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Suche nachältestem Anwesen im Ort: Der Kotten der Wehrhahns in der Friedrichshöher Straße 12

Nummer 12 war vor 220 Jahren noch Nummer 2

Friedrichshöhe (who). Bei der Spurensuche nach demältesten Anwesen in Friedrichshöhe stößt man bald auf die Friedrichshöher Straße Nummer 12: Mit etwa 220 Jahren dürfte es eines der ältesten Häuser im Ort sein.

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Der Kotten an der Ecke Alte Kasseler Straße ist ehemals eine "Kuhbauernstelle mit drei Morgen Land" gewesen, erzählt Klaus Wißmann. Der frühere Krankenhäger Ortsbürgermeister ist 1946 "noch als echte Hausgeburt" in diesem Haus zur Welt gekommen. Was eine Kuhbauernstelle war, dürfte den jüngeren Landbewohnern nur noch aus Erzählungen bekannt sein: Das waren kleine Nebenerwerbslandwirtschaften, die nicht über eigene Pferdegespanne verfügten, sondern allenfalls über die eigene Kuh als Zugtier. Die Kottenbewohner nahmen daher die Spanndienste der Bauern in Anspruch und leisteten im Gegenzug Arbeit auf deren Höfen. Wißmanns Geburtshaus, in dem seine Eltern mit ihren drei Kindern und dem Großvater lebten, sei noch nicht einmal als Kuhbauernstelle zu bezeichnen gewesen, schmunzelt er: "Unsere größten Tiere waren damals allenfalls Ziegen." Die Ziegen sorgten für Milch, Butter und gelegentlich auch für den Sonntagsbraten. Und wenn die Ziegen Junge bekommen sollten, dann mussten sie zur Deckstation geführt werden, die in diesem Falle einen Fußmarsch entfernt in der Limbke in Uchtdorf lag. Ungefähr 220 Jahre dürfte das Haus selber alt sein, schätzt Wißmann. Auch dürfte es aus der Gründungszeit der sogenannten "Friedrichsdörfer" stammen. Trotz der Hausnummer 12 wurde das Haus "wahrscheinlich an zweiter Stelle im Dorf gebaut", schätzt er. Wißmanns Großvater Heinrich Wehrhahn hatte es in den dreißiger Jahren gekauft und 1956 an seine Tochter Lina vererbt, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrer Familie darin lebte. "Mein Vater hat damals im ehemaligen Stall- und Backhaus-Anbau als selbstständiger Klempner seine Werkstatt gehabt", so Wißmann. Das war damals, als das Dorf weder eine zentrale Wasserleitung noch einen öffentlichen Kanalisationsanschluss hatte, sondern einen Gemeindebrunnen. Und als es in den meisten Häusern nur den Herd in der Küche oder den Ofen in der Wohnstube als einzige Wärmequellen gab. Wißmann erinnert sich dabei an eiskalte Schlafkammern im Winter mit dick überfrorenen Fenstern und die Wärmflaschen oder vorgeheizten Ziegelsteine im Bett. Dennoch habe das einfache Leben im Kotten Qualitäten gehabt, die man heute vermisse, so Wißmann: "Man rückte enger zusammen." So wie noch um 1950, als in der Nachbarschaft einer der ersten Fernseher im Dorf angeschafft wurde. "Abends kamen die Nachbarn im Wohnzimmer zusammen. Weil die Sitzgelegenheiten nicht ausreichten, brachte sich jeder einen Stuhl von Zuhause mit", schmunzelt Wißmann. Die Geschichte seines Elternhauses, das von der Mutter 1977 verkauft wurde, beobachtet er seitdem selber aus der Perspektive eines Nachbarn: Direkt nebenan hat er ein Haus gebaut. Der ehemalige Kotten wartet indessen nach dem Auszug der letzten Besitzerfamilie vor fast drei Jahren darauf, aus seinem augenblicklichen Dornröschenschlaf erweckt zu werden. Vielleicht wird seine Geschichte ja doch noch um neue Kapitel erweitert.

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