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Sexuelle Ausschweifungen und Alkoholexzesse bei den Heeresfliegern Gegenstand des Berichts 2005

Noch keine Bewertung des Wehrbeauftragten

Bückeburg (rc). Die sexuellen Ausschweifungen und exzessiven Feiern unter Alkoholeinfluss an der Heeresfliegerwaffenschule sind dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages Reinhold Robbe im Jahresbericht 2005 eine eigene Erwähnung wert. Die Vorgänge seien auf ein breites Medienecho gestoßen. Mehrere Vertrauensleute und Personalratsmitglieder der Schule hätten sich in einer Eingabe an ihn gewandt und über die Vorkommnisse berichtet. Aufgrund seines Prüfungsersuchens seien umfangreiche Ermittlungen aufgenommen und erste personelle Maßnahmen ergriffen worden (wir berichteten).

Die eingeleiteten Straf- und Disziplinarverfahren seien allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen, so dass eine Bewertung aus seiner Sicht noch nicht abgegeben werden könne. Ganz reibungslos scheint dem Wehrbeauftragten das Aufklärungsverfahren seitens der zuständigen Stellen der Bundeswehr nicht gelaufen zu sein, stellt Reinhard Robbe doch fest: "Allerdings gibt der Vorgang Anlass, daran zu erinnern, dass der Wehrbeauftragte im Falle der Überprüfung einer Eingabe regelmäßig und zeitnah über den Verlauf der Ermittlungen zu unterrichten ist." Noch an mehrere Stellen werden die Heeresflieger im Jahresbericht 2005 erwähnt. So bemängelt Reinhard Robe die Einsatzplanung und Einsatzbelastung bei Auslandseinsätzen, wo es mehrfach zu "nicht hinnehmbaren Verfahren" gekommen sei. Den Betroffenen von Auslandseinsätzen müsse durch rechtzeitige Unterrichtung die Möglichkeit gewährt werden, sich und ihre Familien auf die mehrmonatige Abwesenheit einstellen und vorbereiten zu können. Dass das nicht immer so ist, dafür führt Robbe - als ein typisches Beispiel - einen Stabsunteroffizier der Heeresfliegertruppe an, dem erst einen Tag vor dem geplanten Abflug zum Auslandseinsatz telefonisch mitgeteilt wurde, dass er "ausgeplant" sei und in seinen Standort zurückkehren solle. Auch die hohe Einsatzbelastung mache den Heeresfliegern zu schaffen, stellt Robbe fest. Um den Flugbetrieb mit Hubschraubern des Typs Bell UH 1 D sicherzustellen, sei für das luftfahrttechnische Prüfpersonal eine Rufbereitschaft verfügt worden, um kurzfristigen Einsatzbedarf jederzeit decken zu können. Der Wehrbeauftragte: "Für die betroffenen Soldaten ist dieser Mangel auf Dauer nicht hinnehmbar." Zu den Auslandseinsätzen merkt Robbe auch für die Heeresflieger an, dass viele Soldaten inzwischen ihren vierten oder fünften Einsatz absolviert hätten, ohne dass in allen Fällen ein angemessener Abstand zwischen den Einsätzen eingehalten werden konnte. Gleichzeitig fehlten die Soldaten als Ausbilder oder Funktionspersonal in ihren Stammeinheiten. "Darüber, wie diese Diskrepanz aufgelöst werden kann, muss alsbald entschieden werden." Zur körperlichen und psychischen Erholung und im Hinblick auf das Familienleben der Soldaten erscheine ihm eine Regenerationsphase von eineinhalb bis zwei Jahren zwischen zwei Einsätzen als angemessen.

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