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Ökonom im Rat: Rinteln wirtschaftlich stärkste Stadt im Kreis

Ohne mehr Geburten und Zuzug 19 000 Einwohner im Jahr 2050

Rinteln (wm). Diplom-Ökonom Matthias Günther aus Hannover vom Pestel-Institut für Systemforschung hält eine Bebauung des Steinangers für durchaus sinnvoll, um Neubürger nach Rinteln zu holen. Mit einer Bestandspflege der Altbauwohnungen in der Kernstadt sei es nicht getan, um die Einwohnerstatistik für Rinteln aufzubessern.

Diese deutliche Aussage machte Günther vor dem Rintelner Rat, dem er in dessen letzter Sitzung vor der Sommerpause die demographische Entwicklung in der Stadt bis zum Jahr 2020 vorgestellt hat. Restriktive Baulandpolitik habe noch in keinem Land funktioniert, bei steigenden Standards seienältere Wohnungen nur noch schwer zu vermieten. Trotz vermehrter Leerstände bei Ein- und Zweifamilienhäusern werde neu gebaut: "Die Menschen wollen es einfach." Langfristig würden die Immobilienpreise im Umland fallen, vor allem vor dem Hintergrund steigener Kosten für Mobilität. Rinteln steht in der Bevölkerungsentwicklung wie bei den Arbeitsplätzen schlechter da als Stuttgart, aber besser als der Landkreis Schaumburg insgesamt. Rinteln sei die wirtschaftlich stärkste Stadt im Schaumburger Land - noch vor der Kreisstadt Stadthagen. Der Landkreis habe im Schnitt deutlich weniger Arbeitsplätze je 100 Erwerbstätige als Rinteln. Mit solch griffigen Sätzen präsentierte der Ökonom seine statitische Hochrechnung und verdeutlichte, welche Realität sich hinter den abstrakten Zahlen verbirgt. Auffallend sei, so Günther, dass es kaum Pendler in den Weserraum gebe, "der lebt aus sich selbst". Rund 55 Prozent aller Beschäftigten in Rinteln wohnten auch am Ort, was praktisch bedeute: "Die Abhängigkeit der Unternehmen von Arbeitskräften, die hier wohnen, ist sehr hoch." Als Pendlerregion sei Rinteln zu weit von den Zentren entfernt. Bei einer sinkenden Bevölkerungszahl bedeute das in der Konsequenz: Rinteln braucht mehr Zuzug, um langfristig die Arbeitsplätze auch zu füllen. Günther prognostizierte für die Stadt im Jahr 2020 rund 25 900 Einwohner, sollte sich weder die Geburtenrate deutlich erhöhen noch nennenwerter Zuzug stattfinden. Rechne man diese Kurve bis zum Jahr 2050 hoch, lebten in Rinteln dann nur noch 19 000 Einwohner. Auch der Altersdurchschnitt würde steigen, so Günther: "Drastisch formuliert könnte man sagen, dann bevölkern vorwiegend ältere Frauen mit Rollator die Innenstadt." So dramatisch, rückte der Diplom-Ökonom seine Prognosen am Ende zurecht, müsse es aber nicht kommen. Sicher sei nur, die Bevölkerungszahl sinke. Um sie auf dem derzeitigen Stand zu halten, bräuchte Rinteln 130 Zuwanderer im Schnitt pro Jahr - "das ist utopisch" und bedeute wiederum: "Es gibt keine Alternativezu mehr Kindern." Alles in allem seien die von ihm genannten Zahlen kein unabänderliches Schicksal. Die Kommunalpolitik könne durchaus auf die Entwicklung Einfluss nehmen, machte Günther dem Rintelner Rat Mut, beispielsweise durch die Schaffung positiver Rahmenbedingungen für junge Familien in der Stadt.

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