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Bei einer Rundreise durch Dänemark und Schweden reiht sich eine architektonische Sehenswürdigkeit an die nächste

Perlen am Øresund: Designklassiker, die sein müssen

Kopenhagen/Malmö. Die abendliche Dunkelheit schleicht sich bereits am frühen Nachmittag über Kopenhagens Dächer. Dreieckige Balkone ragen drohend in den Sonnenuntergang, der auf der anderen Seite eines Wasserlaufs hinter riesigen Glasbauten den Himmel orange färbt. Hier zwei Häuserblöcke, deren Buchstabenform es ermöglicht, dass jeder Balkonbesitzer die Sonne genießen kann, während sich die loftartigen Wohnräume durch individuell zu setzende Wände von der Nachbarwohnung unterscheiden.

Planscht im Brunnen: die Figurengruppe, die zu Kopenhagens verwa

Von Janna Marre

Kopenhagen/Malmö. Die abendliche Dunkelheit schleicht sich bereits am frühen Nachmittag über Kopenhagens Dächer. Dreieckige Balkone ragen drohend in den Sonnenuntergang, der auf der anderen Seite eines Wasserlaufs hinter riesigen Glasbauten den Himmel orange färbt. Hier zwei Häuserblöcke, deren Buchstabenform es ermöglicht, dass jeder Balkonbesitzer die Sonne genießen kann, während sich die loftartigen Wohnräume durch individuell zu setzende Wände von der Nachbarwohnung unterscheiden. Dort ein Gebäude, das von einer Seite durch seinen terrassenartigen Bau von Holzbalkonen an norwegische Architektur erinnert, hier zeigt die vordere Häuserfront eine riesige Applikation eines Berges. Innen das Parkhaus mit farblich unterteilten Etagen, die durch einen diagonalen Fahrstuhl miteinander verbunden sind.

Ørestad – ein

Stadtteil der Zukunft

Der Zukunftsstadtteil Kopenhagens, Ørestad, beeindruckt selbst jene Besucher, die mit Architektur nicht viel anfangen können. Das Konzept hier sieht vor, drei Landschaftstypen auf kleinem Raum anzusiedeln: das Medien- und Universitätsviertel, ein Konsumviertel und das Wohnviertel, mit dem die Architekten Menschen aller Gesellschaftsschichten eine Unterkunft ermöglichen möchten. So gibt es innerhalb des gleichen Blocks Wohneinheiten unterschiedlichster Größe und Mietpreise.

Ørestad ist der perfekte Beginn einer kurzen Rundreise um den Øresund. Mit geschultem architektonischen Auge lohnt es sich Kopenhagens Innenstadt zu besichtigen: Nyhavn, das vom Industrie- zum Wohnviertel umgestaltete Gebiet im Norden der Stadt, lädt zum Spazieren ein, während wenige hundert Meter weiter westlich Strøget, die längste Fußgängerzone Europas, zum Bummeln verführt.

Alt trifft neu: ein Fachwerkhaus inmitten des Neubaugebietes.
  • Alt trifft neu: ein Fachwerkhaus inmitten des Neubaugebietes.
Kopenhagens Zukunftsstadtteil Nyhavn zieren futuristische Gebäud
  • Kopenhagens Zukunftsstadtteil Nyhavn zieren futuristische Gebäude – wie dieses mit einer Fassade aus Schiefer.

Am Abend ist es allemal lohnenswert, sich vom Kvästhusbroen aus das beleuchtete Opernhaus anzusehen und im Anschluss ans Dinner die Königliche Bibliothek zu besuchen. Von den Kopenhagenern auch als „Schwarzer Diamant“ bezeichnet, liegt die Bücherei, die eigentlich mehr Kulturzentrum ist, an einem der vielen Kanäle und spiegelt das Wasser in ihrer Fassade wieder. Innen zeigt sich eine außergewöhnliche Architektur, die mit Treppen, Rolltreppen und Aufzügen zu irritieren vermag, doch mit ihren Lesesälen aus dem vergangenen Jahrhundert alles wieder wettmacht.

Kontrastprogramm zur belebten, modernen Metropole bietet Helsingør mit seinem Charme eines verschlafenen Fischerdorfs. Hier krönt das Schloss Kronborg die Küste, in dem laut Shakespeare Hamlet lebte. Noch heute gibt es regelmäßig Aufführungen des Dramas im Schlosshof. Beliebter Ausflugsort ist das Museum Skibsklarerergaarden an der Strandgade 91, in dem ein altes Schifffahrtsbüro nachgestellt ist. Wer 1920 im Hafen festmachte, lässt sich hier heute noch nachlesen.

Die Fähre von Helsingør ins schwedische Helsingborg verkehrt mehrmals täglich. Um das Zentrum des Küstenstädtchens zu besuchen, empfiehlt sich ein Spaziergang an Dunkers Kulturhus vorbei. Ein Abstecher in den Museumsshop sichert schon einmal das Mitbringsel für Zuhause: Viele witzige Designgegenstände gibt es hier zu kaufen. Auch die Architektur des Gebäudes ist besonders, kann man doch vom Haupteingang aus durch das Foyer direkt bis aufs Meer blicken.

Shoppen in Helsingborg wird begleitet von Designläden, die Wohnaccessoires, Porzellan oder Kleidung in ihrem ganz eigenen Stil anpreisen. Die wohl wichtigste Straße für Liebhaber exklusiver Artikel ist Kullagatan; hier tummeln sich neben Passanten Designerboutiquen und Discountketten. Auf die Kaffeepause darf man sich jetzt schon freuen: Das Fiftiescafé Ebbas, Bruksgatan 20, betört mit seiner Innenausstattung. Bis ins kleinste Detail sind hier Originale aus den 1950er Jahren, die Musikbox, die Kuchentheke, die Kasse, das Geschirr zu finden – doch die wuchtigen schwedischen Kuchen sind frisch zubereitet und umwerfend lecker.

Spaziergänge rund

ums Renaissanceschloss

Bevor es über die Øresundbrücke wieder zurück nach Kopenhagen geht, steht als letzte Station Malmö auf dem Plan. Als drittgrößte Stadt Schwedens kündigt sie sich bereits von Weitem durch ihr Wahrzeichen an: den Turning Torso Tower.

Das Malmöhus ist das größte Renaissanceschloss des Nordens. Angeblich war hier einst der dritte Ehemann von Maria Stuart inhaftiert. Heute schließt sich ein großer Garten an das Areal an, in dem Gemüse angebaut wird und der zugleich zu Spaziergängen einlädt.

Besonders stolz ist man in Malmö aber auf etwas anderes: den Västra Hamnen, den Westhafen, ein architektonisches Kleinod. Bei den Wohnhäusern wird hier auf erneuerbare Energien gesetzt; die Dächer sind mit Solarkollektoren gepflastert. Wer abschließend einen besonders schönen Blick auf die Øresundbrücke werfen möchte, kann dies am besten aus einem der kleinen Restaurants entlang der hölzernen Promenade tun. Nur der Abschied von der Region, er fällt hier außerordentlich schwer.

Der Turning Torso Tower ist Malmös neues Wahrzeichen. Von jeder Ecke der schwedischen Stadt aus ist der weiße, 190 Meter hohe Wohnturm zu sehen.

Fotos: Marre

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