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Schmedings "Nora oder Ein Puppenheim" kommt im Rathaussaal ansonsten gut an

Nur mit der Akustik hapert es heftig

Bückeburg (dis). Wenn Dirk Schmeding Ibsen für den Kulturverein inszeniert, denkt man, kann eigentlich nichts schief gehen. Die Atmosphäre, die subtile P sychologie, die vielfach gebrochenen Charaktere, die sprachlosen Schwingungen zwischen den Personen - darin sind der Regisseur und dessen freies Schauspielensemble "Fremdsehen" gewiss Meister.

Nun führt aber kein Weg an dem Befund vorbei, dass "Nora oder Ein Puppenheim" unter Schmedings Obhut im Rathaussaal in Sachen Hörqualität doch nicht glatt gelaufen ist. Das heißt: Wenn das Auditorium gleich mit zwei Lautsprechern links und rechts neben der Bühne konfrontiert wird, muss die Sprache besonders an lauten Stellen in den Ohren dröhnen und dadurch häufig in Unverständlichkeit ausarten. Auf diese Weise vermisste man die Schwebe zwischen der Realität und dem Unheimlichen, zwischen Vernunft und Wahn bei Ibsens von ihren eigenen Neurosen gequälten Gestalten genauso häufig wie das subtile Kammerspiel. Keiner der Besucher, der in Noras aus einem großen Weihnachtsbaum und vielen Päckchen bestehendem "Puppenheim" einkehrte, brachte etwas Gutes. Jeder trug dazu bei, die aus einer Reihe von Illusionen und Selbsttäuschung bestehende Ruhe zu stören. Nora, die sich in ihrer Situation erst durchaus fröhlich eingerichtet hatte, verließ zum Schluss von einem turbulenten Augenblick zum anderen Mann, drei Kinder und Bekannte, um zu sich selbst zu finden. Moralist Ibsen verfolgte in dem Stück beharrlich seine Idee, dass sogenannte Notlügen unnachsichtig entlarvt werden müssen - selbst um den Preis der Zerstörung eines ohnehin ja nur auf egoistischer Faktenblindheit beruhenden Familienglücks. Regisseur Schmeding sah die Sache menschlicher. Anders gesagt: Er hängte Probleme um Leben, in diesem Fall ausführlichem Lieben und Streiten etwas tiefer auf; in Augenhöhe, zumindest für das jüngere Publikum erreichbarer. Was die nicht immer von knisternder psychischer Spannung erfüllte Einstudierung kennzeichnete, war die Selbstverständlichkeit, mit der agiert wurde. Dazu zählte, dass jede Figur ihr subjektives Recht erhielt: der an den Rollstuhl gefesselte Dr. Rank (Philipp Hahn) so gut wie der "abgestürzte" Anwalt Krogstad (Sascha Bergheer). Ganz und gar nicht verklemmt verkörperte Johanna Meyer Noras Freundin Christine Linde (eine der heikelsten Moralapostellinnen in Ibsens Fundus).Von Beginn an ziemlich emanzipiert spürte Katja Tobies der Titelrolle nach und Fremdsehen-Neuzugang Timo Karasch als Torwald stattete den Part ihres Gatten mit den nötigen Impulsen aus. Bedauerlich nur, dass akustisch trotz oder gerade wegen der Verstärkeranlage mitunter wenig im Parkett ankam und somit wichtige Stellen unter den Tisch fielen. Der anhaltende Schlussbeifall galt dem ganzen Team.

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