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Berufsschulleiter Jürgen Steltner besucht CDU-Kreistagsfraktion / "Berufsvorbereitungsjahr gescheitert - bessere Analyse"

"Qualität der Schüler hat sich deutlich verschlechtert"

Landkreis (rd). Einen grundsätzlichen Beitrag zu einem gesellschaftlichen Konsens über die Zukunftsaufgaben der Berufsbildenden Schulen (BBS) kann sich die CDU-Fraktion im Kreistag durchaus vorstellen. "Wir werden unseren Beitrag zu einer inhaltlichen Neuausrichtung der Vollzeitangebote an beiden Schaumburger Berufsschulen leisten", erklärte CDU-Fraktionssprecher Gunter Feuerbach.

Zuvor hatte Jürgen Steltner, BBS-Leiter in Stadthagen, bei seinem Besuch der CDU-Kreistagsfraktion deutlich gemacht, dass das System der beruflichen Bildung sich seit Jahren stark verändert hat und ein Ende dieses Prozesses nicht absehbar ist. Als größte Veränderung schilderte Steltner den CDU-Kreistagsabgeordneten, dass inzwischen die Hälfte der Schüler Vollzeitschüler sind, die entweder keinen Ausbildungsplatz erhalten haben oder die sich höher qualifizieren möchten, um in den Arbeits- oder Ausbildungsmarkt einsteigen zu können. Noch vor einigen Jahren sei dieses nur ein Drittel der Schüler gewesen, so Steltner. Viele junge Menschen durchlaufen zwei- bis dreijährige Warteschleifen in der BBS, ohne auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu erhalten. "Die Perspektivlosigkeit dieser jungen Menschen sehe ich als größtes Problem an", so der Schulleiter. Dadurch stiegen auch an der Berufsschule die Folgeprobleme wie Gewalt, Depressionen und Drogen. Die Schülerklientel sei sehr heterogen und reiche vom 14-jährigen Absolventen der Förderschule bis hin zum 45-jährigen Umschüler, was für die Lehrkräfte oft eine besondere Herausforderung darstelle, sagte Steltner. Zudem hätten viele Jugendliche schon erfolglose Bildungskarrieren hinter sich oder kämen aus problematischen Familien. Grundkompetenzen in den Bereichen Hygiene, Ernährung oder sozialer Umgang seien dann kaum vorhanden. Die Herkunft der Schüler spiele dabei auch eine starke Rolle. Viele der schwächeren Schüler hätten einen Migrationshintergrund. Insgesamt würden somit pro Jahr 200 bis 300 Schüler in die BBS kommen, denen die notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start in das Arbeitsleben fehlten. Die Qualität der Schüler, so Steltner weiter, habe sich deutlich verschlechtert. Und das aus diesen Gründen eingeführte Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) bezeichnete der Schulleiter als gescheitert. Das BVJ sei sehr personalintensiv und somit teuer. Die Erfolgsquote würde demgegenüber bei nur fünf Prozent liegen. Die BBS in Stadthagen wollen diesem Trend damit begegnen, indem sie die Stärken und Schwächen neuer Schüler besser analysieren, um passgenauere Berufsempfehlungen geben zu können und damit die Abbrecherquote zu senken. Dabei würden die Berufsschulen das an der Hauptschule in Rodenberg entwickelte "Modell zur Erkennung von Begabungsstrukturen" aufgreifen. Zudem überlege die Schule, in Berufsbereichen, in denen es nicht genügend Ausbildungsplätze gibt, selber auszubilden. Als weitere Maßnahmen seien die Verbesserung der sozialen Grundkompetenzen durch ein eigenes Unterrichtsfach "Sozialkompetenztraining" und die Bildung von Förderschienen zur individuelleren Förderung von Schwachen, aber auch Starken geplant. Die Möglichkeiten der BBS seien jedoch begrenzt. Und eine einfache Aufstockung der Gelder reiche nicht aus, denn es sei schon sehr viel Geld ins System geflossen, so Steltner. Stattdessen müsse ein gesellschaftlicher Konsens von Politik, Verwaltung und Wirtschaft hergestellt werden, um der Perspektivlosigkeit junger Menschen zu begegnen. Gunter Feuerbach, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, begrüßte die konkreten Vorschläge des Schulleiters. "Insbesondere von der Analyse der Fähigkeiten der Schüler versprechen wir uns einiges - und nötigenfalls müssen auch schulische Vollzeitangebote das duale System ergänzen." Mit dieser und den anderen Maßnahmen werde einigen Schülern geholfen. Das Gesamtproblem sei nur gesamtgesellschaftlich zu lösen.

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