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Kreisverwaltung reagiert kritisch auf Standort-Vergleich / Erfolgreiche Gründungsförderung entlang der Autobahn

"Positive Trends werden noch von Verlustenüberdeckt"

Landkreis (wer). Die Kreisverwaltung kommt - erwartungsgemäß - zu einer anderen wirtschaftlichen Lagebewertung als das Forschungsinstitut für Regional- und Clustermanagement, das Schaumburg als abgeschlagenen niedersächsischen Wirtschaftsstandort klassifizierte (wir berichteten). Die Studie gehe zum Teil von falschen Voraussetzungen aus und nehme nicht in den Blick, dass sich im Schatten der Jobverluste bei Großbetrieben kleinere Branchen überdurchschnittlich positiv entwickelt hätten, hält die Verwaltung dem Institut entgegen.

Der Verlust vonüber 3600 Arbeitsplätzen seit 1999 gehe vor allem auf das Konto von Großbetrieben wie Heye-Glas, Alcatel und Otis, argumentiert die Kreisverwaltung. Über 1000 dieser verlorenen Arbeitsplätze habe auch das Baugewerbe abgebaut. Dagegen hätten sich kleinere Branchen wie Medizintechnik, Kunststoffverarbeitung, Stahlbau, Feinmechanik und Optik sowie die Druckindustrie in Schaumburg "überdurchschnittlich entwickelt". Bislang würden diese positiven Ergebnisse jedoch von den Verlusten bei den großen Branchen "überdeckt". "Darauf geht die Studie leider nicht ein", heißt es in einer Presseerklärung. Auch müsse die Lage innerhalb Schaumburgs differenzierter bewertet werden: Konzentrierten sich die Verluste vor allem auf die Städte, hätten andere Einzelstandorte (etwa Nenndorf, Rodenberg und Auetal) überdurchschnittliche Zuwächse vor allem bei Dienstleistungen sowie kleinen und mittleren Unternehmen verzeichnet. Auf Kritik stoßen im Kreishaus auch einige Grundannahmen der Studie. Zählt der Landkreis den Gesundheitsbereich mit Blick auf die Heilbäder Bad Nenndorf und Bad Eilsen zu den ausgesprochenen Standortstärken, rangiert dieses Kompetenzfeld im Ranking des Instituts zwar auch auf einem vorderen achten Platz, wird aberübertroffen von Branchen wie dem Leder- und Bekleidungsgewerbe. "Leder- und Bekleidungsindustrie ist hier so gut wie überhaupt nicht mehr vertreten", wundert sich der Landkreis. Immer wieder hat der Landkreis die Bilanz bei Existenzgründungen als Standortplus angeführt. 2004 habe Schaumburg einen "Spitzenwert" von 93,9 Gründungen pro 10 000 Einwohnern erzielt. 2005 sank der Wert indes auf 77,3 Gründungen ab und rutschte sogar unter den Durchschnitt der IHK Hannover (Rückgang von 88,2 auf 80,5) und Niedersachsens (Rückgang von 89,9 auf 81,2). Es könne jedoch nicht ausgeblendet werden, dass die hohen Durchschnittswerte nicht zuletzt durch die Region Hannover und den Landkreis Diepholz zustande kämen. "Verglichen mit anderen Landkreisen wie Hildesheim, Holzminden, Nienburg, Northeim oder Göttingen liegt Schaumburg auf einem guten vierten Platz innerhalb der IHK-Region." Besonders hoch seien die Gründungszahlen in den autobahnnahen Standorten. In Lauenau zum Beispiel seien durch Ansiedlung eines international tätigen Logistikunternehmens sowie weiterer Betriebe über 250 Arbeitsplätze entstanden. Auch durch die Nachnutzung des ehemaligen Otis-Geländes in Stadthagen entstünden mittelfristig 50 bis 60 neue Arbeitsplätze. Ein weiteres Argument für den Standort Schaumburg: die vergleichsweise moderate Arbeitslosenquote. Aktuell liege sie mit 10,9 Prozent in Stadthagen und 11,5 Prozent in Rinteln (insgesamt: 11,1 Prozent) immer noch viel zu hoch, aber unter dem Niveau der Nachbarn (Hameln 11,9, Bad Pyrmont 13,8, Holzminden 13, Hannover 13 und Göttingen 11,9 Prozent). Für die Kreisverwaltung dokumentiert die Quote, dass der gewaltige Arbeitsplatzabbau im industriellen Bereich zum Teil aufgefangen werden konnte. Zwar ließen sich die Jobverluste bei international agierenden Betrieben weder aus der Region noch vom Land beeinflussen. Doch könne die Wirtschaftsförderung gegensteuern, indem sie die mittelständischen und kleinen Betriebe betreue und die wirtschaftliche Basis durch Gründungsförderung verbreitere. Schaumburg sei dafür als erster Landkreis durch den Niedersächsischen Hand-werkstag als mittelstandsfreundliche Kommune ausgezeichnet worden, erinnert die Kreisverwaltung. Beispielhaft seien die Innovations- und Existenzgründungsförderung, die Einrichtung des Wirtschaftsrates oder die Ausrichtung der Regionalschau. Mit Unterstützung des Landes sei bereits vor einigen Jahren ein Zukunftskonzept aufgestellt worden, das zur Gründung der Weserbergland AG sowie zum Ausbau der Regionalen Entwicklungskooperation Weserbergland geführt habe. Neue Wege, die allerdings erst mittel- und langfristig volle Wirkung entfalten würden.

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