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Notfall-Ambulanz im Springer Krankenhaus hat Start-Schwierigkeiten

Nur zwölf Patienten pro Tag

Springe. Die Notfall-Ambulanz im früheren Springer Krankenhaus läuft mehr als schleppend an. Pro Tag kommen lediglich zehn bis zwölf Patienten – und nur ein Teil davon kann direkt vor Ort behandelt werden. Als im Hintergrund noch die Klinik existierte, gab es in der Notaufnahme durchschnittlich 35 bis 40 Fälle pro Tag.

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VON MARITA SCHEFFLER

Ein Arzt und zwei Krankenschwestern sind in der Ambulanz rund um die Uhr anwesend. Dazu kommen eine Röntgenassistentin, die bei Bedarf vom Robert-Koch-Krankenhaus in Gehrden angefordert werden kann, sowie ein Oberarzt. Der personelle Aufwand ist also hoch.

Das Springer Krankenhaus war vor zwei Wochen gegen heftigen Protest aus der Bevölkerung geschlossen worden. Zurück bleibt eine separate Notfall-Klinik, ein bundesweit einmaliges Modell. Das Projekt wird deshalb überregional beobachtet. Organisatorisch ist die Notfall-Medizin ans Robert-Koch-Klinikum in Gehrden angebunden.

Auf Drängen dieser Zeitung hat der Chefarzt der Inneren Medizin in Gehrden, Jochen Wedemeyer, jetzt eine erste Statistik für die Springer Ambulanz vorgelegt. Das Ergebnis – lediglich zehn bis zwölf Patienten in 24 Stunden – überrasche ihn, lässt Wedemeyer durchblicken: „Ich wäre froh, wenn es mehr wären.“ Vor allem, wenn man die Zahlen mit denen einer üblichen Hausarzt-Praxis vergleiche, stelle man fest: „Das ist wenig.“

Wedemeyer ist auch Vorsitzender des Springer Ärztevereins und damit Sprecher von zahlreichen Medizinern rund um den Deister. In dieser Funktion wolle er seine niedergelassenen Kollegen für November zu einer Info-Veranstaltung einladen. Themen sollen dann die neue Ambulanz, aber auch die Angebote am Robert-Koch-Klinikum sein. „Jeder soll wissen, wohin er seine Patienten schicken kann“, so Wedemeyer.

Die Mehrheit der Patienten, die die neue Notfall-Ambulanz bislang genutzt hat, kam mit internistischen Beschwerden. Wedemeyer nennt Fieber oder Husten als Beispiel. Einige Kranke seien zur Beobachtung vor Ort geblieben und am nächsten Tag entlassen worden, andere wurden nach Gehrden weitergeleitet.

Bei ernsthaften neurologischen Problemen wie Lähmungserscheinungen oder einem Schlaganfall verweist Springe ans Agnes-Karll-Klinikum in Laatzen. Kleine Schnittwunden können vor Ort behandelt werden, sei die Verletzung größer, gehe es an eine anderen Standort im Regionsverbund weiter. „Wir versuchen, so viel abzudecken wie es geht“, entgegnet Wedemeyer auf Kritik aus der Bevölkerung, dass die Springer Station nur mit einem Internisten besetzt sei und deshalb zum Beispiel für Sportunfälle gar nicht infrage komme.

An der Schlagkraft der Notfall-Versorgung hat Wedemeyer keinen Zweifel: „Wir sind in Springe gut aufgestellt und können die Patienten gut versorgen.“ Dass etliche Kranke zur Behandlung an andere Häuser weitergeleitet werden müssen, sei dabei kein Makel: „Schlimm wäre nur, wenn nicht weitergeholfen wird.“

Von Rettungswagen wird die Ambulanz nach Informationen dieser Zeitung übrigens nur noch in Ausnahmefällen angefahren – bei kleineren Beschwerden.

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