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Gosemann schließt gewerblichen Anbieter aus / Schüler und Eltern am Adolfinum reagieren betroffen

Nein zu Tanzkurs: Neuer Rektor in der Kritik

Bückeburg. Darf eineöffentlich-rechtliche Schule in ihren Räumen einen gewerblichen Tanzkurs durchführen lassen? "Nein", sagt Heinz-Ulrich Gosemann, Direktor des Gymnasiums Adolfinum Bückeburg. "Warum nicht?" fragen hingegen nicht wenige Schüler und Eltern. Grund für erheblichen Diskussionsstoff am Adolfinum, wogerade ein solcher Kurs von der Schulleitung untersagt wurde.

Autor:

Johannes Pietsch

Mehrmals hatte Carsten Münnichow von der Stadthäger Tanzschule Münnichow mit Genehmigung des damaligen Schulleiters Wilhelm Gieseke Tanzkurse am Gymnasium Adolfinum Bückeburg durchgeführt. Bei Dienstantritt des neuen Schulleiters Heinz-Ulrich Gosemann im November 2006 schob dieser einer Fortsetzung im Frühjahr 2007 einen Riegel vor. "Nach eingehender Prüfung können wir Ihnen aus schulrechtlichen Gründen die Fortführung Ihres Tanzkurses nicht genehmigen", schrieb die Schule am 7. Dezember an Münnichow. "Ich sehe ein solches kommerzielles Angebot nicht im Einklang mit dem niedersächsischen Schulgesetz", begründete der Schulleiter gegenüber unserer Zeitung seinen Entschluss. Umsoüberraschter zeigte sich Gosemann, als er im Januar mehr oder weniger zufällig von einem erneuten Engagement Münnichows in der benachbarten Kreissporthalle erfuhr, und das zu Zeiten, in denen diese Halle bestimmungsgemäß "schulischen Belangen" zur Verfügung stehen sollte. "Eine völlig unhaltbare Situation", urteilte der Direktor. "Bei uns riefen Eltern im Sekretariat an und erkundigten sich nach einem Tanzkurs, von dem wir offiziell überhaupt nichts wussten." Was war geschehen? Tanzlehrer Münnichow hatte sich nach der Absage Gosemann auf der Suche nach alternativen Räumlichkeiten an den Landkreis Schaumburg gewandt mit der Bitte, ihm eine Durchführung in der Kreissporthalle zu ermöglichen. Der Landkreis verwies an die Stadt Bückeburg als Verwalter der Hallenzeiten. Dort zeigte man sich dem Ansinnen Münnichows aufgeschlossen, obwohl dieser aus dem gewerblichen Charakter seiner Tanzschule keinerlei Hehl machte. Diesänderte sich jedoch prompt nach Intervention Gosemanns bei der Stadt. Am 1. Februar schrieb die Verwaltung an Münnichow, man habe festgestellt, dass es sich bei dem Tanzkurs nicht um eine Kooperation mit der Schule handele. Wörtlich: "Für die Verfolgung derartiger gewerblicher Zwecke ist die Überlassung von Räumen und Einrichtungen der Kreissporthalle ausgeschlossen." Münnichow kann die Kehrtwende nicht nachvollziehen: Er sei stets eindeutig und unmissverständlich als Tanzschule aufgetreten und habe nie von einer "Kooperation mit der Schule gesprochen" erklärte er in einem Antwortschreiben an die Stadt. Münnichow wies außerdem darauf hin, dass er keinesfallsvon sich aus mit seinem Tanzkurs an das Adolfinum gekommen sei, sondern auf ausdrücklichen Wunsch von Schülern und Eltern sowie mit Unterstützung des damaligen Schulleiters Wilhelm Gieseke: "Schüler des Adolfinums sind in Eigeninitiative an mich herangetreten und haben mich um die Durchführungvon Tanzkursen gebeten." Auch bei vielen Eltern ist manüber die Entwicklung alles andere als glücklich. "Andere Schulen handhaben dieses Thema völlig anders", erklärte ein betroffener Vater und verwies auf das Beispiel des Projekts "Lebendige Schule" in Arnsberg sowie eines Gymnasiums in Leer. Außerdem habe bereits 2001 die Bund-Länder-Kommissionfür Bildungsplanung und Forschungsförderung empfohlen, Lern-Orte für außerschulische Angebote zu öffnen und diese zu integrieren.

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