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Jusos laden zur Malaktion ein / Antifaschistisches Bündnis ruft zur Teilnahme an Gegendemo auf

Protest gegen den Aufmarsch der Neonazis

Bad Nenndorf (rd/rwe). Im Vorfeld des für kommenden Sonnabend in Bad Nenndorf geplanten Neonazi-Aufmarschs kündigen das Antifaschistische Bündnis gegen Geschichtsrevisionismus und die Nenndorfer Jusos Gegenaktionen an.

Auf der Bahnhofstraße in Bad Nenndorf wird morgen Abend gemalt:

Unter dem Titel "Kreativ gegen Rechts" laden die Jungsozialisten in der Samtgemeinde Nenndorf für morgen, Freitag, von 20 bis 22.30 Uhr zu einer großen Straßenmalaktion ein. Dafür wird die Bahnhofstraße an dem Abend zwischen Horster Straße und Bahnhof zum Kunstobjekt und halbseitig gesperrt. Schirmherr der Aktion ist der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, der dem Ereignis aus der Ferne viel Erfolg wünschen muss - er ist am Freitag in Den Haag. Nenndorfs Juso-Chef Dennis Grages hofft auf eine große Resonanz bei den Bürgerinnen und Bürgern. Diese sollen auf der Fahrbahn ihren Protest gegen den Aufmarsch der Neonazis kundtun, die am nächsten Morgen in den Kurort kommen. Dazu sollen die Bad Nenndorfer nach Lust und Laune zur Straßenkreide greifen und die Bahnhofstraße in dem Abschnitt mit Bildern und Sprüchen gegen Rechtsextremismus verzieren. "Allerdings wollen wir keine Diffamierungen", betont Grages. Wenn die Neonazis am nächsten Tag durch die Bahnhofstraße gehen, sollten sie spüren, dass sie unerwünscht sind. Anlass für den Aufmarsch der Rechtsextremisten ist nach den Worten Grages' das Wincklerbad, welches nach dem Zweiten Weltkrieg dem britischen Geheimdienst als geheimes Verhörlager gedient hat (wir berichteten). "Dabei ist an die Öffentlichkeit gekommen, dass die Briten einige der Insassen gefoltert haben, welches zu Todesfällen geführt hat", so der Nenndorfer Juso-Chef. "Hierauf wollen die Rechtsextremen aufmerksam machen und fordern eine Gedenktafel für das Wincklerbad." Ein bis zwei Tage sollen die Malereien und Slogans auf der Bahnhofstraße bleiben, dann wollen Grages und seine Mitstreiter die Kreide wieder abwaschen. Er hofft auf das Verständnis der Anwohner, denn die kreative Konfrontation mit den Nazis müsse sich nicht nur auf die Fahrbahn begrenzen. Die Anwohner sollten auch Plakate und Banner aus den Fenstern hängen. "Dagegen kann ja niemand etwas haben, dieser kreative Protest ist uneingeschränkt positiv", unterstreicht Edathy. Die Straßenmalerei sei eine schöne Ergänzung zu den anderen Aktionen in der Reihe "Bad Nenndorf ist bunt", die der Bundespolitiker als gut und wichtig bezeichnet. Die Menschen hätten Flagge gezeigt (siehe "Zum Thema"). Er forderte dazu auf, Rechtsextremismus niemals als Normalität zu betrachten. "Bereits im vergangenen Jahr waren rund 100 Neonazis Ende Juli durch Bad Nenndorf marschiert", erinnert Bea Hänsch, Pressesprecherin des Antifaschistischen Bündnisses gegen Geschichtsrevisionismus. Das Bündnis kündigte jetzt in einer Pressemitteilung eine "lautstarke und offensive Demonstration" an. "Die Bedrohungen und gewalttätigen Übergriffe haben seit dem vergangenen Jahr nicht abgenommen", so Hänsch. Morddrohungen und Psychoterror, auch gewalttätige Übergriffe seien für viele Antifaschistinnen und Antifaschisten an der Tagesordnung. Jänsch: "Demos sind gut, aber sie reichen nicht aus. Aktives Vorgehen von Institutionen und Bürgerinnen und Bürgern gegen Rassismus, Antisemitismus oderNationalismus ist das ganze Jahr über nötig." Die antifaschistische Gegendemonstration beginnt am Sonnabend um 10 Uhr mit einer Auftaktkundgebung am Bahnhofsvorplatz (Bornstraße). Dazu rufen 35 Gruppen und Organisationen, die von AntiFa und Anti-Rassismus-Gruppen bis zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der jüdischen Gemeinde Bad Nenndorf reichen, auf. Zuvor findet laut Hänsch am morgigen Freitag eine antifaschistische Vorabend-Demonstration statt: "Unter dem Motto ,Wohin sie auch kommen, wir sind schon da' beginnt die Demo trotz massiver Drohungen der NOS um 20.30 Uhr ebenfalls am Bahnhofsvorplatz." "Uns geht es darum, den Bürgern und Bürgerinnen die Augen zu öffnen und auf die Bedrohung durch Schaumburger Neonazis aufmerksam zu machen", erklärt Hänsch das Vorhaben aus Sicht der antifaschistischen Gruppen. "Außerdem wollen wir zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen. Deshalb gehen wir in die Offensive",so die Bündnis-Sprecherin.

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