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Pfusch am Bau - Hamelner Architekt verurteilt

Deckeneinsturz

Hameln (ube). 21 Monate nach dem spektakulären Einsturz einer tonnenschweren Zwischendecke in der Eisdiele „Sunset“ an der Hamelner Bäckerstraße hat das Amtsgericht Hameln am Dienstagnachmittag einen Hamelner Architekten (56) wegen fahrlässiger Baugefährdung verurteilt. Strafrichter Ulrich Schöpe sah eine Geldstrafe (40 Tagessätze zu 60 Euro) in Höhe von 2400 Euro für schuld- und strafangemessen an. Für die Staatsanwaltschaft Hannover hatte Referendarin Martina Nisse an der Verhandlung teilgenommen und am Ende auf Freispruch plädiert. Dem 56-Jährigen, sagte sie zur Freude des Angeklagten und der Verteidigung, sei eine „fahrlässige Begehung einer Baugefährdung nicht nachzuweisen“. Strafrichter Ulrich Schöpe sieht das jedoch anders: Der Architekt habe gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen und deshalb fahrlässig gehandelt, stellte er in seiner Urteilsbegründung fest. Verteidiger Roman von Alvensleben kündigte noch im Gerichtssaal an, er werde gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.
 Am 24. Juli 2007 nahm die Beinahe-Katastrophe um 17.10 Uhr ihren Lauf. In der Eisdiele knackte es plötzlich im Gebälk. Sorgenvoll blickten die Gäste nach oben. Dann sackte die tonnenschwere Rigipsdecke wie in Zeitlupe ab. 20 Frauen und Männer brachten sich gerade noch rechtzeitig durch den Hinterausgang in Sicherheit.
 Etwa ein Jahr zuvor war die Zwischendecke von Arbeitern einer Firma angebracht worden. Eine sogenannte Errichterbescheinigung, die für die Bauabnahme durch die Stadt Hameln notwendig ist, blieb das Unternehmen dem Bauherrn offenbar schuldig. Deshalb wandte sich der Betreiber der Eisdiele an den Architekten, der gerade im Haus war, um die Abflussleitungen zu untersuchen. Der Mann erklärte sich bereit, bei der Abnahme der Zwischendecke behilflich zu sein. „Es war Sommer und der Besitzer wollte so schnell wie möglich sein Lokal eröffnen“, erinnert sich der Architekt.

Stichwort Baugefährdung
§ 319 (1) Wer bei der Planung, Leitung oder Ausführung eines Baues oder des Abbruchs eines Bauwerks gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik verstößt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Deckeneinsturz
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