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Einvernehmen der Stadt zum Maststall-Projekt bei Hasperde wird an Bedingungen geknüpft / Kampfabstimmung im Ausschuss

Politik und Verwaltung fordern neues Geruchsgutachten

Bad Münder (jhr). Landwirt Dr. Albrecht Brandes wird – sollte der Verwaltungsausschuss in der kommenden Woche nicht zu einer anderen Entscheidung kommen – ein weiteres Gutachten zur Geruchsbelastung durch den Neubau eines Schweinemaststalls und einer Biogasanlage bei Hasperde beibringen müssen. Kurios dabei: Weder die Verwaltung noch die Politiker, die das neue Gutachten fordern, gehen davon aus, dass es das Bauprojekt des Landwirts verhindern wird.

Auf dieser Fläche an der B217 soll der Maststall samt Biogasanlage entstehen.  Foto: oe

Nach einer zweieinhalbstündigen Info-Veranstaltung im Hofcafé Flegessen stellten Brandes und auch Planungsamtschef Karl-Heinz Knigge im Ortsrat Flegessen und im Bau- und Planungsausschuss das Vorhaben umfassend dar. Brandes erläuterte, dass er mit dem an der B 217 und damit rund 650 Meter von Flegessen entfernt liegenden Maststall seinen bestehenden Zuchtsauen-Betrieb um eine Facette erweitern möchte. Im Außenbereich sollen Ferkel aufgezogen und Schweine gemästet werden, eine Biogasanlage gleich die anfallende Gülle weiterverwerten.

Im Ortsrat beantwortete Brandes zahlreiche Fragen zum Projekt, gewährte dabei auch tiefere Einblicke in die internen Abläufe eines Ferkelaufzuchtbetriebes, wie er ihn in Flegessen betreibt. „Alle drei Wochen dreht sich das Karussell. Alle drei Wochen werden die Ferkel von den Sauen getrennt, alle drei Wochen die Sauen neu belegt – dann dreht sich das Rädchen ein Stück weiter.“ Die von den Sauen getrennten Ferkel will Brandes künftig nicht mehr im Ort bis zu einem Gewicht von 28 Kilo großziehen, sondern im neuen Außenstall im „Lohfeld“.

Während der Sitzung erneuerte Planungsamtsleiter Knigge den Vorschlag der Verwaltung, das Einvernehmen der Stadt zum Projekt mit den Ergebnissen eines neuen Gutachtens zu verknüpfen: Anders als der zuständige Vertreter der Genehmigungsbehörde Landkreis sieht Knigge im vorhandenen Maststall des Landwirts Brockmann, dem Maststall-Neubau und der geplanten Biogasanlage eine Vielzahl von Betrieben, deren Geruchsimmissionen zusammengenommen die zulässigen Grenzwerte der „Jahresgeruchsstunden“ überschreiten könnten.

Biogasanlage und Maststall-Projekt alleine, so die Ergebnisse einer vorliegenden Gutachter-Untersuchung, würden die Grenzwerte nicht überschreiten. Als vehementer Unterstützer des Verwaltungsvorschlages gab sich in Ortsratssitzung und Bauausschuss Ortsbürgermeister Detlef Olejniczak (SPD) zu erkennen, anders Brandes.

Er habe bereits ein erstes Gutachten zur Ammoniak-Belastung beigebracht, dann freiwillig ein zweites Gutachten zur Geruchsimmission in Auftrag gegeben. „Jetzt wird ein weiteres Geruchsgutachten gefordert, obwohl vom Standort im Ort keinerlei Geruchsimmissionen zu erwarten sind. Irgendwann reicht es aber auch mal“, sagte der Landwirt verärgert. Während sich der Ortsrat mit vier zu zwei Stimmen der Forderung nach einem neuen Gutachten anschloss, erkannte im Planungsausschuss Andreas Seidel (CDU) in der Forderung eine „Verzögerungsaktion, die mir sehr konstruiert erscheint“. Sein Antrag, aus der Beschlussempfehlung die Gutachten-Forderung herauszunehmen, erhielt bei vier Gegenstimmen (SPD) vier Stimmen (CDU und proBürger) und wurde damit abgelehnt – dem Vorschlag der Verwaltung anschließend mehrheitlich zugestimmt.

Als deutlicher Kritiker des Maststall-Projektes hatte zuvor Hachmühlens Ortsbürgermeister Helmut Steinwedel gefragt, warum die Geruchsauswirkungen auf Hachmühlen nicht untersucht worden seien. „Wir haben im Ort bereits 1900 Mastschweine – es stinkt.“

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