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Alle reden vom Wetter - auch die Bauern: Plusgrade lassen die Wintersaaten wachsen / Einkommen gestiegen

Nur vor dem plötzlichen Winter haben die Landwirte Angst

Obernkirchen (rnk). Alle reden vom Wette - auch die Landwirte. Denn die winterliche Vegetationsruhe mag sich bei anhaltend milden Temperaturen auf den niedersächsischen Äckern nach wie vor nicht einstellen. Plusgrade lassen die Wintersaaten auf den Feldern weiterhin wachsen, wenn auch auf "Sparflamme". Sorgen macht den Bauern in diesen Tagen aber vor allem ein plötzlicher und längerer Wintereinbruch mit viel Schnee.

Kein Feld, auf dem der Landwirt seine Pflänzchen vor einem plötz

Auf den Feldern haben sich die Bestände teilweise schon so üppig entwickelt, dass die Bauern nun Sorge vor einem plötzlichen Wintereinbruch haben. Wenn die Pflänzchen nicht genügend Zeit zur Anpassung an niedrige Temperaturen haben, drohen Frostschäden wegen der zurzeit fehlenden Winterhärte. "Eine Schneedecke, die längere Zeit über den Pflanzen liegt", meint Friedrich Wilharm als Geschäftsführer des Kreisvolkverbandes Schaumburg, "nimmt den Pflanzen den Sauerstoff." Sie würden auswintern, also quasi ersticken. Wilharm verweist auf das letzte Jahr, als Ende Februar, Anfang März der Winter kam - und lange blieb. "Die Pflanzen sind noch nicht auf Winter umgestellt", sagt Dirk Rodenbeck, Landwirt aus Gelldorf. Gegen einen warmen, langen Sommer, so meint Wilharm, hätten die Landwirte wohl keine Einwände: "Vor allem Mais braucht viel Sonne und Wärme." Bis zur Maisaussaat ist allerdings noch viel Zeit: Er wird erst Ende April, Anfang Mai gedrillt, also ausgesät. Das Wetter hat auch Vorteile: Wintergerstenbestände, die im November gelb wurden, nachdem der Stickstoffvorrat im Boden verbraucht war, werden nach der neuerlichen Stickstoffmobilisierung dank milder Witterung bereits wieder grün. Den Saaten schadet dies überhaupt nicht, so Wilharm, "für sie ist gegenwärtig alles im grünen Bereich". Aber nicht nur Raps und Wintergetreide wachsen weiter, sondern auch die Unkräuter und Ungräser. Deren Bekämpfung im Frühjahr wird mit zunehmender Entwicklung schwieriger. Im Auge behalten müssen die Bauern ihre Saaten im Frühjahr auch wegen eines zu erwartenden höheren Befalls durch Schadpilze, die bereits in den Beständen vorhanden sind und bisher nicht durch Frost vernichtet wurden. Sorgen vor einem überhöhten Schädlingsbefall sind nach Ansicht von Experten derzeit zwar unbegründet, weil bei mildem Wetter auch die Nützlinge als deren Widersacher überleben. Gefahr droht aber durch Blattläuse, die den Winter bisher gut überstanden haben, als Überträger von Viruskrankheiten. Auch darauf sollten die Bauern im Frühjahr achten. Der Gelldorfer Landwirt Dirk Rodenbeck drückt es so aus: "Bis sich die Natur bei der Bekämpfung der Schädlinge im Gleichgewicht befindet, das dauert seine Zeit." Die Schädlinge würden sich ohne Frost besser und schneller vermehren als ihre natürlichen Widersacher. Von Frost ist weit und breit nichts zu sehen, dafür gibt es Anfang Februar völlig andere und durchaus ungewöhnliche Anblicke. Zwei, drei Zentimeter lange Holunderblätter hat Landwirt Heinrich Struckmeier aus Röhrkasten an einem seiner Felder gesehen. Dass die Bäume jetzt ausschlagen würden, das sei in der Tat recht ungewöhnlich. Auf den Feldern stehe alles zum Besten, "wir haben nur Sorgen vor einem plötzlichen Wintereinbruch". Es war 2006 ein Wintereinbruch, wie in die Landwirte im letzten Jahr erlebt haben, der aber dennoch keine gravierenden Schäden beim Einkommen hinterließen. Denn die niedersächsischen Bauern haben 2006 besser als der Bundesdurchschnitt abgeschnitten. Sie konnten ihr Betriebsergebnis sogar um 7,6 Prozent auf 39 031 Euro steigern, nachdem sie 2003/04 lediglich 28 059 Euro erwirtschaftet hatten. Zum Vergleich: Ein höherer Gewinn als in Niedersachsen wurde nur in Schleswig-Holstein mit 41 040 Euro erzielt, Baden-Württemberg lag mit 25 130 Euro am Tabellenende. Allerdings sei auch dies Einkommen, so teilte das Niedersächsische Landvolk mit, "auf einem äußerst niedrigen und keinesfalls ausreichenden Niveau". Dass sich die Landwirte im letzten Jahrüber mehr Geld in der Kasse freuen konnte, das liege an den gestiegenen Preisen, erklärt Landwirt Struckmeier: Ein verknapptes Angebot habe sie deutlich steigen lasen. Überhaupt müsse der Landwirt schon lange global und nicht mehr regional denken, sagt Struckmeier: Wenn in Australien eine Dürreperiode herrsche, dann bemerke dies auch hier der Verbraucher. Denn auf dem Getreidemarkt gehe es heute zu wie auf dem Markt für Öl und Gas: "Alles in der Hände von Spekulanten." Und das beeinflusse die Preise.

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