wurden Titel, die einen Querschnitt vom Mittelalter bis zur Gegenwart bildeten.

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