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Prüfung nach Tod im Hamelner Pflegeheim

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Hameln (bha). Ein Tag nach Bekanntwerden des tödlichen Zwischenfalls in einem Hamelner Alten- und Pflegeheim haben zwei Mitarbeiter der Heimaufsicht gestern die Zustände in der Einrichtung begutachtet. In der Nacht von Samstag auf Sonntag soll dort ein 84-jähriger pflegebedürftiger Bewohner seine 74-jährige Ehefrau im gemeinsamen Schlafzimmer getötet haben. Nach Auskunft des Fachkommissariats 1 der Polizei ist der Hamelner Senior schwer dement und kann sich an die Ereignisse in der Nacht nicht erinnern.
 Die Heimaufsicht des Landkreises Hameln-Pyrmont ging gestern der Frage nach, ob die Einrichtung besondere Maßnahmen hätte ergreifen müssen, um einen Fall, wie er sich ereignet hat, zu verhindern und ob es Versäumnisse seitens der Heimleitung gegeben hat. Zu den untersuchten Unterlagen zählen nach laut Mitarbeiter Michael Wyrwoll sämtliche Dokumentationen, die Hinweise darauf geben könnten, dass der Bewohner seinem Zustand entsprechend behandelt und untergebracht worden war. Diagnosen, Biografiebögen, Infos zur Medikamentengabe – mit Ausnahme des so genannten Klingelprotokolls seien sämtliche Unterlagen gesichtet worden, wie Wyrwoll gegenüber der Dewezet erklärte. Die Auswertung des Klingelprotokolls, in dem festgehalten wird, zu welchen Zeitpunkten Bewohner nach Personal geklingelt haben, um Hilfe zu erhalten, steht nach Angaben Wyrwolls noch aus. Von besonderer Bedeutung bei der Beurteilung, ob Demente adäquat untergebracht sind, seien die Biografiebögen. Sie geben Auskunft über bestimmte Gewohnheiten, die beizubehalten für Demente sehr wichtig seien. Wichtig dabei: dass sie lückenlos sind und wesentliche Ereignisse, die in der Vergangenheit der Patienten liegen, enthalten.
 Wyrwoll kommt mit seinem Kollegen („wir prüfen immer nach dem Vier-Augen-Prinzip“) zu dem Schluss: „Vorbehaltlich der weiteren Überprüfungen ist der Einrichtung nichts vorzuwerfen.“ Diese „weiteren Überprüfungen“ würden von der Polizei respektive der Staatsanwaltschaft vorgenommen. Im Gespräch mit der Heimleitung hat sich laut Michael Wyrwoll jedenfalls nichts ergeben, was darauf hätte hindeuten können, dass das Personal etwas hätte anders machen müssen, als es getan habe. „Das Heim war sehr kooperativ, und alle dort sind sehr betroffen“, sagt der Mitarbeiter der Heimaufsicht Hameln-Pyrmont, die in Kooperation mit dem Landkreis Holzminden für die Überwachung von 74 Pflegeheimen zuständig ist. Mindestens einmal jährlich muss jedes Pflegeheim kontrolliert werden. „Seit zwei Jahren“, so Wyrwoll, werde ausschließlich unangemeldet geprüft.
 Bei der jüngsten turnusmäßigen Kontrolle im betroffenen Pflegeheim vor einem halben Jahr hatte es „nur formale Beanstandungen“ gegeben, die über der Qualität eines Heimes nichts aussagen, schildert Wyrwoll. Auch die Polizei sieht laut Kriminalhauptkommissar Heinz Mikus überhaupt keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass Heimleitung und Personal der Einrichtung richtig gehandelt haben bei der Unterbringung des Ehepaares. Der Vorgang liege jetzt bei der Staatsanwaltschaft, die Hamelner Polizei habe ihre Ermittlungen bis auf Weiteres abgeschlossen. Die Heimleitung der Einrichtung, die laut Wyrwoll über 76 Plätze verfügt, wollte gegenüber der Dewezet keine Stellungnahme abgeben.
 Für den 84-jährigen Mann, der seine Frau mit einer Schere erstochen haben soll, ist noch keine neue Unterbringung gefunden worden, wie dessen Strafverteidiger Uwe Behnsen gestern Nachmittag auf Anfrage erklärte. Er war zu seiner Familie gebracht worden, nachdem kein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden war. Ein Amtsarzt habe jetzt noch zu prüfen, ob der Mann für sich und andere eine Gefahr darstellt, ob also eine Unterbringung in einem geeigneten Pflegeheim oder in einer Psychiatrie angebracht sei, so Behnsen.

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