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Worauf sich der 14 Jahre alte Schüler aus Hameln im bevölkerungsreichsten Land der Erde freut

„Ni hao“ China – Jasper Rasokat kommt

Hameln. Wenn alle 1,3 Milliarden Chinesen zeitgleich von einem Stuhl hopsen, gibt es dann ein Erdbeben? Dieser Frage kann Jasper Rasokat aus Hameln ab dem 14. Juli vor Ort nachgehen. Denn der 14-Jährige fliegt an diesem Tag nach Peking, der im nördlichen Teil Chinas gelegenen Hauptstadt der Volksrepublik – dem bevölkerungsreichsten Land der Erde.

Sprachführer, Schulshirt und i-pod: Die wichtigsten Utensilien h

Von Inken Philippi

Er beginnt dort ein Auslandsjahr und sollte natürlich wissen, dass Erdbeben auf diese Weise nicht ausgelöst werden können. Falls nicht, wird ihm sein Vater sicher weiterhelfen können. Vormals Lehrer am Adolfinum in Bückeburg, ist er für zwei Jahre an die deutsche Botschaftsschule nach Peking berufen worden und hat seinen Sohn eingeladen, ein Jahr mit ihm dort zu verbringen.

Jasper will diese Chance nutzen und ist gespannt: „Am meisten Respekt habe ich vor der Sprache, dass ich vielleicht einfach nicht verstehe, was die Leute von mir wollen.“ Sich nicht selbst helfen zu können, das wäre für den jungen Hamelner eine ungewohnte Situation. Trotzdem schüchtert ihn das fremde Land mit der jahrtausendalten Kultur und der exotischen Sprache nicht ein. Er hat begonnen, Chinesisch zu lernen. Allerdings gestaltet sich das nicht so einfach.

In Peking wird Mandarin gesprochen, Hochchinesisch also. Die eigentlichen Schwierigkeiten, die die Sprache ausmachen, bestehen in den vier Tönen, die den Vokalen aufgesetzt werden und dem Lernen der chinesischen Schriftzeichen für bestimmte Silben. Zu einem soliden Basiswortschatz gehören ungefähr 3000 Zeichen.

Der Schüler hat schon mal angefangen, sich damit zu befassen, auch wenn das Projekt Sprache zunächst noch etwas unübersichtlich scheint. „Ni hao“ – guten Tag, „xiexie“ – danke, „zai jian“ – tschüss, der Gymnasiast beginnt mit den einfachen Zeichen, die sind schon schwierig genug.

Dazu kommen besondere Eigenheiten im Miteinander der Menschen: „Beim Essen ist manches erlaubt, was bei uns als schlechtes Benehmen gilt. Rülpsen und Schmatzen zum Beispiel, zum Zeichen, dass es dem Gast schmeckt.“ Mit dem Essen wird das ohnehin so eine Sache werden, manche Gerichte sind für europäische Gaumen möglicherweise eher schwierig zu verkraften. Schweinehufe und Maden zum Beispiel, aber der junge Hamelner ist fest entschlossen, alles zu probieren, falls er in die Situation kommt. „Maden haben ja auch viel Eiweiß.“

Ein besonderer Stellenwert kommt in China den Geschenken zu, die im Falle einer Einladung mitgebracht werden, denn das Land hat eine ausgeprägte Geschenkkultur, die voller Tücken ist, wenn man sich nicht auskennt: „Scheren sollte man nicht schenken, das bedeutet, man zerschneidet die Freundschaft.“ Man sollte als Gast auch darauf verzichten, dem chinesischen Gastgeber oder der Frau des Gastgebers Blumen mitzubringen. Das in Europa immer passende Bouquet wird in China vor allem bei Todesfällen geschenkt und wäre daher in den meisten Fällen kaum angemessen.

Ein bisschen aufgeregt ist der junge Hamelner schon, so richtig weiß er nicht, was ihn erwartet. 11,8 Millionen Menschen leben im Ballungsgebiet Beijing, der Hauptstadt Peking und dem politischen Zentrum Chinas. Die Sommer- und Wintertemperaturen ähneln denen der Hamelns, und tatsächlich trennen die beiden Orte auch nur fünf Höhenmeter: Peking liegt 63 Meter über dem Meeresspiegel, Hameln 68 Meter. Er bleibt also fast auf Augenhöhe mit seinem Zuhause, nur mit erheblich mehr Menschen. Bei aller Fremde wenigstens kleine Gemeinsamkeiten.

Gefragt, was er denn in China unbedingt sehen möchte, muss der Gymnasiast nicht lange überlegen: „Wenn es sich machen lässt, würde ich gern ins Himalajagebiet fahren.“ Sein Leben in der Großstadt und seine Ausflüge ins Land wird er auf einer eigens dafür eingerichteten Web-Seite dokumentieren: „Unter jasper.urban-spirits.de will ich festhalten, was mir in China alles widerfährt.“ Wer will, kann den jungen Hamelner also ein Jahr lang begleiten. Außer Fotos von Freunden und Familie „muss natürlich Musik mit“, der i-Pod ist für seine Generation unverzichtbar.

Gibt es irgendwas, dass ihm ein kleines bisschen Angst macht? Kurze Überlegung: „Nö! Ich freu mich einfach drauf.“ Wenn Jasper das sagt, klingt es noch ein bisschen wie Jugendzeltlager in den Sommerferien.

Aber: China ist nicht um die Ecke, sondern am anderen Ende der Welt. Und wird trotz Vater alles ohne Heimweh abgehen? „Es gibt doch Skype, Facebook und ICQ, ich kann aus Peking im Grunde jederzeit alle erreichen“, kommt Jaspers prompte Antwort.

Jugendliche von heute sind eben nicht einfach ein ganzes Jahr weg und telefonieren nur einmal im Monat nach Hause. Sie sind „ON“, täglich – in Hameln und in Peking. Die Welt ist eben doch klein.

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