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Auch Diakon Seelinger kehrt Johannis-Gemeinde den Rücken / Neue Diskussion über Stadtgemeinde?

Pastoren-Exodus: Sanders verlassen Rinteln

Rinteln (crs). Es ist das Jahr des Pastoren-Exodus in Rinteln. Superintendent Dr. Peter Neumann ist in den Ruhestand verabschiedet worden, Pastor Ulrich Wöhler verlässt St. Nikolai in Richtung Holzminden - und seit Sonntag steht endgültig fest: Auch das Pastorenehepaar Klaus und Susanne Sander, das sich in der Johannis-Gemeinde eine Stelle geteilt und darüber hinaus die Todenmanner Kapellengemeinde betreut hatte, kehrt Rinteln den Rücken. Bereits für den 6. August ist der Abschiedsgottesdienst angesetzt.

Am Sonntag hat sie die definitive Zusage aus ihrer neuen Gemeinde bekommen: Pastorin Susanne Sanderübernimmt quasi ab sofort eine ganze Pastorenstelle im Flecken Ahlden bei Walsrode. Die Zukunft ihres Ehemanns ist noch offen. Pastor Klaus Sander hat in derselben Region noch eine Bewerbung laufen, in den nächsten Tagen rechnet er mit einer Nachricht. Seine halbe Stelle im Taubblindenheim Fischbeck behält er vorerst. Fast neun Jahre lang haben die Sanders die annähernd 4000 Glieder der Johannis-Gemeinde betreut, seit Anfang 1999 darüber hinaus die heute exakt 999 Gläubigen der Kapellengemeinde Todenmann. Für ihren Wechsel führen sie ein ganzes Bündel an Gründen an. "Beschwerlich" nennt Klaus Sander die Stellenteilung innerhalb eines Pastorenehepaars, wie es die Sanders 16 Jahre lang praktiziert hatten. Zudem sei der Zeitpunkt für einen Wechsel günstig: Sohn Michael hat gerade Abitur gemacht, die ältere Tochter Dorothea ist ohnehin schon aus dem Haus - wie die Eltern studiert sie Theologie - und die jüngere Tochter Christina wird im nächsten Jahr mit dem Gymnasium fertig. "Wir sind beide Anfang 50 - wenn wir wechseln wollen, dann jetzt", sagt Klaus Sander. Dass die Sanders wechseln wollen, liegt nicht zuletzt an der spezifischen Situation der evangelischen Kirche in Rinteln. Eine Einsparungsrunde hat der Kirchenkreis hinter sich, die Vakanz in Todenmann wird seit siebeneinhalb Jahren von Sanders mitgetragen. "Und in Zukunft wird die Kirche noch weniger Personal haben", spricht Klaus Sander die nach wie vor ungelösten Strukturprobleme an. Die Vision der einen großen Stadtgemeinde, deren Vordenker die Sanders genauso wie Superintendent Neumann und Pastor Wöhler waren, ist am großen Widerstand der Kirchenvorstände gescheitert. Für die Zukunft will sich Klaus Sander raushalten, nur so viel sagt er: "Es kommt ganz viel Arbeit auf die Kirchenvorstände zu, die Gemeinden neu und sinnvoll zu ordnen. Von bestimmten Strukturen wird man dabei Abschied nehmen müssen." Ab sofort ist die Pastorenstelle der Johannis-Gemeinde zur Besetzung frei gegeben. Genauso wie die Pastorenstelle an der Stadtkirche St. Nikolai, bislang allerdings ohne Erfolg. Pastor Christoph Girke aus Holzminden hat seit dem Weggang Wöhlers Ende Mai die Vakanzvertretung in St. Nikolai übernommen. Er bleibt so lange, bis ein Nachfolger da ist - und das kann noch einige Wochen dauern. Gerade ist die Stelle zum zweiten Mal im kirchlichen Amtsblatt ausgeschrieben, Bewerbungen gibt es aber noch keine. Noch ein kleiner Paukenschlag obendrauf: Auch Diakon Jochen Seelinger verlässt die Johannis-Gemeinde. Am 15. September geht er nach Süddeutschland, zurück in seinen alten kaufmännischen Beruf. "Das fällt ihm ganz schön schwer", sieht Klaus Sander eine Entscheidung zwischen Kopf und Herz. Das Problem: Seelingers Anstellung war nur möglich geworden durch die Finanzierung aus dem Innovationsfonds der Landeskirche - für eine Weiterbeschäftigung ist kein Geld da. "Die finanzielle Situation in der Kirche ist zunehmend angespannt", sieht Sander die Zukunft daher auch in ehrenamtlichen Gemeindeleitern als Ergänzung zu den Hauptamtlichen. "In der angelsächsischen Kirche wird das schon heute praktiziert."

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