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Oberon Trio begeistert im Schaafstall / Junge Musiker spielen Romantik pur und verzaubern Besucher

Perlen der Kammermusik auf höchstem Niveau

Egestorf. „Am Dienstag in der Philharmonie in Berlin, am Mittwoch im Wiener Konzerthaus und am Sonnabend als Krönung hier im Schaafstall in Egestorf.“ So begrüßte der Hausherr, Mäzen und Sponsor Ernst-Jürgen Kirchertz am Ende der vergangenen Woche im ausverkauften Schaafstall das Oberon Trio, das bereits vor zwei Jahren seine musikalische Visitenkarte unter dem Motto „Junge Künstler im jungen Jahr“ abgegeben hatte.

Ein großartiges Kammerkonzert gestaltete das Oberon Trio mit v. l. Henja Semmler (Violine), Jonathan Aner (Klavier) und Rouven S

Autor:

Dieter Gömann

Aus allen vier Himmelsrichtungen der Republik waren die Musikfreunde nach Egestorf gekommen, wobei einmal mehr nur handverlesene Münderaner die Zuhörerschaft garnierten. Henja Semmler (Violine), Rouven Schirmer (Violoncello) und Jonathan Aner (Klavier) boten an diesem Spätnachmittag Perlen der Kammermusik auf höchstem künstlerischen Niveau. Die drei Musiker begeisterten mit einer Spielfreude, Genialität und perfektem Zusammenspiel, die die Besucher kammermusikalische Werke von Haydn, Beethoven und Arensky erleben ließ. Das Trio berührte die Herzen der dankbaren Zuhörer und entführte sie in die absolute Hochromantik, wie sie musikalisch einfach nicht vollkommener dargeboten werden konnte.

Schon mit Joseph Haydns E-Dur Trio, Hob. XV/28, hatten die Künstler mehr als nur eine musikalische Eröffnung des Kammerkonzerts den erwartungsvoll gestimmten Zuhörern dargeboten. Schon beim recht langen Klaviersolo im zweiten Satz (Allegretto) war zu erleben, mit welcher Hingabe und technischer Perfektion sowie musikalischer Brillanz der Pianist Jonathan Aner den musikalischen Kopf dieses Trios ausmacht. Der gebürtige Israeli hat seit vergangenem Jahr eine Professur für Klavierkammermusik an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin inne.

Der dem Trio Op. 70 Nr. 1 D-Dur von Ludwig van Beethoven angeheftete Titel „Geistertrio“ ist insofern irreführend, als er die Hörerwartung in eine völlig falsche Richtung lenkt, obwohl programmatische Hintergründe in dieser Musik nicht einmal zu erahnen sind.

Mit dem eigenwilligen in d-Moll Abgründe führenden Largo war klanglich eine Hommage an Johann Sebastian Bach zu erleben.

Abschluss des Konzerts bildete das Trio Op. 32 d-Moll des Russen Anton Arensky, das dieser als 33-Jähriger geschrieben hatte und die absolute Hochromantik par excellence darstellt und eines seiner berühmtesten Stücke überhaupt ist.

Sekunden der Stille waren nach dem Schlussakkord angesagt, ehe die Besucher in Bravo-Rufe einstimmten und die drei außergewöhnlichen Künstler zu Zugaben bewegen konnten. Zunächst die Novellette Nr. 12 von Theodor Kirchner, den die Besucher vor zwei Jahren mit einer Bearbeitung eines Schumann Trios erlebten und danach das Scherzo aus dem d-Moll Trio von Felix Mendelssohn-Bartholdy. „Romantischer geht es nun wirklich nicht“, so Semmler vor dem Vortrag.

Dass Kirchertz im letzten Moment in Karl Simko noch einen Umblätterer von Format für den Pianisten gewinnen konnte, nahm dem Hausherrn die letzte Sorge, bevor ein glänzendes Kammerkonzert seinen Lauf nahm, das den Besuchern in sehr guter Erinnerung bleiben dürfte.

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