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Gute Nachbarn: „Fest der Kulturen“ auf Einladung der SPD stößt auf viel Resonanz

Ortsrat auf Arabisch

Eimbeckhausen. Integrationslotse Hans Müller aus Eimbeckhausen will seinen Schützlingen aus dem Sudan etwas über die politische Organisation in seiner Heimat erklären. Doch so recht fällt ihm das entscheidende Wort nicht ein: „Was heißt eigentlich Ortsrat auf Arabisch?“

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VON CHRISTOPH HUPPERT

Müller und die in Egestorf untergebrachten Sudanesen, die im Stuhlmuseum mithelfen, sind nur einige der Teilnehmer am ersten großen „Fest der Kulturen“, das der SPD Ortsverein Eimbeckhausen-Beber-Rohrsen organisiert hat. Vor dem Stuhlmuseum und drinnen im Cafe drängen sich Menschen aus ganz Bad Münder, um sich unter dem Motto „Gute Nachbarn“ besser kennenzulernen.

Auch Tafelchef Dieter Hainer ist gekommen und schleppt eine riesige Bücherkiste ins Café. „Das sind Kinder- und Jugendbücher aber auch Schulbücher, die wir vom Bundesverband der Tafel und der Stiftung „Selbstlos“ bekommen haben. Die wollen wir gerne weitergeben.“

Ibrahim Hussein wohnt schon seit 1986 in Bad Münder. Der 46-jährige ehemalige Maschinenführer an der Glashütte hilft bei Übersetzungen mit seinen Arabischkenntnissen. Aber auch die französische Sprache ist an diesem Nachmittag der Begegnung gefragt. Etwa im Gespräch mit der 12-jährigen Schülerin Ryan Noury Ginawo. Sie ist zusammen mit ihrer Mutter vor fünf Monaten aus Libyen über Marokko und Frankreich nach Hameln gekommen und hat in Coppenbrügge eine Bleibe gefunden. Helga Steinwege aus der Schulleitung des Hamelner Vikilu-Gymnasiums wohnt in Egestorf und hat sich um die beiden gekümmert. Mittlerweile ist Ryan am Vikilu eingeschult worden.

Während der Duft der von Peter Flade massenhaft gegrillten Rindfleischfrikadellen über den Vorhof des Museums zieht, freuen sich Stadt- und Ortsbürgermeister darüber, wie gut die Veranstaltung von den Münderanern angenommen wird.

„Ankommen und annehmen“, so Hartmut Büttner, das sei das Gebot der Stunde. Niemand habe bei der Vorbereitung des Festes vor einigen Monaten die mittlerweile eingetretenen dramatischen Entwicklungen vorausahnen können. Jetzt käme es darauf an, die direkte Begegnung zur Selbstverständlichkeit zu machen und dem Miteinander Nachhaltigkeit zu geben. „Wir müssen sensibel bleiben“, fordert Büttner.

Doch es gibt auch sorgenvolle Momente. „Was schmerzt, ist, wenn Menschen, die gerade hier zarte Wurzel gefasst haben, wieder abgeschoben werden“, berichtet Hans Müller. „Das trifft meist Familien vom Balkan. Und das tut dann wirklich sehr weh. Da muss sich die Politik bessere Lösungen einfallen lassen.“

Gemeinsames Essen, Gespräche, aber auch Aktionen ohne Sprache wie der „Drum Circle“ von Jugendmusikschullehrer Thomas Klawier helfen, Kontakte herzustellen – und Musikschulleiter Tobias Kokkelink stellt fest, dass die integrative Kraft der Musik wohl wieder einmal durch nichts zu ersetzen ist.

„Wir sind und bleiben alle zusammen gute Nachbarn in Bad Münder“, sagt auch Ortsbürgermeister Karl-Heinz Bodtmann. Mit der Aktion hätten die Münderaner ein Zeichen für eine aktive Willkommenskultur gesetzt. Und deutlich gemacht, dass gute Nachbarschaft sowohl mit denen, die schon länger bei ihnen leben wie auch mit denen, die erst vor kurzem angekommen sind, eine Selbstverständlichkeit sei.

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