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8. Wintervarieté in der Orangerie

Old MacDonalds Viecherei unterm Sternenhimmel

Hannover. Räuspern, hüsteln, Ruhe im Salon. In der Oper ist das immer so, im Theater meistens, aber wenn eine GOP-Produktion fröhlich auf die Bühne weht, dann wird geklatscht, gelacht, gewohlfühlt von Reihe 1 bis ganz nach hinten. Wobei Reihe 1 immer in Hab-Acht-Stellung sitzt, weil sie fürchtet, gleich Teil der Show zu werden. War jetzt wieder so. Haben sich einen rausgepickt, die Akteure von „La fête“, haben ihn kurz mal in der Luft quergelegt und schweben lassen. Keine Ursache, Ehrensache.

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Jens Meyer

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Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Das alles trug sich übrigens keinesfalls im GOP an der Georgstraße zu, sondern in Herrenhausens altehrwürdiger Orangerie, wo sonst rundherum die Blumen blühen und Nektardüfte des gegenüberliegenden Berggartens von der sausenden Straßenbahn durcheinanderzwirbelt werden. Nunmehr schon das 8. Wintervarieté ließ bereits aufhorchen, da standen noch gar keine Darsteller auf der Bühne. Das Zirpen von Grillen wuselte durch die Lautsprecher. Ja, so klingt’s eben in einem kleinen provençalischen Dörfchen, in dem die Menschen dieser Nacht in ihrem furiosen Spiel voller Akrobatik und Humor ein Spektakel veranstalten, das fliegende Fahrräder, verrückte Raufereien und zurückhaltend-sinnliche Erotik in sich birgt. Und wenn, ja wenn „la fête“, die Feier, nicht gerade mit einer banal-launischen Robot-Nummer Detlef Winterbergs zu Tacos nervtötendem „Puttin’ on the Ritz“ begonnen hätte, dann wäre der Beifall von 500 Zuschauern am Premierenabend schon nach fünf Minuten tosend gewesen. Die großartige Stimmung musste sich also erst entwickeln, was sie dann auch tat. Das lag nicht nur an atemraubender Rollschuh-, Fahrrad- und Trampolinakrobatik, an Jonglage und Hula Hoop, sondern auch wieder am Regie führenden Winterberg. Sein urkomisches Schattenspiel nach der Melodie von „Old MacDonald had a farm“ bringt verrückte Hühner, schlabbernde Hunde und hungrige Krokos ins Rampenlicht, die der Erlebniszoo Hannover sicher gerne hätte. Alles Tierische nur und nur aus Händen geformt. Bei allen Verrenkungen und schweißtreibenden Anstrengungen: Winterbergs handgemachter Zoo wurde ein Höhepunkt des Abends.

Und so gab’s am Premierenabend und gibt es noch bis zum 12. Januar in der Orangerie in Hannover reichlich Applaus und stehende Ovationen für das 8. Wintervarieté, das die Orangerie in ein südfranzösisches Dorf verzaubert. Voilà!

Showtime für das Wintervarieté in der Orangerie Hannover-Herrenhausen ist im November donnerstags und freitags um 20 Uhr, samstags um 19 Uhr und sonntags um 17 Uhr; im Dezember und Januar dienstags bis freitags um 20 Uhr, samstags um 19 Uhr sowie sonn- und feiertags um 14 und 17 Uhr. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf im GOP ( 0511 / 30 18 67 10) und an der Abendkasse.

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