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Zwei junge Männer überleben Unfall unverletzt / In Hohenrode Hilfe gefunden

Navi leitet Autofahrer in die Weser

Rumbeck (ube). Er vertraute offenbar blind seinem Navigationsgerät - gestern, Sonntag, um 3.15 Uhr führte ihn die Stimme aus dem Computer direkt in die Weser. Wie durch ein Wunder überlebten der Autofahrer und sein Beifahrer.

Feuerwehreinsatz bei Rumbeck: Mit Rüstwagen und Seilwinde wird d

Es ist stockfinster. Die beiden jungen Männer aus Paderborn und Salzkotten sind mit einem dunkelblauen Hyundai-Kleinwagen unterwegs im Landkreis Hameln-Pyrmont. Sie wollen nach Hause. Der Fahrer - ein 19-Jähriger - biegt am Schünebusch von der Landesstraße 433 auf die Kreisstraße 83 ab. Das Navigationsgerät hat es so gewollt. In der Dunkelheit erkennt der Paderborner den Fluss nicht. Er wird nur die Lichter der Straßenlaternen am anderen Ufer gesehen haben. Plötzlich fährt der Hyundai in die Weser. Die Freunde versuchen, die Türen zu öffnen, aber der Druck des Wassers ist zu groß. Der Motor ist ausgegangen. Der Autofahrer dreht den Schlüssel im Schloss - unglaublich, aber wahr: Die Zündung funktioniert noch. So können die Eingeschlossenen die elektrischen Fensterheber betätigen und die Türscheiben nach unten fahren. Die Freunde klettern aus dem Wagen, schwimmen ans rettende Ufer. Die Weser ist eiskalt. Die Außentemperatur beträgt nur 4,8 Grad über Null. Völlig durchnässt irren die beiden Verunglückten durch die Feldmark. Irgendwann erreichen sie die Landesstraße, von dort gehen sie frierend bis nach Hohenrode. Ungefähr eine halbe Stunde müssen sie unterwegs gewesen sein. Die Männer klingeln an der Tür des ersten Hauses, das sie sehen und bitten um Hilfe. Die Bewohner reichen ihnen trockene Kleidung, informieren die Polizei. Der Notruf läuft in Nienburg auf. Deshalb kommt die Polizei aus Rinteln. Beamte nehmen die unverletzten und offenbar nicht stark unterkühlten Freunde mit zur Wache. Dabei stellen sie fest, dass der Autofahrer nach Alkohol riecht. Sie rufen einen Arzt, lassen ihm eine Blutprobe entnehmen. Der Mann habe "etwas getrunken, allerdings nicht viel", sagt ein Ermittler. Den Atemalkoholwert will er nicht verraten. Die Feuerwehr Hessisch Oldendorf rückt aus. Die freiwilligen Helfer sollen das Auto aus der Weser bergen. Das Dach schaut noch aus den Fluten. Mit ihrem Rettungsboot "Neptun 112" paddeln Feuerwehrleute zu dem Wagen und bringen Befestigungsgurte an. Mit der Seilwinde wird das Auto an Land gezogen. Bereits am 8. Dezember ereignete sich an derselben Stelle einähnlicher Unfall. An diesem Samstagabend fuhr eine 20 Jahre alte Frau aus Aerzen ungebremst in die Weser. Auch sie hatte in der Dunkelheit das Wasser nicht gesehen. Der Fiat Seicento lief voll und ging unter. Erst als nur noch Kopf und Schultern aus dem Wasser schauten, gelang es der Aerzenerin, die Tür zu öffnen. Weil die Strömung zu stark war, schaffte sie es nicht, ans Rumbecker Ufer zu gelangen. Der Weserpegel bei Wehrbergen lag zum Unfallzeitpunkt bei 5,09 Meter. Also schwamm die 20-Jährige mit allerletzter Kraft in Richtung Großenwieden. Sie wurde abgetrieben, ging kurz vor Großenwieden kurzzeitig unter - und wäre um ein Haar ertrunken. Auch im Dezember war die Kreisstraße nicht komplett gesperrt worden. Die Hinweis- und Warnschilder wurden von den Verkehrsteilnehmern in der Dunkelheit nicht wahrgenommen. Ein paar blinkende Sperrbaken könnten ähnlich gelagerte Unglücke verhindern.

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