weather-image
15°
Gericht siehtÜberlebenschancen "eher düster" / Handball-Lizenzbetrieb bricht Verein das Genick

Pleite! VT Bückeburg stellt Insolvenzantrag

Bückeburg. Nach 148 Jahren das Ende: Die VT Bückeburg ist zahlungsunfähig. Gestern Morgen zog der Vorstand die Notbremse und stellte Insolvenzantrag beim Amtsgericht. Derzeit prüft das Gericht, ob überhaupt genügend Masse zur Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens vorhanden und damit die Einsetzung eines vorläufigen Insolvenzverwalters möglich ist. "Es sieht eher düster aus", sagte Insolvenzrichter Wolfgang Gloede auf Anfrage unserer Zeitung: "Es ist kein Geld mehr da, kaum etwas zu sichern."

Die entscheidenden Stücke im Schulden-Puzzle fehlen: Jetzt ist d
4299_1_orggross_r-cremers

Autor

Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Auf einer gestern Mittag kurzfristig anberaumten Pressekonferenz nahm der Vorstand um den Vorsitzenden Manfred Hohmann, dem designierten 2. Vorsitzenden Thomas Hammacher und Sozialwart Ulrich Mohr Stellung zur erneuten Schieflage der VTB. Die vergangenen Jahre seien von den Bemühungen geprägt gewesen, die Probleme nach dem Debakel des Frauen-Bundesliga-Handballs zu bewältigen. Neuorganisation der Vorstandsarbeit, Umschuldung und ein konsequenter Sparkurs hätten zunächst Erfolge gebracht. Nun aber brachen der unverminderte Mitgliederschwund (885) und unvorhergesehene Altlasten aus dem Handball-Lizenzbetrieb dem Verein endgültig das Genick. Zum einen konnte eine ehemalige Spielerin gerichtlich Forderungen durchsetzten. Zum anderen machte eine Firma, die den Bus der Handball-Abteilung übernommen hat, weitere Forderungen geltend. Rechnungen des Lizenzbetriebs seien aus der Kasse des Busbetriebs bezahlt worden. Auch diese Forderung konnte gerichtlich durchgesetzt werden. Sozialwart Ulrich Mohr: "Für uns zwei Jahre zu spät, um sie in unser Entschuldungskonzept einzubeziehen." Ein letzter Rettungsanker zum Erhalt der Zahlungsfähigkeit sollte Mitte Mai geworfen werden, als sich die VTB mit den ehemaligen Bundesliga-Verantwortlichen Bernd Schramme und Fred Stundner über noch anstehende Regressansprüche einigen wollte. Mit beiden konnte ein außergerichtlicher Vergleich geschlossen werden. Mit ihm wären alle wechselseitigen Ansprüche erledigt gewesen. Der Verein hätte die notwendige Liquidität zum Überleben erhalten, so die Darstellung der VTB. Obwohl der Vergleich von allen Seiten unterschrieben worden ist, so die VTB weiter, habe "insbesondere Bernd Schramme keinerlei Anstalten gemacht, seinen Teil der Vereinbarung zu erfüllen". Eine für ihn tragbare Finanzierung sei daran gescheitert, dass er gegenüber seiner Bank keine ausreichende Sicherheit beigebracht habe. Das Darlehen sei daraufhin abgelehnt worden. Fred Stundner habe gegenüber der VTB signalisiert, zu seinem Teil der Vereinbarung zu stehen. Fred Stundner lehnte gestern jede Stellungnahme ab, Schramme war nicht zu erreichen. Mit dem Scheitern des Vergleichs fehlen der VTB nun die notwendigen Mittel, um Geschäfts- und Sportbetrieb weiter zu führen. Der Vorstand beschloss den bitteren Gang zum Insolvenzrichter: "Wir bedauern, dass wir den tragenden Säulen, unseren Sportlehrer und die Übungsleiter nicht mehr bezahlen und unsere Verpflichtung gegenüber anderen Vereinen nicht erfüllen können." Wie es weitergeht ist derzeit völlig offen. Gestern Abend informierte der Vorstand alle Verantwortlichen über die Zuspitzung der Situation. Beraten wurde, ob Sparten eigene Vereine gründen oder aber sich anderen Vereinen anschließen. Offen ist noch, ob sich Mitglieder finden, einen Nachfolgeverein zu gründen. "Wir selbst stehen dafür nicht zur Verfügung", schloss der derzeitige Vorstand aus. Wird doch ein Insolvenzverwalter eingesetzt,übernimmt dieser die Fortführung der Geschäfte, ansonsten wird der Verein zwangsweise liquidiert, der jetzige Vorstand als Liquidator eingesetzt. Beide müssten in Gerichtsverfahren versuchen, die Ansprüche des Vereins durchzusetzen. Insgesamt hat die VTB eine Schuldenlast von 285 000 Euro aufgetürmt, so Informationen unserer Zeitung. Zum Teil haben Vorstände und Mitglieder für diese Kredite gebürgt. Ob sie jetzt von den Kreditgebern in Anspruch genommen werden, steht in den Sternen. Auf jeden Fall reichen die Mitgliedsbeiträge nicht mehr, die Schulden zu bedienen.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare