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Ausschuss folgt Verwaltung: Dorfladenumbau erst, wenn Interessent und Konzept vorhanden sind

"Ohne Angebot gibt es kein Kaufverhalten"

Rolfshagen (rnk). Falls sich ein Betreiber mit einem schlüssigen Konzept meldet, werden in der ehemaligen Schule das Büro des Ortsvorstehers und das der Kindergartenleiterin dem Dorfladen zugeschlagen und umgebaut. Das hat der Bau- und Umweltausschuss vorgestern dem Verwaltungsausschuss als Beschluss empfohlen, außerdem soll die Verwaltung sich um Fördergelder kümmern.

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Zwar müssten für den Umbau zu einem Dorfladen einige Wände herausgebrochen werden, informierte Friedhelm Liwack als Leiter des Bauamtes die Ausschussmitglieder, aber wirkliche Probleme sah er für den Fall der Fälle nicht: Durch Eigenleistungen könnten ein größerer Teil der Ausgaben abgedeckt werden, die realen Kosten bezifferte Liwack auf 21600 Euro. Probleme mit einer notwendigen Genehmigung sah Bürgermeister Thomas Priemer nicht: Zwar sei eine Baugenehmigung notwendig, aber aus gewerberechtlicher Sicht sehe er - im Vergleich mit anderen Fällen - keine Hindernisse. Ausschussvorsitzender An dreas Watermann (SPD) fasste als erster zusammen, was sich später als unstrittiger Konsens erwies: Ohne eine konkrete Absichtserklärung werde es keinen Umbau gegen. Jürgen Menke (WGA) forderte ein grundsätzliches Umdenken im Ort: Die Bürger müssten dem allgemeinem Trend zum Einkauf auf der grünen Wiese entgegenwirken und sagen: "In Rolfshagen, da kaufe ich ein." Die Realität sehe aber ganz anders aus, meinte Menke: Auf dem Wochenmarkt seien donnerstags nur noch zwei der einst sechs Stände dabei, von denen einer zudem überlege, ob es nicht besser sei, in Rolfshagen aufzuhören. Er sei, so Menke, nicht gegen den Umbau, "aber ich bin skeptisch." Erst wenn sich das Kaufverhalten ändere, könne der Dorfladen etabliert werden. Rolf Wittmann (Grüne) verwies auf die Grundvoraussetzung: "Ein gut durchdachtes Konzept muss es sein. Da steckt keiner drin." Am deutlichsten sprach sich Heinrich-Jürgen Ebeling (CDU) gegen planlose Umbauten aus: "Keine Reißerei, die nicht zukunftsträchtig ist." Ebeling ließ keinen Zweifel daran, dass die im Gemeindegebiet gesammelten Erfahrungen mit dem Umbau von Feuerwehrgerätehäusern nicht nach einer Fortsetzung schreien würden. Vom Mehl bis zur Mausefalle, vom Eis bis zur Schokolade: Ortsvorsteher Rüdiger Teich, der das Konzept für den Dorfladen entwickelt hat, nannte eine Gewinnmarge von 20 bis 25 Prozent und sprach von 12 000 Euro für die "Erstbestückung". Die Produkte kämen vor allem von Edeka und aus der Reihe "Gut und billig". Die von Teich genannte Gewinnmarge wurde mit größerer Skepsis aufgenommen, deutlich realistischer erschien den Mitgliedern des Ausschusses eine Gewinnspanne von zwei bis fünf Prozent. Die wiederum würde einen deutlich fünfstelligen Umsatz erfordern, schließlich kommt zu den Kosten auch die Miete hinzu. Teich verwies auf das Dorfladen-Projekt als Wunsch der Bevölkerung, der im Rahmen der Abfragen für das Dorferneuerungsprogramm formuliert worden sei, und plädierte für eine grundsätzlich positive Einstellung zum Dorfladen-Projekt: "Ohne Angebot gibt es kein Kaufverhalten." Einem kurzzeitig angedachten Abriss und Neubau des Gebäudes erteilte Priemer eine klare Absage: "Wir bauen keine Halle und vermieten sie an Interessenten - soweit gehen wir nicht." Das sei, so ließ Priemer durchblicken, viel zu unsicher. Priemer spann anschließend den Bogen vom Dorfladen zum Schulplatz, der zum Mittelpunkt der Ortschaft umgebaut werden kann. Das Schulgebäude stufte er als "alte Bausubstanz" ein, die "sowieso angegangen werden muss". Stehe ein Interessent vor der Tür, müsse die Gemeinde entscheiden, ob man im Rahmen der Wirtschaftsförderung in Vorleistung gehen werden. "Wir müssen das Beste daraus machen", meinte Priemer, der keinen Zweifel daran ließ, dass die Entscheidung in den politisch richtigen Händen liege: im Verwaltungsausschuss. Der habe das letzte Wort darüber, ob die Mittel freigesetzt werden. Der Beschluss: Sofern konkretes Interesse am Aufbau und Betrieb eines Dorfladens nachweislich besteht, wird der Umbau angeboten. Die Verwaltung wird außerdem beauftragt, auf geeignete Weise für die Einrichtung eines Dorfladens zu werben, außerdem soll sie sich um Fördermittel bemühen.

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