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Bürger beanstandet Heeßer Friedhofsquere / Behördenchef kontert: Halbe Kosten wie in Buchholz

Neue Brücke: Viel zu breit - und viel zu teuer?

Heeßen (tw). Erst beschädigt ein Schwerlaster im Rahmen des Brückenschlags den Hof der Grundschule Heeßen, (10 000 Euro Schaden, wir berichteten) jetzt stellt sich heraus: Das von einer Düsseldorfer Firma errichtete Bauwerk "passt offensichtlich nicht - und kommt die Samtgemeinde damit am Ende vielleicht teurer als gedacht". Das jedenfalls meint Andreas Vogt, Buchholzer Bürger und Betriebsleiter "Hohmeier Anlagenbau" (Stadthagen). Die Firma hatte Mitte Januar in einem Brief an den Landkreis moniert, dass Eilsen den Auftrag freihändig vergeben hatte - doch davon später mehr.

Passt sie, oder passt sie nicht? Das ist bei der Heeßer Auebrück

Jetzt spricht der Buchholzer als Privatmann, wie er betont. Und sagt: "Die Neukonstruktion der Brücke am Friedhof Heeßen ist für die Widerlager, die noch von der Vorgänger-Quere stammen, mit 1,60 Meter viel zu breit." Folge: Es fehle die Anpflasterung, außerdem seien die Widerlager nicht an die Höhe des Bohlenbelags angeglichen. Vogt: "Nicht nur bei Dämmerung und Dunkelheit besteht fürFußgänger, die die Brücke passieren, akute Stolpergefahr." Eine Situation, die unmöglich so bleiben könne. Eine Situation, die für den Diplom-Ingenieur aber auch Resultat besagter freihändiger Vergabe, "ohne Ausschreibung und ohne Planung" ist. Seine Prognose: "Rechnet man die Kosten für die Arbeiten hinzu, die noch geleistet werden müssen, damit die Quere sicher ist, wird das Projekt viel teurer als der jüngste Brückenschlag von Hohmeier in Buchholz ..." Heinz Wischnat auf Nachfrage: "Die Aufgänge der Brücke werden noch angepasst, die Kosten dafür bei 500 Euro liegen." Doch der Samtgemeindebürgermeister macht eine ganz andere Rechnung auf: "Hohmeier hat für die Brücke in Buchholz 19 755 Euro abgerechnet. Alles in allem hat die Quere die Gemeinde aber 29 647 Euro gekostet." Dagegen schlage das Objekt in Heeßen mit nur 14 625 Euro die Buche, koste damit also nur die Hälfte der Brücke in Buchholz; allerdings sind in besagtem Betrag die Kosten für die Reparatur des Schulhofs Heeßen noch nicht enthalten. "Im übrigen", betont Wischnat, "wollte der VA für Heeßen eine Holz- und keine Stahlbrücke". Hintergrund: Bereits in dem besagten Brief an die Kommunalaufsicht hatte Vogt die Buchholzer Quere, "Auftragswert: 17 031 Euro plus Mehrwertsteuer", als Referenzobjekt ins Feld geführt: "Die Brücke in Heeßen ist bis auf den Belag gleich." Durch das Verwenden von Bongossi-Holz hätte "Hohmeier", so Vogt, die Heeßer Quere "all inclusive" für weniger als 15 900 Euro plus Mehrwertsteuer liefern können. Die von der Samtgemeinde behauptete "Eilbedürftigkeit" des Brückenschlags am Friedhof, die dann zur Auftragsvergabe ohne Ausschreibung geführt hatte, lässt der Diplom-Ingenieur nicht gelten: Die alte Brücke, so Vogt in dem damaligen Schreiben weiter, "ist nicht erst seit Sommer in dem schlechten Zustand, und sie wird daher nicht in dennächsten Wochen zusammenbrechen." Die Antwort, die Hohmeier vom Landkreis erhalten hat, gibt der Samtgemeinde zwar Recht,übt aber auch Kritik. In dem Schreiben heißt es: "Die Samtgemeinde hatte zweifelsfrei im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht eine Risikoabwägung vorzunehmen. Sie hat im Ergebnis aufgrund der festgestellten Schäden eine schnellstmögliche Erneuerung der Brücke favorisiert." Das Interesse möglicher Bieter an einer - alternativ denkbaren - beschränkten Ausschreibung habe zwangsläufig zurückstehen müssen, wenn der Sicherheit der Fußgänger Priorität eingeräumt werden sollte. Fazit der Prüfer: "Die von der Samtgemeinde dargelegte Sachlage hätte in der Tat eine Abweichung vom Grundsatz der öffentlichen Ausschreibung gerechtfertigt." Allerdings, so der Landkreis weiter, lasse es sich nicht mehr zweifelsfrei klären, ob die Brücke "tatsächlich in einem derart Besorgnis erregenden Zustand war". Um "Zweifelsfälle" in Zukunft auszuschließen, sei die Samtgemeinde daher gebeten worden, ein Abweichen vom Grundsatz der öffentlichen Ausschreibung zuvor mit dem Rechnungsprüfungsamt abzustimmen. Ein Vorgehen, das laut Landkreis bereits im Vorfeld des umstrittenen Heeßer Brückenschlags ratsam gewesen wäre ...

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