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Obstbaumpaten werden zu Bienenverstehern

BAD MÜNDER. Ein für die Menschheit brisantes Thema rückte auf der Streuobstwiese der hiesigen Nabu-Ortsgruppe in bedrückende Nähe. Keine Schokolade, keine Erdbeeren und andere Früchte und auch keine Gummibärchen würde es mehr geben, wenn das Insektensterben auch vor Honig- und Wildbienen nicht haltmachen würde.

Facherzieherin Annika Wiechell zeigt den Kindern den richtigen Umgang mit den Bienen. Fotos: Honig

Autor

Gerhard Honig Reporter

So erklärte es Annika Wiechell ihren 14 „Studenten“ und Obstbaumpaten Jo, Max, Henry, Tade, Jakob, Sebastian, Fiete, Lina, Aaron, Marlene, Mieke, Isabella, Paul und Henrik – allesamt etwa zwischen fünf und elf. Ja, sogar keine T-Shirts oder Jeans gäbe es, „und wir wären hier alle Nackedeis, wenn wir plötzlich alles auszögen, was aus Baumwolle besteht“, denn auch deren Blüten würden von Bienen bestäubt.

Nun hatte die erfahrene Facherzieherin für Natur-, Wald- und Bienenpädagogik das drastische Szenario am Ende dieses ersten von vier Bienenseminaren ihrer Gruppe altersgerecht serviert, dabei auch Leckereien wie Erd- und Himbeeren sowie Apfelspalten mit Honig gereicht, und die Kleinen waren sichtlich beeindruckt. Eingangs hatten die Kinder anhand von Imkerwerkzeugen gelernt, was eine Beute, also ein Bienenkorb, ist und wozu ein Handbesen, ein Stockmeißel oder der Smoker dienen. Auch der Schutzanzug wurde erklärt. Ganz wichtig waren aber die Tipps, wie die Kinder zu „Bienenverstehern“ am Bienenkorb werden: Sie dürfen nicht mit den Armen fuchteln, nicht schreien oder laute Musik machen und sich nicht in die Flugbahn der Bienen stellen. Klopfen, rütteln und trampeln sind ebenso verboten wie starke Gerüche.

Eine Reihe weiterer Verhaltensweisen wurde abgefragt, bevor alle mit kleinen Imkeranzügen, Handschuhen und Hüten mit Netz ausgerüstet wurden. Danach ging’s im Gänsemarsch durchs hohe Gras an den jungen Obstbäumen der Paten vorbei bis zum Bienenkasten. Diesen habe Imkerkollege Ingo Lau aus Brullsen für heute zur Verfügung gestellt, verriet Annika ihren Praktikanten: „Er hat sogar versprochen, dass es ein ganz gutmütiges Volk ist“, sagte sie, und versuchte so, den Kindern die Angst vor Stichen zu nehmen.

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Mit Erfolg, denn die Kinder drängten sich immer dichter heran, mussten auch hin und wieder zu Ruhe und Besonnenheit ermahnt werden. Der mutige Tade durfte den qualmenden Smoker zur Besänftigung der brummenden Insekten bedienen, sodass es während der ganzen Aktion zu keinerlei Bienenstichen kam.

Die Pädagogin – außer einem kleinen Kopftuch ohne jede Schutzkleidung – war selbst das lebendige Beispiel richtigen Verhaltens am Bienenstock: Alle Rähmchen mit Waben und sogar einer sichtbaren Königin mit blauem Markierungspunkt konnte sie entnehmen und kommentieren. Sie setzte mit bloßen Händen eine Drohne auf eine Kinderhand, denn „Drohnen können nicht stechen“.

„Eine Menge Eindrücke des Imkerns vom Feinsten“, fanden auch Jens und Petra Becker. „Was die Kinder heute gelernt haben, werden sie nie wieder vergessen.“

Die Seminarreihe für die Baumpaten werde Ende Mai fortgesetzt, hieß es vom Nabu Bad Münder.

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