weather-image
Bryan Ferry begeistert 2000 Fans in der Swiss Life Hall

Noch immer cool, perfekt und dandy

Morgen wird er 70, einer der letzten Dandys des Pop, dessen Songs und Stimme auch heute noch für ein Gefühlschaos unter den weiblichen Fans sorgen. Dass man Bryan Ferry früher als „eleganten Saboteur des Rock-Rebellen-Image“ bezeichnete, hatte seinen Grund: Kaum wie ein anderer Musiker verkörperte er den Drang nach nobler Lebensart.

270_008_7774581_ferry_alle.jpg

Nachdem Ferry seine laufende Europa-Tournee im November 2014 krankheitsbedingt verschieben musste, stand er vorgestern frisch gebügelt auf der Bühne und ließ einen Teil seiner 40-jährigen musikalischen Karriere Revue passieren. Sein Auftritt, wie schon in früheren Tagen, perfekt inszeniert und durchgestylt – vom Scheitel bis zur Sohle.

„Der hätte auch mit Roxy Music auflaufen können“, waren sich viele Fans bereits nach 90 Minuten einig. Hätte er, ist er aber nicht, denn da sind ja auch noch seine Songperlen aus Soloalben wie „Frantic“, „Dylanesque“, „Olympia“ oder dem aktuellen Werk „Avonmore“. Dass unter anderem mit „Ladythron“, „More Than This“, „Out Of The Blue“, „Avalon“ oder „Love Is The Drug“ rund 50 Prozent Roxy-Music-Songs auf der Setlist standen, zeigt, dass für den Briten das Thema „Roxy Music“ noch lange nicht zu Ende ist.

Sieben Musiker sowie drei weibliche Background-Vocals, unterstützten Ferry bei der Umsetzung seiner Song-Gourmetstücke – allen voran die Australierin Jorja Chalmers, die auf dem Saxofon und am Keyboard brillierte. Auch Lucy Wilkins veredelte mit ihrer Violine viele der Ferry-Songs, erntete dafür Zwischenapplaus des Publikums.

270_008_7774582_ferry_eyecatcher.jpg

Bryan Ferry ließ es mehr oder weniger ruhig während seiner gesamten Show angehen. Dem Publikum präsentierte sich der Sänger eher elegant zurückhaltend – seine früher so hochgelobte „vitale, aufregende, explosive Mischung aus Rock ’n’ Roll und Rhythm & Soul“ konnte er nicht so richtig zu den Fans rüberbringen. Aber es gab die ruhigen Momente, bei denen fast atemlose Stille herrschte: wie zum Beispiel bei den Dylan-Songs „Bob Dylan’s Dream“ und „Don’t Think Twice, It’s Allright“. Bei letzterem ließ sich Ferry nur auf dem Keyboard begleiten – er spielte dazu Mundharmonika.

Mit dem Lennon-Cover „Jealous Guy“ und dem Roxy-Music-Klassiker „Editions Of You“ ging es in die Nachspielzeit – danach folgte der Abpfiff eines bejubelten Konzerts.

Auch mit 69 Jahren noch cool und dandy – Bryan Ferry bei „Slave To Love“. Texte und Konzertfotos: Lars Andersen

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare