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Osterräderlauf 2009

Nun ist es wieder soweit: sechs hölzerne Räder aus Eiche sollen in der beginnenden Dunkelheit am Ostersonntag in einem gewaltigen Spektakel vom Osterberg in Lügde unter dem Osterkreuz zu Tal donnern, brennend und geradeaus laufend. Mehrere Tausend Menschen werden wieder gebannt auf die stiebenden Funken und die Gewalt starren, mit der die Räder sich ihren Weg in Richtung Emmer bahnen.

Erst unterschlagen, aber jetzt umso ausführlicher nachgeholt: di

Nun ist es wieder soweit: sechs hölzerne Räder aus Eiche sollen in der beginnenden Dunkelheit am Ostersonntag in einem gewaltigen Spektakel vom Osterberg in Lügde unter dem Osterkreuz zu Tal donnern, brennend und geradeaus laufend. Mehrere Tausend Menschen werden wieder gebannt auf die stiebenden Funken und die Gewalt starren, mit der die Räder sich ihren Weg in Richtung Emmer bahnen. Dunkelheit, Feuer und das gemeinsame Erleben werden wieder für die Faszination und Gänsehaut sorgen, die solche Feierlichkeiten seit jeher begleiteten. Kulträder, das waren sie schon im Altertum, da sorgten sie mit ihrem Lauf für eine gute Ernte, für gutes Wetter, und sie markierten den beginnenden Frühling nach dem dunklen Winter. Uralt ist dieser Brauch, und die Lügder Dechen vermuten den Beginn dieser Tradition schon vor etwa 2.000 Jahren. Sie sind in der Osterräderstadt die Hüter dieses Brauchtums, immerhin ungefähr 600 Mitglieder und organisiert im Dechenverein. Auch in anderen Gegenden Deutschlands und Mitteleuropas lässt sich der Brauch der Feuerräder verfolgen. Die Brüder Grimm berichten schon von einer ähnlichen Sitte in Konz an der Mosel, allerdings nicht zu Ostern sondern zu Johanni, also der Sommersonnenwende. Auch in Lünsberg, Nüttenwald in Oberbayern, Würzburg oder Kärnten liefen noch um die Wende zum 20. Jahrhundert brennende Räder. Heutzutage steht Lügde damit ziemlich alleine da, glücklicherweise, denn ist doch der Osterräderlauf jedes Jahr ein Magnet für Einheimische, Bad Pyrmonter und viele Touristen, die bei gutem Wetter zu Tausenden in die Stadt einfallen. Da kann man bereits Karl den Großen als Begründer des christlichen Gedankens anführen, der veranlasst haben soll, dass die Räder mit Kreuzspeichen und zu Ehren Jesu Christi laufen sollten, da kann man die in die Räder geschnitzten Sinnsprüche zitieren, neben aller modernen Marketenderei hat man es eben vor allem mit einem gewachsenen Kulturgut zu tun, das rundum fasziniert. Verboten - genehmigt, verboten genehmigt, je nach regierender Meinung konnte die Lage der Osterradläufe so oder so aussehen. Glücklicherweise berichtet heute niemand mehr von „allerley Ausschweifungen“ die ein Verbot (eins von mehreren) nötig machen würden, wie es einstmals der Bischof von Paderborn 1781 verkündete. Dass aber lippische Standfestigkeit aus heutiger Sicht geradezu ein Vorbild sein kann, zeigte das widerborstige Verhalten im Dritten Reich: Den Volksbrauch in einen SA- und SS-Aufmarsch umzugestalten, konterkarierten die Lügder Dechen mit zunächst verhaltener Opposition, danach mit einem großen christlichen Kreuz auf dem Osterberg, für die Nazis peinlicherweise unangreifbar auf einem Privatgrundstück. Und heute? Heute laufen sechs Räder ins Tal, selbstbestimmt und frei in den Inschriften, die sie tragen. Denn: In einigen Tagen ist es wieder soweit: dann laufen sie wieder, die Osterräder, und einen neuen „Kollegen“ haben sie auch dabei: Als eines von sechs brennenden massiven Eichenrädern wird das „HermannRad“ beim traditionellen Osterräderlauf in Lügde neu mit von der Partie sein. Gestiftet von Landrat Friedel Heuwinkel, wird es den Siegerspruch aus dem großen Kreis- und Radio Lippe-Sprüchewettbewerb tragen: „Memoriam der Varusschlacht, drum lauf ich in der Osternacht“. Im Dechenheim Lügde überreichte Friedel Heuwinkel nun am Samstagabend in einer speziellen Veranstaltung den Preis für den besten „Sprücheklopfer“. Er ging nicht in die Kernstadt sondern in die Nachbarschaft: Walter Schrader (51) aus Falkenhagen war der glückliche Gewinner und er erhielt aus der Hand des Landrates als Preis einen Gutschein. Damit wird er mit seiner Frau Elke ein Wellness-Wochenende in Bremen verbringen, ganz exklusiv im „Maritim“-Hotel. Eigentlich wunderte ihn der Gewinn des Wettbewerbes nicht sonderlich, war er doch von Anfang an von seinem Vorschlag überzeugt und rechnete sich gute Chancen aus. Eingefallen war ihm der Siegerspruch auf dem Weg nach Detmold zum Einkaufen, und fix hatte er ihn dann auf einem Kassenzettel notiert. Zu seiner Frau sagte er: „Wollen wir nicht mal nach Bremen?“, und nun wird er sich mit ihr Ende des Jahres den Bremer Weihnachtsmarkt anschauen. Allerdings, „sein“ Osterrad wird er im Auge behalten: als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Falkenhagen ist er zur Bergwache beim Osterräderlauf eingeteilt. Da kann er von Anfang bis Ende die Daumen drücken, dass es am Ostersonntag einen sauberen Lauf hinlegt. Auch dieses Rad ist, wie seine älteren Geschwister, 1,70 Meter hoch und fast 30 Zentimeter dick. Am Montag wird es mit den weiteren fünf Rädern in einer traditionellen Zeremonie vom Dechenverein unter seinem Oberdechen Uwe Stumpe wieder an der nach der Freigabe der neuen Emmerbrücke gewohnten Stelle ins Wasser der Emmer gelassen. Dort verbleibt es bis Karsamstag und wird, gut getränkt, hoffentlich ohne Zwischenfall seinen Weg den Osterberg hinunter finden. Wie man weiß, dient ein perfekter Lauf einer guten Ernte und segnet die Arbeit der Bauern. Aber auch der Triumph des Lichtes über die winterliche Dunkelheit wird damit symbolisiert. Somit bildet das neue Osterrad und die Preisvergabe eigentlich den Startpunkt zu den diesjährigen Feierlichkeiten in der Osterräderstadt Lügde. Da lohnt sich ein Besuch: ab dem 6. April laufen die Vorbereitungen und dann stürzt sich Lügde in die alljährlichen Feierlichkeiten. Wie immer mit offenen Armen für alle Einheimischen, Pyrmonter und Interessierte von außerhalb des Tales.

Landrat Friedel Heuwinkel überreichte im Dechenheim den Preis fü
  • Landrat Friedel Heuwinkel überreichte im Dechenheim den Preis für den besten Sprücheklopfer und begutachtete das neue Osterrad von Lügde.
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