weather-image
Interview mit neuem SPD-Chef Andreas Riehl

Nicht in dem Licht wie die Gesamtpartei

Stadthagen (ssr). Direkt nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Stadthäger SPD Orts vereins hat sich Andreas Riehl ersten Fragen gestellt.

Herr Riehl, Sie sind in Stadthagenöffentlich noch nicht so bekannt. Bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor. Ich bin 26 Jahre alt, im hessischen Frankenberg geboren. Seit fünf Jahren lebe ich in Stadthagen, bin hier verheiratet mit Weiwei Lin-Riehl, der Inhaberin des Geschäftes für Abend- und Brautmoden, das gerade in die Niedernstraße umgezogen ist. Ich habe Germanistik und Geschichte studiert und beginne gerade mit meiner Doktorarbeit. Warum sind Sie in der SPD? AusÜberzeugung. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit sind. In Hessen habe ich das dreigliedrige Schulsystem auf brutalste Weise kennengelernt. Nur weil ich im Rechnen eine Schwäche hatte, wurde ich nach der vierten Klasse in die Hauptschule einsortiert. Dadurch hatte ich - auf dem Weg über die Berufsschule - ungeheuer zu kämpfen, um bis zum Abitur zu kommen. Man steckte in einer Schublade. Oft schlugen mir Sprüche entgegen wie: ,Was, Du kommst von der Hauptschule? Dann wird das ja doch nichts'. Die SPD steht für ein gerechteres Bildungssystem Welches sind Ihre ersten Ziele als neuer SPD Ortsvereinschef? Zu allererst: Ich wohne noch nicht so lange in Stadthagen, deshalb muss ich erstmal möglichst viele Mitglieder kennenlernen. Das wird aber schnell und gut gehen. Und dann? Ich wünsche mir, dass die Stadthäger SPD nicht in dem Licht gesehen wird, wie derzeit die Gesamtpartei auf Landes- und Bundesebene wahrgenommen wird. Wir wollen intern sachlich diskutieren, auch Meinungsverschiedenheiten austragen, dann aber nach außen Geschlossenheit zeigen. Beim Zusammenführen eventuell unterschiedlicher Ansätze möchte ich eine zentrale Rolle spielen. Die Stadthäger SPD soll weiterhin und noch stärker mit eigenem Gesicht erkennbar sein als eine Partei, welche die konkreten Anliegen der Bürger hier vor Ort sehr ernst nimmt. Dabei wollen wir uns auch Kritik stellen: Wir werden am Parteibüro in der Echternstraße einen Kritik- und Kummerkasten anbringen. Da kann jeder Zettel einwerfen, wenn er der Meinung ist, dass die Stadthäger SPD was unterlässt oder was falsch macht. Wie viele andere Ortsvereine verzeichnet auch die Stadthäger SPD eine starke Überalterung. Was wollen Sie dagegen tun? Wir müssen die Arbeit der Jungsozialisten stützen, sie als wichtigen Teil im Ortsverein Stadthagen sehen. Aber in genau demselben Maße müssen wir uns um die älteren Mitglieder kümmern. Darin sehe ich schon einen gewissen Spagat, den wir aber hinkriegen können.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare