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Autofahrer lassen sich von Parkleitsystem kaum beeinflussen / Nostalgie hoch im Kurs

Nur auf der Messe: "Mir reichts! Ich ruf Oma!"

Rinteln (wm). 1783 ließen Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfier ihren ersten mit Menschen, einem Offizier und einem Physiker, besetzten Heißluftballon in Paris aufsteigen. 25 Minuten soll der Flug gedauert haben. So lange bleiben die Fahrgäste der Montgolfiere, des neuen Fahrgeschäfts auf der Rintelner Messe, nicht am Himmel, gerade mal fünf Minuten dauert eine Fahrt. Und nicht heiße Luft, sondern Hydraulik überwindet die Schwerkraft für den Aufstieg der Körbe auf 8,50 Metern Höhe.

Messespaß in der Sonne: Rintelner genießen den Frühling. Foto: t

Hier stiegen dann auch am Wochenende all die ein, denen dieüblichen Fahrgeschäfte zu hektisch und zu laut sind, also Senioren und Mütter mit kleinen Kindern. Es ist eine Entdeckung der Langsamkeit, wenn sich die acht Gondeln mit Platz für 32 Erwachsene oder Kinder gemächlich drehen und einen Blick auf die Dächer in Ritterstraße und Kirchplatz bieten. Achim und Martina Zarnikau können dann auch jeden Fahrgast beruhigen: "Bei uns ist noch niemandem schlecht geworden." Damit hat sich die Rintelner Messe sicher einen Spitzenplatz bei den Nostalgieangeboten erobert, denn auf dem Marktplatz drehen sich noch das Riesenrad wie Kettenkarussell. Und neben der Kirche dürfen sich Kinder auf der Ponybahn in den Westernsattel schwingen (das Sattelhorn ist gut zum Festhalten). Die Ponys übrigens, verriet Marktmeister Jürgen Pleitner, mögen Rinteln vermutlich besonders gern. Nach "Dienstschluss" dürfen sie auf eine grüne Wiese am Exter Weg zum Grasen. Auch langjährige Messegänger entdecken bei einem Rundgang durch die Budenstraßen immer wieder etwas Neues: Hier findet sich auch die umstrittene Losung "Klagt nicht, kämpft" auf Schlüsselanhängern wie Feuerzeugen bei einem Händler von Militaria-Artikeln. Doch der Händler will sich auf keinen Fall in die "rechte Ecke" gestellt sehen, denn er rüste mit Hosen und Parkas "auch die Gegenseite aus". Der Spruch "klagt nicht, kämpft", sei übrigens "steinalt" und nur missbraucht worden. Ein paar Stände weiter gibt es Elvis als Wackelfigur für die Hutablage wie den Totenkopf - am Rückspiegel aufzuhängen. Karibikpalmen, auch draußen aufzustellen (die minus fünf Grad noch vertragen sollen), kosten 45 Euro und eine Tüte voll Wurst gerade mal einen Zehner. Oder wie wäre es mit einem T-Shirt für den hoffnungsvollen Nachwuchs mit dem schönen Aufdruck: "Mir reichts! Ich ruf Oma!"? Wer ein Schiffstau sucht, um seinen Motorkreuzer im Jachthafen am Doktorsee zu vertäuen, wird ebenso auf der Messe fündig, wie Sammlernaturen auf der Suche nach Sandrosen, Quarzkristallen und Opalen. Zu beobachten war auch, dass sich Autofahrer von teuren elektronischen Parkleitsystemen nicht beeinflussen lassen: Obwohl die Anzeige am Rathausparkplatz null freie Parkplätze anzeigte, kurvten unbeirrt Autos auf der Suche nach einer vielleicht doch vorhandenen Lücke zwischen Rathaus und Museum herum, während hundert Meter weiter zu lesen stand: 109 freie Parkplätze im Parkhaus der Volksbank. Heute gibt es auf der Messe wieder Familienstunden - jede Fahrt kostet nur einen Euro. Dazu kommen weitere Angebote der Schausteller.

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