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Jan Jansen und das Alauda Quartet Amsterdam landen in Petzen drei Volltreffer

"Oranje" in Petzen: Musiker reif für Viertelfinale der Mozart-WM

Petzen (bus). In seiner 15. Auflage ist die von der Petzer Kirchengemeinde veranstaltete Reihe "Klassik aus Holland - niederländische Künstler zu Gast in St. Cosmas und St. Damian" von etwas Weltmeisterlichem berührt gewesen. Das konnte zum einen daran festgemacht werden, dass Jan Jansen (Pianoforte) und das Alauda Quartet Amsterdam das Gotteshaus just in dem Moment betraten, in dem das holländische Fußball-Team in Stuttgart zur zweiten Halbzeit ihres WM-Spiels gegen die Elfenbeinküste antrat. Auf der anderen Seite waren die Künstler nicht minder erfolgreich als ihre kickenden Landsleute.

Musizieren auf hohem Niveau: Jan Jansen (Mitte) und das Alauda Q

Im Gegenteil: Ihr Gastspiel rief frenetischen Schlussapplaus hervor. "Der Sieg war glanzlos", notierte die Fachpresseüber den Auftritt von "Oranje" in der Baden-Württembergischen Metropole. Er verhalf dem Team von Bondscoach Marco van Basten unterdessen zum Einzug ins Achtelfinale. Im Unterschied zu den Ballsportlern, die nach dem Wiederanpfiff nichts Zählbares zustande brachten, landeten die Musiker in Petzendrei Volltreffer, die mindestens für das Viertelfinale einer Mozart-Weltmeisterschaft gereicht hätten. Die Interpreten hatten ausschließlich auf Vorlagen des Ausnahmekomponisten gesetzt und mit den Klavierkonzerten Köchelverzeichnis 414 und 415 sowie dem Streichquartett D-Dur KV 575 eine Wahl getroffen, die dem Einschwenken auf die Siegerstraße - das Vermeiden grober technischer Fouls vorausgesetzt - keine allzu üppigen Hindernisse in den Weg stellt. Mit "415" strebte Johann Wolfgang eine Tonsetzung an, die anspruchsvolle Kenner und weniger bedarfte Zuhörer gleichermaßen zufrieden stellen sollte. "415" bestichtim Gegensatz zum lyrischen Vorgängerkonzert speziell im Rondo durch mehr Heiterkeit. Der Frohsinn wird allerdings, wenn überraschend Adagio-Abschnitte einsetzen, die einen Affektwechsel von C-Dur ins trübe c-Moll mit sich bringen, gleich zweimal gestört. Dennoch sollten die Konzerte, wie Mozart im Dezember 1782 notierte, vorallen Dingen "angenehm in den Ohren" sein. Dieser Vorgaben offensichtlich eingedenk, hatte sich ein auf die Arrangements der im TV agierenden Kampfspieler pfeifendes Publikum in Petzen versammelt, mit dessen Personenzahl beinahe ein Dutzend Fußballequipen zu bestücken gewesen wären. Dass die Besucher ihr Kommen nicht einen Takt lang bereuten, lag insbesondere an der in Petzen seit mehr als fünf Jahren bekannten Könnerschaft der niederländischen Musiker. Neben Jansen brillierten im Alauda Quartett Helen Hulst (Viola), Carolien Rijkmans (Violine), Maarten Jansen (Violoncello) und Hans Rijkmans (Violine). Als das Quintett in der Nachspielzeit den Mittelsatz aus Mozarts Klavierkonzert F-Dur (KV 411) hinzugab, war erneut unter Beweis gestellt, dass "König Fußball" derzeit nicht allerorten regiert.

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