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Arbeitsloseninitiative Bad Münder (AIBM) betreut 50 Ein-Euro-Kräfte / Beschäftigung im Möbellager

„Ohne Anerkennung fühlt man sich nutzlos“

Bad Münder. „Nur von Hartz IV zu leben – das ist nichts“, findet Stephanie Seemann aus Bad Münder. Aus diesem Grund unterstützt die 33-Jährige als Ein-Euro-Kraft das Team der DRK-Kindertagesstätte am Laurentiusweg. „Ich möchte meinen Kindern ein Vorbild sein“, sagt die fünffache Mutter, die in der Küche der Kita aushilft.

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Autor:

Lilian Bertram

50 Ein-Euro-Kräfte betreut die Arbeitsloseninitiative Bad Münder (AIBM), eine Einrichtung des Diakonischen Werkes Hameln-Pyrmont. Diese sind etwa in Schulen, Seniorenheimen oder bei Vereinen beschäftigt. 15 Mitarbeiter hat das AIBM-Beschäftigungsprojekt „Möbellager/Grünpflege“ an der Rahlmühler Straße. Die Aufgaben von Ein-Euro-Jobbern müssen laut Gesetz im öffentlichen Interesse liegen. Den Frauen und Männern geht es vor allem um eins: gebraucht zu werden.

Harald K. (Name von der Redaktion geändert) hat vor dem Nichts gestanden und sich durch seine Beschäftigung im Möbellager zurück ins Leben gekämpft. Nach der Trennung von seiner Frau verlor er sein Unternehmen. „Ich war fast 20 Jahre lang selbstständig, habe bundesweit Montagearbeiten erledigt“, erzählt der 58-Jährige. „Dann hat sich mein größter Kunde abwerben lassen.“ Auf Arbeitslosengeld hatte der Münderaner keinen Anspruch. „Ich habe all die Jahre nichts in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, weil ich es nicht besser wusste“, sagt er. Die Folge: Hartz IV. „Man sitzt in der Wohnung und ist zum Nichtstun verdammt. Ohne Arbeit und Anerkennung fühlt man sich nutzlos.“

Das Angebot der AIBM, im Möbellager zu arbeiten, hat er gerne angenommen. „Ich habe immer noch diesen Betriebssinn, egal ob ich für einen oder zwölf Euro die Stunde arbeite. Man sieht nur den Auftrag“, so K. Sein Einsatz hat sich gelohnt: Seit Juli ist er Vorarbeiter – fest angestellt für ein Jahr. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt der 58-Jährige. „Man merkt wieder, dass man zu was nütze ist.“

Laut Sozialarbeiterin Ines Rasch betreut die AIBM 40 Prozent sogenannte Wiedergänger, die aufgrund ihrer Einschränkungen wie Alter, fehlender Qualifikation oder Krankheit im ersten Arbeitsmarkt nicht mehr Fuß fassen. „60 Prozent sind Berufsrückgänger wie Alleinerziehende, die wieder an das Arbeitsleben herangeführt werden.“ Bis zu einem Jahr dürfen die Beschäftigungen dauern. Parallel bietet die AIBM Beratung und Hilfestellung – unter anderem beim Schreiben von Bewerbungen.

Anita H. hat sich 24 Jahre lange um ihre Familie und den Haushalt gekümmert. „Vor vier Jahren habe ich mich arbeitslos gemeldet“, so die 50-Jährige, die eine Ausbildung zur Drogistin hat. Seit Juni zählen kleine Büroarbeiten und – aufgrund ihrer Arthrose – leichtere Arbeiten im Möbellager zu ihren Aufgaben. „Ich bin gerne hier, aber ich wünsche mir eine Halbtagsstelle in Richtung Büro.“

Auch wenn Daniel W. nicht mehr als Ein-Euro-Jobber im Projekt „Möbellager/Grünpflege“ beschäftigt ist, packt er trotzdem regelmäßig mit an – freiwillig. „Ich kümmere mich um die Grünanlagen im Außenbereich“, sagt der 33-Jährige. „Zuhause würde mir die Decke auf den Kopf fallen.“ Bevor der Münderaner arbeitslos geworden war, war er im Garten- und Landschaftsbau tätig. „Ich habe viele Bewerbungen geschrieben“, erzählt er. „Und ich schreibe weiterhin Bewerbungen und versuche, einen Job zu bekommen.“

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